Der Klavierkabarettist Bodo Wartke ist zwei Mal auf dem Bild zu sehen, links im Bild in einem grünen Anzug, da schaut er zur Seite und rechts daneben steht er in einem roten Anzug und schaut nach vorne. © Sven A. Hagolani

Bodo Wartke bei NDR Kultur à la carte EXTRA

Stand: 15.03.2023 09:45 Uhr

Das Multitalent Bodo Wartke steht für Musik-Kabarett, Hochkultur und Entertainment. Seit über 25 Jahren steht der Hamburger auf der Bühne. Mit seinen Songs trat er live im NDR Kultur Studio auf.

Bodo ist ein Kind des Nordens und wuchs in der Nähe von Lübeck auf. Seit 25 Jahren begeistert er ein wachsendes Publikum mit seinen klugen und witzigen Liedern, die er meist solistisch darbietet. Dabei schreckt Bodo Wartke auch nicht vor heiklen politischen und gesellschaftlichen Themen zurück. Intelligente Unterhaltung auf hohem Niveau. Sein aktuelles Programm heißt "Wandelmut", mit diesem tourt er gerade durch Deutschland. 

Was kommt bei dir zuerst, wenn du dir neue Lieder überlegst - das Wort oder die Musik?

Bodo Wartke: Mal so, mal so. Wichtig ist das Ergebnis: Also, dass ein Lied entsteht, bei dem Musik und Text zusammenpassen. Die Wege dahin sind sehr unterschiedlich. Es kommt vor, dass ich erst einen kompletten Liedtext fertig schreibe und mich dann frage, wie könnte der klingen? Entweder habe ich schon eine Melodie im Kopf oder ich setze mich ans Klavier und fange an zu harmonisieren. Manche Lieder entstehen komplett im Kopf, ohne dass ich mich dafür ans Klavier setzen muss. Ich versuche also, die Musik, die den Worten bereits innewohnt, mit dem Instrument rauszukitzeln.

Du hast in Berlin erst Physik studiert und später Klavier und Gesang an der Universität der Künste. Wie kam es dazu?

Wartke: Meine Mutter hat mir empfohlen, Physik zu studieren und das hab ich gemacht, in der Annahme, das würde mich interessieren, was es zu Schulzeiten auch getan hat. Aber zu Uni-Zeiten eben gar nicht mehr. Ich habe gemerkt, meine Leidenschaft liegt woanders. Ich habe Lieder und Gedichte während Physikvorlesungen geschrieben, die ich abends auf Kleinkunstbühnen in Berlin ausprobiert habe. In meinem zweiten Semester in Physik, an der Humboldt-Universität in Berlin, fand der erste bundesweite Studierendenstreik statt mit zehntausenden Studierenden. Das hat mich inspiriert, ich habe Lieder über Studiengebühren und über Ungleichheit in der Bildung geschrieben, also das, was Thema war. Ich habe das in Reim- und Liedform verpackt und auf den großen Kundgebungen auf dem Alexanderplatz und auf dem Wittenbergplatz vorgesungen. Es fühlte sich ein bisschen an wie Woodstock.

Bodo Wartke © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Hendrik Schmidt
AUDIO: Treffsicherer Wortakrobat: Bodo Wartke (55 Min)

Da habe ich gedacht: Das ist mein Talent, hier kann ich etwas bewegen und das ist auch meine Leidenschaft. Und ich wurde tatsächlich engagiert als Moderator einer Varieté-Show im Chamäleon-Varieté in den Hackeschen Höfen. Das war für mich der Anlass, mein Physikstudium ruhen zu lassen und mich nach diesem dreimonatigen Engagement umzuorientieren. Ich konnte jeden Abend auftreten und es hat mir immer Spaß gemacht, bis heute. Das ist das, was ich möchte - einfach weitermachen. Und dann hab ich Musik studiert, weil ich besser werden wollte in dem, was ich schon tat: nämlich Klavier spielen und singen.

Du bist ein Weltverbesserer. Du postest über die neuen Aktionen von "Klimaneutral leben in Berlin", du mischst dich ein. Bist du da eher Optimist oder Pessimist?

Wartke: Das ist tagesformabhängig, würde ich sagen - meistens Optimist. Was will man machen, außer zu hoffen, dass es besser wird? Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten zumindest ein Bewusstsein zu schaffen oder eben Lieder über Themen zu schreiben, die mich selber umtreiben. Und wenn ich diese Lieder dann noch mit einem Spendenzweck verknüpfen kann, der inhaltlich zum jeweiligen Lied passt, ist das toll. Es gibt ein Lied von mir, das heißt "Das Land, in dem ich leben will" und wenn man das digital erwirbt, spendet man bei einem Download automatisch Geld an Amnesty International. Ein anderer Erlös von dem Lied "Nicht in meinem Namen" geht an Ärzte ohne Grenzen. Also an diejenigen Menschen, die versuchen, die Wunden, die es gibt, zu heilen und das, was andere Menschen kaputtmachen, zu reparieren. Und da gibt es ja zum Glück auch viel Gutes.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 15.03.2023 | 13:00 Uhr

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Lyrik

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