Salomés Gemälde: "Wagner Feuerbild" aus dem Jahr 1984 © Kunstsammlung der Berliner Volksbank/Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg e.V.

Ausstellung "Junge Wilde": Werke großer Künstler*innen in Wedel

Stand: 25.10.2022 00:01 Uhr

Eine Ausstellung im Barlach-Kunstmuseum Wedel zeigt Kunst aus den 80er-Jahren der Berliner Kunstszene. Malerei von Künstlerinnen und Künstlern, die längst weltberühmt sind.

von Corinna Below

Knallig-roter Untergrund, darauf wilde weiße Linien und schwarze Flächen, wie zerrissen: ein Bild von A.R. Penck. Oder Seerosen von Salomé: blau, gelb, rot und grün und so grob, dass man lange hingucken muss, um sie zu erkennen. Die Künstler, die im Barlach-Kunstmuseum Wedel ausgestellt werden, sind längst weltberühmt. So wie Markus Lüpertz - immer schon ein Maler ohne Selbstzweifel: "Man wird dafür einfach geboren. Es gab nie einen Zweifel, nie einen anderen Berufswunsch."

Eins seiner Bilder heißt und zeigt: zwei Krieger. Seine Malweise ist großformatig, grob, expressiv und wild. Kurator Jürgen Doppelstein erklärt: "Wild war das Expressive, das Gestische, das Farbige, das Figurative, das letztendlich Wilde, das Heftige. Das, was wir heute als wild bezeichnen."

Veränderte Zeitreise der Ausstellung

Vor 40 Jahren wurden die Werke der jetzt in Wedel ausgestellten Künstler in Berlin gezeigt. Damals eine Ausstellung, die die Stimmung der Zeit widerspiegelte. "Berlin hatte eine ganz spezifische Energie", erzählt Kurator Doppelstein. Von Kriegsschäden gezeichnet, war Berlin eine Stadt der Subkulturen und Kriegsdienstverweigerer, des Kalten Krieges, der Drogen und Demonstrationen. Zwischen Mauer und dem einstigen Gestapo-Hauptquartier zeigten zwei Kuratoren in ihrer international viel beachteten "Zeitgeist"-Ausstellung Werke von 60 Künstlern.

Der Wedeler Kurator Jürgen Doppelstein war damals als technischer Assistent dabei. "Wir haben Wände gebaut, gestrichen und genagelt. Irgendwann kam die Kunst und die wurde dann ausgepackt. Dann standen diese gigantischen Formate vor mir, das war ein zutiefst prägender Moment. Diese gewaltige expressive Kraft, die von diesen Bildern ausging. Das war ästhetisch umwerfend, aber auch emotional umwerfend."

Expressive Malerei großer Künstler

Die Ausstellung in Wedel ist aber keine Kopie der Schau von 1982. Es gibt einen entscheidenden Unterschied zum großen Berliner Vorbild. In Wedel ist Kunst von Frauen dabei. Die deutlich nach 80er-Jahren aussehenden Frauenfiguren von Elvira Bach, gemalt mit leichtem Pinselstrich, mit wilder Schminke, Schmuck und knallrotem Nagellack; fantastische Wesen von Ina Barfuss oder die vielschichtigen Werke von Christa Dichgans. Sie gilt als Pionierin der deutschen Pop-Art.

Sie und die anderen wurden 1982 gar nicht erst eingeladen, erzählt Doppelstein: "Man kennt sie doch alle, Baselitz, Lüpertz, Immendorf - wie sie alle heißen, das waren Herrschertypen. Die haben Frauen nur bedingt neben sich geduldet und die Kuratoren genauso. Das waren die gleichen Leute. Gute, gebildete, kreative Leute, aber die Genderfrage hatten die sich nicht wirklich gestellt." Die Ausstellung "Junge Wilde - Expressive Malerei im Berlin der 80er-Jahre" zeigt Werke großer Künstler und Künstlerinnen - so ändert sich eben der Zeitgeist.

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Ausstellung "Junge Wilde": Werke großer Künstler*innen in Wedel

Eine Ausstellung im Barlach-Kunstmuseum Wedel zeigt Kunst aus den 80er-Jahren der Berliner Kunstszene.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Barlach Museum Wedel
Mühlenstraße 1
22880 Wedel
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 25.10.2022 | 09:20 Uhr

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