Das Team des Göttinger Literaturherbstes 2022 © Göttinger Literaturherbst / Dietrich Kühne Foto: Dietrich Kühne

Der Göttinger Literaturherbst beginnt

Stand: 21.10.2022 10:11 Uhr

Am Samstag beginnt in Göttingen der Literaturherbst. Das Festival soll politischer als in den vergangenen Jahren werden, mit Autorinnen und Autoren die gegenwärtige Debatten abbilden. Begleitend werden seit gestern Bilder von Günther Grass ausgestellt, den immer die aktuellen Fragen seiner Zeit beschäftigten.

von Sebastian Vesper

Der Buchstabe C in blauer Serifenschrift hängt als Kunstwerk an der Wand im Grass Archiv. Wie Efeu wird das C von Wörtern in Schreibschrift umschlungen, die meistens nicht zu entziffern sind. Gemalt hat das Bild Günther Grass, der mehr als nur Autor gewesen sei. "Man lernt jetzt Günter Grass als Buchgestalter kennen. Das war schon immer ein wichtiges Anliegen für ihn. Er hat alle seine Buchumschläge selbst gestaltet. Das lernt man hier bei Grimms Wörter kennen", sagt Lisa Kunze, die zusammen mit Heinrich Detering "Grimms Wörter" kuratiert hat. Die beiden setzen den Fokus auf Grass als bildenden Künstler und zeigen seine Entwürfe für Skulpturen und Kunstwerke, die nur aus Zahlen bestehen. Es sind eher unbekannte Arbeiten.

Günter Grass als spielerischer Künstler

"Hier gibt es eine Seite von Günter Grass zu entdecken, die oft vergessen wird, und das ist die sinnliche, spielerische, die spaßorientierte Seite des Künstlers Grass. Man denkt bei Grass immer an die großen politischen Botschaften, an die schwerwiegenden Zeitdeutungen. Aber Grass war auch ein Spieler und Spaßmacher und diese Ausstellung sollte vor allen Dingen Spaß machen", meint Heinrich Detering.

Auftritte von Robert Menasse und Kim de l'Horizon

Grass´ Bilder sind ein Teil des diesjährigen Programm des Göttinger Literaturherbstes und können während der gesamten Zeit kostenlos angesehen werden. Vor allem soll es bei dem Literaturfestival aber natürlich um die Bücher dieser Saison gehen. Robert Menasse zum Beispiel wird aus seinem neuen Roman "Die Erweiterung" vorlesen. Und auch Kim de l'Horizon - gerade erst mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet - tritt gleich zweimal auf.

Weitere Informationen
Eine Person hält ein Buch in die Kamera © NDR/Hondl

Buchpreis für Kim de l'Horizon: "Es ist ein Buch der Angst"

Gesellschaftliche Anpassung, Kindheitstrauma, Familiengeschichte - all das hat Kim de l'Horizon im "Blutbuch" verarbeitet. mehr

Programm von gegenwärtigen Debatten geprägt

Das Programm sei in diesem Jahr insgesamt durch gegenwärtige Debatten geprägt, so Johannes-Peter Herberhold, Leiter des Literaturherbstes: "Wir haben auch sehr viele politische und gesellschaftlich relevante Themen im Programm. Ich denke, das bilden die Verlage im Moment ab. Es ist eine politische Zeit. Es ist eine aufgeregte Zeit und wir werden uns natürlich auch mit den aktuellen Krisen, der Energiekrise und auch der Ukraine-Krise beschäftigen."

Kultur ist "fester Bestandteil des Lebens"

Ein Literaturfestival kann die existenziellen Nöte der Menschen nicht lösen. Trotzdem könne es einen Beitrag leisten, meint Johannes-Peter Herberhold: "Durch so eine Krise gut hindurch zu kommen, ist immer eine ganz wichtige Sache und Kultur und kulturelle Beschäftigung gehört einfach ganz fest dazu. Ich finde nicht unbedingt, wie die Luft zum Atmen oder das Wasser zum Trinken, aber es ist ein ganz fester Bestandteil des Lebens. Und wenn man das alles gut bewältigen will, sollte man sich einfach auch den Fragen der Zeit stellen und sich mit Kultur beschäftigen."

Weitere Informationen
Christiane Peitz © IMAGO / APP-Photo

Kühle Säle, hitzige Debatten - Kultur und Künste im Krisenmodus

Hat die Kultur Long Covid? Verlieren sich die Künste in der Krise selbst aus dem Blick? Wird es je wieder sein wie zuvor? mehr

"Der kleine Eisbär" auf Deutsch und Ukrainisch

So fragen beispielsweise Mithu Sanyal, Linus Giese und Tanja Raich, wie die Welt aussehen würde, wenn Frauen das Zepter in der Hand hielten. Ian Kershaw blickt auf die großen politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und wie sie mit den Krisen ihrer Zeit umgingen.

Es gibt aber auch Programm für junge Bücher-Begeisterte: Der kleine Eisbär wird auf Deutsch und Ukrainisch vorgelesen. Neu ist in diesem Jahr das Festivalcafé im Literaturhaus Göttingen. Dort sollen die Autorinnen und Autoren mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 21.10.2022 | 08:15 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Ausstellungen

Heinz Strunk © picture alliance/dpa | Christian Charisius Foto: Christian Charisius

Deutscher Buchpreis 2022: Diese 20 Bücher stehen auf der Longlist

20 Romantitel stehen auf der Longlist 2022. Mit Kristine Bilkau und Heinz Strunk sind auch zwei Norddeutsche nominiert. mehr

Ein Latte Macchiato, eine Brille und eine Kerze liegen auf einem Buch © picture alliance / Zoonar | Oleksandr Latkun

Neue Bücher 2024: Die spannendsten Neuerscheinungen

Unter anderem gibt es Neues von Dana von Suffrin, Michael Köhlmeier und Bernardine Evaristo. mehr

Logo vom NDR Kultur Podcast "eat.READ.sleep" © NDR Foto: Sinje Hasheider

eat.READ.sleep. Bücher für dich

Lieblingsbücher, Neuerscheinungen, Bestseller – wir geben Tipps und Orientierung. Außerdem: Interviews mit Büchermenschen, Fun Facts und eine literarische Vorspeise. mehr

Der Arm einer Frau bedient einen Laptop, der auf einem Tisch in einem Garten steht, während die andere Hand einen Becher hält. © picture alliance / Westend61 | Svetlana Karner

Abonnieren Sie den NDR Kultur Newsletter

NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner. Melden Sie sich hier an! mehr

NDR Kultur App Bewerbung

Die NDR Kultur App - kostenlos im Store!

NDR Kultur können Sie jetzt immer bei sich haben - Livestream, exklusive Gewinnspiele und der direkte Draht ins Studio mit dem Messenger. mehr

Mehr Kultur

Eine Frau mit langen braunen Haaren und einem roten Rollkragenpullover blickt in die Kamera. © Cihan Cakmak

Autorin Ronya Othmann: "Wir Jesiden fühlten uns sehr allein"

In ihrem neuen Buch "Vierundsiebzig" setzt sich Ronya Othmann mit dem Genozid an den Jesiden 2014 auseinander. mehr