VIDEO: Weltrekordhalter und Holocaust-Überlebender Shaul Ladany (30 Min)

Ausstellung zu Shaul Ladany: Er überlebte KZ und Olympia-Attentat

Stand: 19.01.2023 00:01 Uhr

Der Israeli Shaul Ladany überlebte das KZ und die Geiselnahme israelischer Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Die Ausstellung "Lebensläufe", die in der Akademie des Sports in Hannover zu sehen ist, zeigt sein Leben und seine Sammlung.

Shaul Ladany vor einem Waldstück. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte
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von Andrea Schwyzer

Shaul Ladany hat das KZ Bergen-Belsen überlebt, später die Geiselnahme der israelischen Olympiamannschaft durch palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Schon als Jugendlicher fing er an, Dokumente und Erinnerungsstücke zu sammeln. Teile seiner Sammlung sind nun zu sehen. Bei der Eröffnung der Schau wird Shaul Ladany anwesend sein, aus seinem Leben erzählen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

Shaul Ladany: Ein Leben zwischen Freud und Leid

Wie viel passt in ein Menschenleben? Wie viel Durchhaltewille, wie viele Erfolge, wie viel Glück, wie viel Angst, wie viel Leid, Terror und Krieg? Krieg und Terror lernt Shaul Ladany mit fünf Jahren kennen, beim Angriff der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien, 1941. Eine Bombe zerstört die Villa der Ladanys in Belgrad und tötet mehrere Menschen. Doch nicht die Familie von Shaul Ladany.

Die Eltern flüchten mit den drei Kindern nach Ungarn, werden drei Jahre später von dort aus aber nach Bergen-Belsen deportiert. Und: sie überleben auch die Zeit im KZ. Im Dezember 1944 werden die Ladanys ausgelöst und kommen in die Schweiz. "Wir hatten Glück, keine Frage. Wir hatten das Glück, aus der Hölle entkommen zu sein. Wenn wir diesen Transport nicht gehabt hätten, wären wir sehr wahrscheinlich gestorben", berichtet Ladany.

Die Hölle von Bergen-Belsen

Bei der Befreiung von Bergen-Belsen finden die Briten 10.000 Leichen - verteilt auf dem ganzen Gelände. Unbeerdigt. Shaul Ladany hat Fotos davon. "Ich kann euch die Bilder zeigen. Die meisten dieser Bilder wurden nicht in die Bücher von Bergen-Belsen gedruckt. Sie sind schrecklich, furchtbar", sagt Ladany.

Die Ladanys wollen ein neues Leben beginnen - und emigrieren nach Palästina. Shaul Ladany wird zum Militär eingezogen, kämpft in der israelischen Armee in zwei Kriegen, studiert, wird Professor für Wirtschaftsingenieurwesen, entdeckt seine Leidenschaft fürs Laufen, rennt erst Marathon und wird dann Geher.

Olympia-Attentat von München: Geiselnahme der israelischen Mannschaft

Noch heute hält er den Weltrekord im Gehen über 50 Meilen. Zweimal war er bei den Olympischen Spielen: 1968 in Mexico-Stadt und 1972 in München. "Ich habe mich darauf gefreut hier zu sein. Es waren meine zweiten Olympischen Spiele", erzählt Ladany. "Und was besonders war: Ich konnte der Welt und den Deutschen zeigen: Schaut her, ihr wolltet uns umbringen, uns auslöschen. Aber hier bin ich, fähig es im Wettkampf mit dem Rest der Welt aufzunehmen." Wenige Tage später: Das Olympia-Attentat von München. Elf israelische Olympiateilnehmer werden bei der Geiselnahme durch palästinensische Terroristen getötet. Shaul Ladany überlebt.

In der Ausstellung "Lebensläufe - Verfolgung und Überleben im Spiegel der Sammlung von Shaul Ladany" sind Briefe zu sehen, Dokumente, Listen mit den Namen geretteter Juden, darunter die Ladanys, Zeichnungen und Fotografien. Objekte, deren Geschichte sich in Shaul Ladanys Leben eingebrannt hat. "Ich erinnere mich an alles, was ich durchmachen musste", so Ladany. "Aber ich habe immer nach vorne geschaut. Ich habe nie gezögert, über diese Dinge zu sprechen. Es ist nicht so, dass ich es mag, darüber zu sprechen. Aber ich kann es halt. Es macht mir nichts aus."

Ausstellung "Lebensläufe - Verfolgung und Überleben im Spiegel der Sammlung von Shaul Ladany"

Bei der Eröffnung wird der 86-Jährige wieder darüber sprechen - denn das Vergangene darf nicht vergessen werden. Shaul Ladany spricht gegen dieses Vergessen an, gegen Antisemitismus und Rassismus. Bei der Ausstellungseröffnung wird außerdem die Frage diskutiert, welche Rolle der Sport bei der Bekämpfung von Antisemitismus spielen kann. Mit dabei sind unter anderem der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, Felix Klein, und die Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Elke Gryglewski. Sie wird zudem einen neuen Begleitband zur Schau vorstellen.

 

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Der 86-jährige Israeli, der immer noch Weltrekordhalter im Gehen über 50 Meilen ist, kam zur Ausstellungseröffnung nach Hannover.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Akademie des Sports - Standort Hannover
Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg
30169 Hannover
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 18.01.2023 | 16:00 Uhr

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