Sendedatum: 29.03.2010 22:30 Uhr  | Archiv

Was wissen wir über die Wikinger?

Der Mythos Wikinger ist geprägt durch Filme über blutrünstige Barbaren, die plündern, vergewaltigen und morden. Oft werden sie als grausame und primitive Eroberer dargestellt. Das neu gestaltete Haithabu-Museum zeichnet ein anderes Bild.

Haithabu-Museum neu überarbeitet

Ein Mann macht ein Schiff an der Landebrücke im Wikinger Museum Haithabu fest. © dpa
Die Wikinger bauten hervorragende Schiffe, waren damit auf großen Meeren unterwegs und trieben weltweit Handel.

Die realen Wikinger lebten in der legendären Stadt Haithabu bei Schleswig. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert waren sie hier Zuhause. Das Museum zeigt Funde, die man bei jahrzehntelangen Ausgrabungen entdeckt hat. Daraus kann man auf eine weitaus vielschichtigere Persönlichkeit der Wikinger schließen.

Der Direktor des Archäologischen Landesmuseums, Claus von Carnap-Bornheim, ist der Meinung, das Image der Wikinger sei zu unrecht schlecht. Es werde einseitig fokussiert durch zum Beispiel Comics: "Ich glaube, dass wir hier im Museum das reale Leben der Menschen sehen, auch die sozialen Verhältnisse, in denen sie gelebt haben, das Verhältnis zum König, oder auch die Geografie, die sie im Kopf gehabt haben oder am Ende diese wunderbaren Schiffe, die sie gebaut haben. Das waren europäische Spitzenleistungen ihrer Zeit, das dürfen wir gar nicht wegdiskutieren."

Mythos und Wirklichkeit

Besucher in einem originalgetreu hergerichteten und ausgestatteten Haus in der Wikingersiedlung Haithabu. © dpa Foto: Carsten Rehder
In den Langhäusern wurde gekocht, gegessen, gespielt und geschlafen. Für die Handwerker gab es spezielle Arbeitshäuser.

In der Ausstellung sind rund 3.000 Exponate zu sehen. Sie sind zum Teil über 1.000 Jahre alt und belegen: Die Wikinger, die hier lebten, waren Handwerker. Ausgefeilte Berufe wie Kamm-Macher, Goldschmied und Glasperlenhersteller zeugen von einer ausgeprägten Arbeitsteilung. Die Funde lassen auf eine gebildete Kultur schließen - weit entfernt vom Klischee des tölpeligen dummen Wikingers, den man aus Filmen kennt. Ralf Bleile, Projektleiter im Museum, ist überzeugt: "Sie waren Handelsreisende, sie waren Kunstschaffende, sie waren Handwerker und Ackerbauern. Sie haben eine eigene Welt erschlossen, Nordamerika entdeckt. Sie sind nach Byzanz gefahren, haben friedlich gehandelt."

Die ersten "Global Player"

Die Wikinger waren die ersten "Global Player". Die Ausstellung zeigt, mit welchen Städten die Seefahrer Handel betrieben. Archäologen haben Waren aus weit entfernten Orten wie Dublin, Bagdad und Kiew gefunden. Der materielle Austausch mit weit entfernten Ländern hatte auch Einfluss auf die Kultur der Wikinger. Der Schlüssel ihres Erfolgs: Sie konnten grandiose Schiffe bauen und wagten sich damit todesmutig in die Weltmeere hinaus.

"Mit diesen Schiffen wurden nicht nur Sachen weggebracht, sondern es kamen auch viele Sachen zurück nach Hause: neue Gedanken, neue Ideen, neue Vorstellungen von der Welt. Auch das Christentum wurde an Bord der Schiffe in den skandinavischen Bereich importiert", sagt die Museumsleiterin Ute Drews.

Das Museum Haithabu räumt auf mit dem Mythos der brutalen, primitiven Wikinger. Es zeigt den Besuchern ein neues umfassenderes Bild ihrer faszinierenden Kultur.

 

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 29.03.2010 | 22:30 Uhr

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