Stand: 06.11.2018 17:16 Uhr

Wenig Raubkunst im Landesmuseum Schleswig

Anhand eines Gemäldes von Karl Hofer (1878-1955) haben die Direktorin des Landesmuseums in Schleswig, Kirsten Baumann (li.), und Provenienzforscherin Melanie Jacobi gezeigt, wie das Museum mit NS-Raubkunst umgeht.

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Schleswig betreibt seit gut fünf Jahren Provenienzforschung. Es untersucht systematisch die Sammlungsbestände auf NS-Raubkunst. Insgesamt halte sich die Zahl der sehr kritischen Objekte im Bestand in sehr engen Grenzen, sagte Direktorin Kirsten Baumann, am Dienstag in Schleswig. "Darüber bin ich als Direktorin nicht unfroh."

Arbeit hat etwas Detektivisches

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Melanie Jacobi zeigt auf dem Rahmen des Bildes "Mädchen mit Geranie" von Karl Hofer das Zeichen des Künstlers.

Am Beispiel eines Gemäldes von Karl Hofer (1878-1955) und eines Fächers aus dem 18. Jahrhundert veranschaulichten Baumann und die Provenienzforscherin des Museums, Melanie Jacobi, wie das Haus bei seinen Forschungen vorgeht. Die Arbeit hat dabei durchaus etwas Detektivisches. Ein paar Ziffern, ein paar Buchstaben auf der Gemälderückseite, ein Etikett mit einer Nummer - vielmehr ist es nicht, das darauf hindeutet, dass sich das Bild "Mädchen mit Geranien" von Hofer einmal im Besitz des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim (1878-1937) befand. Spätestens im Juni 1929 kaufte der jüdische Kaufmann und Privatsammler Max Selig das Bild. Dann verliert sich die Spur - bis das Gemälde 1949 als "herrenloses Kulturgut" in Kiel gefunden wurde und seinen Weg ins Landesmuseum fand.

Gemäldes von Karl Hofer als bedenklich eingestuft

Das Bild sei als bedenklich bis belastet eingestuft worden, sagte Jacobi. Denn Selig war aufgrund seiner jüdischen Herkunft unzweifelhaft Opfer der Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten. Der Zerstörung und Plünderung seines Eigentums in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fiel auch seine Gemäldesammlung zum Opfer. Ob sich darunter das Hofer-Gemälde befand oder ob Selig es vor 1938 wieder verkauft hatte, bleibt ungeklärt - trotz intensiver Nachforschungen. 

Museum verhandelt mit Erben Seligs

Trotz des Wissens um die Lücke in der Herkunftsgeschichte sei das Museum auf die Erben Seligs zugegangen, sagte Baumann. Man sei in Verhandlungen. Die Hoffnung sei, dass das Bild in Schleswig bleiben kann. Aber auch einer möglichen Rückgabe werde sich das Museum nicht verschließen. Unterdessen weist eine Tafel neben dem Bild die Besucher auf die Geschichte des Bildes hin.

Fächer ist eindeutig belastetes Objekt

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Im Falle des Fächers hat sich das Museum mit den Erben des ursprünglichen Besitzers geeinigt - und es ihnen abgekauft.

Bei dem Fächer ist die Herkunft lückenlos rekonstruierbar und geklärt. Er ist ein eindeutig belastetes Objekt - beziehungsweise ein solches gewesen, denn die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen hat sich mit den Erben gütlich geeinigt und ihnen den Fächer erneut abgekauft, wie Baumann sagte. Damit ist die Stiftung nun offiziell sein rechtmäßiger Besitzer.

Stiftung unterstützt Museen bei Provenienzforschung

Hilfe erhält das Museum bei seiner Arbeit vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Diese Stiftung unterstützt Museen bundesweit jährlich mit mehreren Millionen Euro bei ihrer Provenienzforschung, wie Sophie Leschik als Vertreterin des Zentrums sagte. Dabei versuche die Stiftung nicht nur in den Metropolen, sondern auch in den ländlichen Regionen die Provenienzforschung zu stärken. Angesprochen würden daher nicht nur die großen Häuser, sondern auch kleine Heimatmuseen. In Schleswig-Holstein gebe es insgesamt acht Projekte, davon drei in Schleswig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 06.11.2018 | 20:05 Uhr