Stand: 23.06.2019 15:19 Uhr

Norbert-Prangenberg-Ausstellung im Barlach Haus

von Kerry Rügemer

Der Künstler Norbert Prangenberg wurde 1982 als Teilnehmer der documenta 7 international bekannt. 2012 starb Prangenberg, der ein Bewunderer von Joseph Beuys war. In der Ausstellung "Formfreude", die am Sonntag im Ernst Barlach Haus in Hamburg eröffnet wurde, sind vor allem die Keramikfiguren des Künstlers zu sehen.

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Norbert Prangenberg schuf üppig verzierte und bunte Keramikskulpturen.

Riesige Objekte liegen im Raum - sie sehen aus wie Perlen, die ein Riese auf eine Kette fädeln will: Rosa, Lila, Türkis oder bunt glasiert; man kann von einem Ende zum anderen hindurch blicken. Mehrere 100 Kilo schwer ist so ein Objekt - und doch wirken sie alle irgendwie leicht. Genau das wollte Norbert Prangenberg, erzählt Kurator Karsten Müller: "Der Künstler hat mit sehr viel Material gearbeitet und dadurch auch eine Präsenz der Objekte geschaffen. Die großen Figuren, die Liegenden, die ja Gefäße sind, die aus der Vertikalen in die Horizontale gebracht sind, wirken wie hier kurz reingekullert oder wie ein Meteoritenschauer, der hier heruntergegangen ist. Und trotzdem sind es sehr wuchtige Werke."

Keine Trennung von Kunst und Alltag

In einem anderen Raum stehen Prangenbergs mannshohe Figuren. Sie sind nicht glatt und schimmernd wie die Riesenperlen - hier ist alles organisch, üppig bunt: Aus einem Riesengefäss wachsen Blütenkelche; manche Öffnungen sind rot und wirken wie Adern eines Lebewesens. Kreisrunde Formen tauchen überall auf. Zwei hohe Türme, über und über mit blau schimmernden Rundungen übersät, sind durch lange schlangenartige Tonstäbe miteinander verbunden.

"Formfreude" im Barlach Haus

Prangenbergs Tochter Anna erinnert sich daran, dass die künstlerische Arbeit immer ein Teil des Alltags war: "Er hat in der Werkstatt von Niels Dietrich gearbeitet und ich habe gegenüber gewohnt, als ich Studentin war. Wenn man sich zum Essen getroffen hat, ist man vorher noch mal eben in der Werkstatt vorbei gegangen oder am Wochenende ist man mal dahin gefahren. Es gab also keine große Trennung zwischen Arbeit und Kunst."

Der Kölner Keramiker Niels Dietrich arbeitete eng mit Prangenberg zusammen. Der Künstler hatte nämlich ein technisches Problem: Wo sollte er seine Riesenskulpturen brennen? Niels Dietrich baute extra für ihn einen entsprechend großen Ofen.

Prangenberg schuf Skulpturen voller Gegensätze

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Norbert Prangenberg in seinem Kölner Atelier im Jahr 1999.

Roter Ton, rau und rissig, daneben bläulich schimmernde, glatte, fast sahnig wirkende Glasur: Die Gegensätze an den Skulpturen faszinieren. Wer hineinblickt in die Objekte, erlebt eine Überraschung: Auch innen sind sie üppig und farbenfroh verziert. Geradezu überschwänglich, sinnlich wirken die Werke Prangenbergs, man möchte sie am liebsten anfassen - darf man natürlich nicht, aber auch Gucken ist wunderbar.

Prangenberg muss im Material regelrecht geschwelgt haben, hat seiner Fantasie einfach ganz freien Lauf gelassen: "Das sind Ergebnisse eines Prozesses, der nicht in eine bestimmte Richtung will, sondern der offen bleibt, für den Betrachter und damit eigentlich sehr spannungsreich ist. Und jedes Werk ist anders; es gibt sozusagen nicht die konzeptionelle Idee, sondern es ist ein Prozess, in dem ganz ungewöhnliche Objekte entstehen", so Kartsten Müller. Ergänzt werden Prangenbergs Werke von einigen Keramiken Barlachs, die nur selten gezeigt werden. So ist eine eindrucksvolle und sehr sinnliche Ausstellung entstanden.

Nach der Ausstellung "Formfreude" schließt das Ernst Barlach Haus wegen Umbauarbeiten der Lichtinstallation für vier Monate - und öffnet dann Anfang Januar zum 150. Geburtstag Barlachs mit einer großen Werkschau des Bildhauers.

Norbert-Prangenberg-Ausstellung im Barlach Haus

Mannshohe, bunte Skulpturen aus Ton sind im Ernst Barlach Haus zu bestaunen. Zum 70. Geburtstag des Künstlers Norbert Prangenberg werden dort 70 seiner Werke gezeigt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Barlach Haus
Baron-Voght-Straße 50a
22609  Hamburg
E-Mail:
info@barlach-haus.de
Preis:
2-7 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr
Hinweis:
Das Museum ist aufgrund der besonderen Architektur nicht barrierefrei. Besuche können aber individuell abgestimmt werden. Ein Rollstuhl steht zur Verfügung. Bitte informieren Sie sich vorab telefonisch unter 040–82 60 85.
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Kulturjournal | 21.06.2019 | 19:00 Uhr

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