Mike Winkelmanns Kunstwerk "Everydays: The First 5.000 Days" © picture alliance/dpa/Christie's

NFT-Kunst: Wie verändern Digitale Kunstwerke den Markt?

Stand: 07.04.2021 08:25 Uhr

Kunstwerke aus dem Computer, wurden bislang eher belächelt. Jetzt wurde das Werk eines amerikanischen Digital-Künstlers für 69 Millionen Dollar versteigert.

Mike Winkelmanns Kunstwerk "Everydays: The First 5.000 Days" © picture alliance/dpa/Christie's
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von Joachim Hagen

Ein Mann auf einem grauen Sofa beobachtet fasziniert im Fernsehen die Übertragung einer Kunst-Auktion bei Christies in New York. Gerade wird sein Werk für 69 Millionen Dollar verkauft. Mike Winkelmann heißt dieser Mann. Unter seinem Künstlernamen Beeple veröffentlichte er jahrelang jeden Tag ein kleines am Computer geschaffenes Bild. Das jetzt für 69 Millionen Dollar verkaufte Werk ist eine Collage dieser Bilder.

Möglich wurde die Versteigerung durch eine neue Verschlüsselungs-Technologie. Bild-Dateien werden dadurch im Internet so gesichert, dass sie nicht mehr verändert werden können. Das Herzstück dieser Technologie sind sogenannte "Non Fungible Token", kurz NFT´s, also "nicht austauschbare Wertmarken" die im Netz gespeichert werden. Dadurch wird aus einer normalen Datei, ein Original, das gehandelt werden kann. Auch der Name des Besitzers oder der Besitzerin wird per NFT´s mit dem Bild verknüpft.

Hype um digitale Marktplätze

Aber sind diese neuen technischen Möglichkeiten wirklich der Grund für die derzeitige Aufregung um digitale Kunst? Aram Bartholl, Professor für digitale Kunst an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg, hält das für unwahrscheinlich: "Digitale Kunst wurde auch schon vorher verkauft. Klassischerweise stellt die Galerie ein Zertifikat aus. Aber hier ist dieser Hype und diese Plattformen, die haben eine neue Aufmerksamkeit generiert."

Bei diesen Plattformen handelt es sich um digitale Marktplätze, auf denen nicht nur Computer-Bilder verkauft werden. Die kanadische Sängerin Grimes hat dort vor kurzem das Video eines ihrer Songs versteigert - für knapp 400.000 Dollar.

NFT-Plattformen bieten auch Gefahren der Manipulation des Kunstmarktes

Aram Bartholl beobachtet dieses gesteigerte Interesse an digitaler Kunst schon seit längerem. Ein Grund: Wegen Corona ist der klassische Kunstmarkt ausgetrocknet. Viele Galerien sind geschlossen, Kunstauktionen selten. Aber der Hype wird auch bewusst geschürt: "Der Künstler Beeple ist auch Anteilseigner der Firma, die sein Kunstwerk gekauft hat. Wir sehen hier auch eine Situation wie beim britischen Künstler Damien Hirst, der sein eigenes Kunstwerk kauft, um den Preis hochzutreiben. Das ist nichts Neues. Das hat es auch in der klassischen Kunst gegeben, dass Märkte manipuliert werden und Geldwäsche betrieben wird. Insofern passt dieses NFT-System und der Kunstmarkt sehr gut zusammen."

Argumente sprechen gegen eine Marktreife des NFT-Systems

Auch Robert Ketterer, der Chef des Auktionshauses Ketterer in München ist skeptisch, wenn es um Chancen digitaler Kunst auf dem Kunstmarkt geht. Ihm macht vor allem die Technik Sorgen. Der Rechenaufwand, um ein Bild zum Original zu machen und es mit dem Namen der Besitzerin oder des Besitzers zu verknüpfen, sei gigantisch: "Insofern denke ich, dass es mit der heutigen Technik für die Auktionen nicht interessant sein wird. Die Transaktionskosten sind zu hoch. Die ökologische Seite ist eine Katastrophe. Das sind alles Argumente, die noch nicht für eine Marktreife sprechen."

Aber Ketterer ist auch Realist. Wenn es für digitale Kunstwerke einen Markt gibt, dann werden auch bald die etablierten Auktionshäuser mitmachen. 

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NDR Info | Kultur | 06.04.2021 | 09:55 Uhr