Stand: 02.03.2020 15:23 Uhr

Jörg Petersen - Vom Modefotograf zum Kunstmaler

von Thorsten Philipps

Naomi Campell, Nadja Auermann oder Claudia Schiffer: Er hat sie alle vor der Linse gehabt, Preise für seine Fotos abgesahnt und seine Bilder in der Vogue und der Cosmopolitan veröffentlicht. 30 Jahre lang war Jörg Petersen einer der am besten bezahlten Starfotografen weltweit. Vor 15 Jahren war Schluss damit. Seitdem hat er den Fotoapparat gegen den Pinsel eingetauscht und malt. Seine Wohnung in Lübeck ist gleichzeitig sein Atelier.

Jörg Petersen tupft mit seinem Pinsel blaue Punkte. Er steht vor seiner Staffelei in seinem Malzimmer - meistens hat er eine Mütze oder einen Hut auf, umgeben von vielen farbenfrohen Bildern, auf denen oft halbnackte Frauen zu sehen sind, aber nicht nur: "Das ist mein Fantasiewerk. Es wird den Titel bekommen 'Der Hofnarr' oder 'Der Clown' und dann werden die Linien durchgezogen, damit das wie halbtransparent aussieht, praktisch wie in der Fotografie bei einer Doppelbelichtung, wenn die Linien noch durchscheinen." Petersen ist selbst gespannt auf das Ergebnis.

Von der Fotografie kam er vor 15 Jahren zur Malerei und fing mit Pop-Art-Kunst an. Es begann mit der Transformation seiner bekanntesten Fotos in Pop-Art-Gemälde - und dann kam ihm irgendwann der Gedanke, er müsse nun auch mal ein realistisches Bild machen und so habe er sich hochgeschaukelt.

Das Motiv diktiert den Stil

Manchmal steht er stundenlang vor einem Werk und kommt mit den Details nicht voran. Ein Konzept hat er vorher aber immer, nur keinen Stil. "Der Chef des Stils ist immer das Motiv. Das Motiv diktiert mir den Stil vor, damit es richtig interpretiert ist. Und nicht anders herum.“

Pop Art

Pop Art bezeichnet eine Stilrichtung der Malerei und der bildenden Kunst, die Mitte des 20. Jahrhunderts in England und den USA entstanden ist und zur vorherrschenden Kunstrichtung in den 1960er-Jahren wurde. Pop-Art (engl. "Popular Art") greift neue Entwicklungen in der Gesellschaft auf, damals beispielsweise Medien und Massenkonsum. Das Alltagsleben rückt in den Mittelpunkt der Kunst und wird übertrieben dargestellt. Experimente mit Bild- und auch Tondokumenten bilden oft den Ausgangspunkt für das neue Werk, das mit unterschiedlichen Materialien als Collage zusammengesetzt wird. Bekannte Künstler sind Andy Warhol, Roy Liechtenstein oder Joseph Beuys. Bis heute ist Pop-Art eine polarisierende Stilrichtung. Trotzdem zählt sie zu den beliebtesten Kunstrichtungen aller Zeiten.

Jörg Petersen wirkt wie ein Vollblutkünstler. Seine Wohnung ist ein XXL-Atelier mit etwa 500 Bildern, die meisten mit Acryl-Farben gemalt sind. Mit Öl dauere es einfach zu lange bis es trockne, erklärt der Künstler. Das sei für ihn nichts, dazu sei er zu ungeduldig. Die Bilder hängen überall oder sind hintereinander aufgereiht gelagert, darum kümmert sich seine Galeristin Bettina Jürs. Sie sortiert die Bilder, preist sie aus und kümmert sich um die Kontakte. "Er kann schwierig sein", stellt sie fest, "aber im Prinzip ist das so ein ganz bodenständiger ehrlicher Typ. Was er sagt, das macht er auch."

Jörg Petersen war - wie er selbst sagt - mehr der kommerzielle als der redaktionelle Fotograf. Er wollte viel Geld verdienen und das ist ihm auch gelungen: 5.000 Euro hat er pro Tag für ein Shooting kassiert. Kaum einer hat mit so vielen Top-Models wie er gearbeitet.

Doch nach 30 Jahren hatte er genug Geld verdient und wollte endlich etwas, wie er findet, Sinnvolles machen. Und so malt er nun in seiner Art Gallery im Lübecker Salon surrealistische Bilder von Frauen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 03.03.2020 | 14:00 Uhr