Landschaftsaufnahme von Christian Klepp. © Christian Klepp

Fotos von Christian Klepp: Liebeserklärung an den Planeten

Stand: 03.11.2020 11:00 Uhr

Der Hamburger Christian Klepp liebt Steine. Wie lebendig sie sind, zeigen seine besonderen Landschaftsaufnahmen. Diese Bilder von den lebendigen Steinen kann man jetzt im Bürgerhaus Lokstedt sehen.

von Franziska Storch

Steine seien so ziemlich das aufregendste Abenteuer unserer Zeit, schwärmt der Geologe Christian Klepp, der auch Fotograf ist. Seine Augen leuchten, wenn er von Steinen spricht: "Dort sieht man gebänderte Lagen von Eisenerz. Die sind unfassbare 2.700 Millionen Jahre alt - ein Zeitraum, den wir uns nicht vorstellen können", sagt er. "Es geht wirklich zurück an die Anfänge des Planeten, als das Leben entstand. Diese Schichten sind gebildet worden durch die ersten Bakterien."

Fotos von einem australischen Canyon

Christian Klepp schwärmt von einem Canyon im Nordwesten Australiens. Vor fünf Jahren hat er dort Fotos gemacht. Rostrote, graue und beige Schichten liegen dicht übereinander, wie bei einem gigantischen Baumkuchen aus Stein, mehrere hundert Meter dick. In der Schlucht fließt ein strahlend blauer Fluss, über den Felsen breiten sich düstere Quellwolken aus. "Wenn ich mit der Kamera-Ausrüstung ins Gelände gehe, dann ist das in der Regel damit verbunden, dass ich sehr, sehr lange Zeit auf diesen speziellen Lichtmoment warten muss", erzählt er. "Wenn ich das Bild nicht bekomme, dann muss ich wiederkommen und wiederkommen und wiederkommen."

Und das kann schon mal drei Wochen zelten in der Wildnis bedeuten. Um weniger schleppen zu müssen, bleibt der Gaskocher zu Hause und die Dose Bohnen wird dann kalt gegessen. Zu etwa 15 Kilogramm Ausrüstung kämen dann noch etwa 17 Kilogramm Fotoausrüstung dazu.

Bis zu 70 Einzelaufnahmen von der Milchstraße

Vor allem früh morgens, spät abends und auch gerne nachts liegt Christian Klepp auf der Lauer. Neben den Steinen auf der Erde interessiert er sich auch für die glühenden Steine des Himmels, wie "den kompletten Milchstraßenbogen, der selbstverständlich nicht auf ein Foto passt, weil 180 Grad des Himmels abgedeckt werden müssen." Daher müssten zwischen 40 und 70 Einzelaufnahmen miteinander kombiniert werden. "Und das nachts, damit ich die Sterne vernünftig fotografieren kann."

Die Einzelfotos nimmt er wie einen Text auf: Wort für Wort, Zeile für Zeile und setzt sie am Rechner zusammen. So entstehen die Bilder einer funkelnden Milchstraße als schillerndem Nebel aus weißen, gelben und blauen Punkten - wie ein Mensch sie nie sehen könnte.

Fotografien, die den Betrachter einsaugen

So sei auch der Projekttitel "Lichtjahre" entstanden: "Es ist wirklich die kosmische Dimension gemeint, die Zeit, die Licht braucht, um zu uns zu gelangen. Aber auch meine Reise mit dem Licht durch die Jahre hindurch über den Planeten." Fotografie heiße ja sinnbildlich übersetzt Schreiben mit Licht. "Und so entstand die Idee dieses Wortspiels 'Lichtjahre'."

Die Geduld und technischen Raffinessen von Christian Klepp zahlen sich aus. Seine Fotografien saugen einen förmlich ein, als stünde man selbst direkt unter dem Sternenhimmel oder am Canyon. "Ich zeige nicht nur, wie schön die Welt ist", sagt Klepp. "Sondern ich zeige auch, was man dort eigentlich sieht."

Beeindruckende Landschaftspanoramen

Genau das ist das Besondere auch an seinen Ausstellungen und auf seiner Internetseite. Zu allen Bildern gibt es kurze Texte, die leicht verständlich geologisches Wissen schildern. "Wir schützen nur das, was wir lieben", sagt er - "also sollten wir lernen, möglichst schnell unseren Planeten zu lieben. Diese Bilder sind einfach meine Liebeserklärung an den Planeten."

Die beeindruckenden Landschaftspanoramen von Christian Klepp hängen aktuell im Bürgerhaus Hamburg-Lokstedt und können nach Terminabsprache mit dem Fotografen individuell besichtigt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.12.2020 | 19:00 Uhr