Stand: 28.09.2019 12:10 Uhr

DDR-Drama im Kino: "Und der Zukunft zugewandt"

Und der Zukunft zugewandt
, Regie: Bernd Böhlich
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Preisgekrönte Filme wie "Das Leben der Anderen" oder "Gundermann" bieten einen durchaus ambivalenten Blick auf die ehemalige DDR. Der Film "Und der Zukunft zugewandt" mit Alexandra Maria Lara beschäftigt sich ebenfalls mit der Schwierigkeit, ein System unterstützen zu wollen, aber dafür massive Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Unterschreiben Sie bitte hier. Rechts oben. Hier steht: "Wir haben nicht in verschiedenen Gebieten der Sowjetunion gearbeitet. Wir waren in einem Lager. Unschuldig." Ausschnitt aus dem Film

Die Wahrheit kennt der sozialistische Kreisleiter Silberstein zwar, der vier Frauen 1952 in der noch jungen DDR ein Papier vorlegt, aber er weiß, dass sie niemand anderes kennen darf. Und dafür sorgt er. Antonia Berger, eindrucksvoll von Alexandra Maria Lara verkörpert, war, wie ihre Genossinnen und ihre kranke Tochter, als Kriegsgefangene in einem sibirischen Gulag. Nicht, weil sie eine Nationalsozialistin war - Antonia Berger war und ist überzeugte Kommunistin. Aber aufgrund Stalins Paranoia galt sie dennoch als Feindin.

"Und der Zukunft zugewandt": Lügen für das Regime

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Nach Jahren voller Entbehrungen kann Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) bei Konrad Zeidler (Robert Stadlober) neue Hoffnung schöpfen.

Das Unrecht, das ihr vom sowjetischen Brudervolk zugefügt wurde, muss aus Gründen der Staaträson verheimlicht werden. Zu fragil sei der junge Staat, als dass man einen solchen Fehler zugeben könne. Zurück in der Heimat bekommt sie eine gute Arbeit, ihr Kind wird gesund und sie verliebt sich in den Arzt Konrad. Der zieht, als er die Wahrheit dann doch erfährt, seine Konsequenzen: Er will nach Hamburg, die DDR sei nicht sein Land. Doch Antonia glaubt trotz allem an das Ideal eines sozialistischen Staates und will die DDR nicht verlassen. In ihren Augen wäre das, was sie erleben musste, umsonst gewesen, wenn sie die DDR verließe.

Am Ende, als die Mauer fällt, ist Antonia eine verbitterte Frau, die aufrecht und unbeugsam einem unaufrichtigen, dysfunktionalem System ihr Leben geopfert hat. Für Alexandra Maria Lara ein enorm wichtiger Film: "Er verdeutlicht auf sehr gute Art und Weise, was diese politischen Systeme mit den Menschen machen können. Was für verheerende Konsequenzen das haben kann", so Lara.

Alexandra Maria Lara: Jugend muss Meinungsfreiheit unterstützen

Darüber hinaus geht es der Schauspielerin konkret um die Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft: "Wenn die bedroht sein sollte, dann wäre es toll, wenn uns die Jugend helfen und unterstützen würde. Ich komme in meinem Kopf immer wieder auf diesen einen Satz: 'Es wäre einfach super, wenn wir alle ein Stück näher zusammenwachsen würden'. Und ich denke, dass ein solcher Film durchaus die Möglichkeit hat, jungen Leuten in einem kurzen Moment vor Augen zu führen, dass wir aufpassen müssen", sagt Lara.

"Und der Zukunft zugewandt" des sächsischen Regisseurs Bernd Böhlich fehlt es manchmal an differenzierten Zwischentönen. Vieles ist nach Gut-und-Böse-Schema inszeniert. Darin liegt aber auch die Kraft des Filmes: Die Charaktere sind glaubwürdig und stark in ihren Überzeugungen. Und er nimmt eine ungewohnte, sehenswerte Perspektive ein.

Und der Zukunft zugewandt

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober, Stefan Kurt, Karoline Eichhorn, Alexander Khuon
Regie:
Bernd Böhlich
Länge:
108 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
ab 5. September 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 05.09.2019 | 06:55 Uhr

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