Élodie Fontan, Émilie Caen, Alice David und Frédérique Bel im Film "Monsieur Claude und sein großes Fest" Philippe de Chauveron © Neue Visionen Filmverleih

Sympathische Völkerverständigung - "Monsieur Claude und sein großes Fest"

Stand: 18.07.2022 07:22 Uhr

Never change a winning team - nachdem Christian Clavier schon zwei Mal sehr erfolgreich den nationalverliebten Franzosen Monsieur Claude gespielt hat, startet am Donnerstag nun ein dritter Kinofilm mit ihm: "Monsieur Claude und sein großes Fest".

von Walli Müller

Erinnern wir uns kurz, wie alles begann: Claude und Marie Verneuil haben vier Töchter, alle verheiratet, aber keine mit einem - wie Monsieur Claude es ausdrücken würde - "richtigen Franzosen". Der erste Film erzählte vom Hadern mit den Schwiegersöhnen, die chinesischen, arabischen, jüdischen und afrikanischen Ursprungs sind, Teil zwei von der Akzeptanz der bunten Multi-Kulti-Sippschaft. Zu Beginn von Teil drei zeigt sich nun, dass Monsieur Claude doch nicht so ganz aus seiner Haut kann. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Marie Verneuil: "Ich habe das Gefühl, dass bei Cau und Sigolene der Haussegen schief hängt. Hast Du nichts bemerkt?"
Claude Verneuil: "Nein, aber mit etwas Glück haben wir vielleicht bald die erste Scheidung. Hihi."
Marie Verneuil: "Hör auf!"
Claude Verneuil: "Ich mach nur Witze, das war ein Scherz, hihi…"

 

Ein Fest mit den Familien der Schwiegersöhne

Den Verneuils selbst steht der 40. Hochzeitstag ins Haus, den sie mit einem intimen Essen zu zweit zu feiern gedenken. Doch die Töchter hecken heimlich einen ganz anderen Plan aus.

Töchter: "Wir finden, das wäre eine sehr gute Gelegenheit für ein Treffen der gesamten Familie. Um genau zu sein, meinen wir ein Treffen mit allen Familien. Plural."
Schwiegersohn: "Was heißt, mit allen Familien?"
Töchter: "Naja, Eure. Freut Ihr Euch nicht, Eure Eltern zu sehen…?"
Schwiegersohn: "Hat hier einer ne Valium? - Das wird ein Gemetzel!"

Auch anderswo können Eltern ja bornierte Nationalisten sein - oder streitsüchtige Furien wie die von David in Israel.

David: "Hallo? - Mama."
Mutter: "Ah, David, Dein Vater treibt mich in den Wahnsinn."
Vater: "Auf die Tora von Israel, Deine Mutter bringt mich noch um!"
Mutter: "Das will ich hoffen. Gib schon her, gib mir das Telefon!"
Vater: "Du bist wirklich das Schlimmste, was mir im Leben passiert ist."
Mutter: "Du bist auch nicht gerade ein Lotto-Gewinn!"

Ein blasierter deutscher Kunstsammler erweitert den Klamauk

Monsieur Claudes großes Fest bietet also erneut Anlass für hitzige Wortgefechte und interkulturelle Grabenkämpfe. Den stolzen Vater des afrikanischen Schwiegersohns, André Koffi, kennt man ja schon aus den Vorgängerfilmen. Dass ausgerechnet er - per Los-Entscheid - in der Jurte im Garten nächtigen soll, ist absolut unter seiner Würde. Streiten kann man aber auch über die - multiethnische - Menü-Folge…

"Und zum Abschluss französischen Käse und ein chinesisches Dessert."
"Nimm’s mir nicht übel, aber die chinesischen Desserts schmecken einfach scheiße."
"Jetzt nimm Du’s mir nicht übel, aber Eure Desserts bestehen aus Zucker, Fett und Zucker."

Ja, das alte Erfolgsrezept wird hier einfach nochmal aufgewärmt. Aber heraus kommt dabei immer noch eine bekömmliche Komödie mit zum Teil deftigen Pointen. Wenn der jüdische Schwiegersohn an der Grundstücksgrenze zum arabischen Schwager eine Mauer baut und dieser sie mit einem Tunnel untergräbt, dann bringt das den Nahost-Konflikt schon todkomisch auf den Punkt. Der blasierte deutsche Kunstsammler, der die Verneuil-Damen umwirbt, ist wohl eher für das französische Publikum lustig, erweitert den Multi-Kulti-Klamauk aber um ein weiteres Thema: Madame Verneuils späte Midlife-Crisis…

Marie Verneuil: "Sag’s mir ganz ehrlich, Claude, bin ich alt geworden?"
Claude Verneuil: "Bist Du deshalb deprimiert?"
Marie Verneuil: "Du siehst mich kaum noch an."
Claude Verneuil: "Jeden Tag sehe ich Dich an. Aber nach 38 Ehejahren bin ich eben nicht jedes Mal außer mir vor Bewunderung."
Marie Verneuil: "Es werden jetzt…"
Claude Verneuil: "40 Jahre am 18. Juli."
Marie Verneuil: "Das weißt Du?"
Claude Verneuil: "So ein Datum vergisst man doch nicht!"

Eine "unvergessliche Komödie" ist "Monsieur Claude und sein großes Fest" sicher nicht, aber für einen dritten Aufguss noch vergleichsweise lustig. Und die Reihe bleibt ein sympathischer Aufruf zur Völkerverständigung.

Weitere Informationen
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"Monsieur Claude und sein großes Fest"

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
Mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan,
Regie:
Philippe de Chauveron
Länge:
98 Minuten
FSK:
ab 0 Jahre
Kinostart:
ab 21. Juli 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kultur | 21.07.2022 | 07:55 Uhr

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