Stand: 12.04.2018 00:01 Uhr

Film über Romy Schneiders letztes Interview

3 Tage in Quiberon
, Regie: Emily Atef
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Zeitlebens hat der Weltstar Romy Schneider darunter gelitten, immer wieder auf ihre Rolle der Sissi angesprochen und festgelegt zu werden. Nun versucht sich ein Film am widersprüchlichen Bild der Schauspielerin, die mit Claude Sautet und Claude Chabrol drehte und 1982 mit nur 43 Jahren an Herzversagen starb: Auf der vergangenen Berlinale feierte Emily Atefs "3 Tage in Quiberon" Premiere, nun kommt der Film ins Kino.

Die Durchlässigkeit, Offenheit, Verletzlichkeit, die Romy Schneider auf der Leinwand hatte, wird ihr im wirklichen Leben zum Problem. Etwa bei dem berühmt gewordenen Interview mit dem "Stern"-Journalisten Michael Jürgs, bei dem sie nicht die Grenzen wahrt. Emily Atefs Film "3 Tage in Quiberon" kreist um dieses Gespräch, das 1981 in einem Luxushotel in dem französischen Seebad stattfand. Hier macht Romy Schneider eine Entziehungskur, hier will sie zur Ruhe kommen vor den Dreharbeiten zu ihrem nächsten Film. Sie hat ihre Kindheitsfreundin Hilde dazu geladen. Der sie zunächst einmal von ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrem 14-jährigen Sohn David erzählt.

Champagnerströme in einer Hafenbar

Romy Schneider wäre nicht Romy Schneider, wenn diese Tage in Quiberon einfach nur die traute Zweisamkeit der Freundinnen sein könnten. Denn da ist ja noch dieses anberaumte Interview. In der Hotelbar warten schon der Journalist und Schneiders Lieblingsfotograf Robert Lebeck. Und statt auf sich aufzupassen, animiert die Schauspielerin die ganze Truppe zu einem Zechgelage: Champagnerströme fließen in einer Hafenbar.

Marie Bäumer spielt Schneider auf berührende Weise

Robert Lebecks Schwarz-Weiß-Fotografien dieser Tage in Quiberon gingen um die Welt. Sie zeigen eine Romy Schneider, die mal ausgelassen lacht, mal versonnen vor sich hin blickt. Auch auf den fröhlichen Fotos ahnt man hinter ihren Zügen die Depression, die Zerrissenheit. 1981 hat Romy Schneider mehrere gescheiterte Beziehungen und zwei Scheidungen hinter sich. Sie ist alkohol- und tablettenabhängig. Eigentlich will sie für ihren Sohn David und ihre Tochter Sarah da sein, stürzt sich aber immer wieder exzessiv in Dreharbeiten. Marie Bäumer gibt diesem schwankenden Wesen auf berührende Weise ein Gesicht und eine Stimme. Auch über ihre verblüffende Ähnlichkeit mit Romy Schneider hinaus. Man möchte ihre Romy beschützen. Etwa wenn sie auf die Masche des Journalisten hereinfällt, ihr unter dem Deckmantel der Kritik am Boulevard Boulevardfragen zu stellen.

Nachstellung ikonischer Schwarz-Weiß-Momente

Weitere Informationen

So entstand Romy Schneiders letztes Interview

1981 gab Romy Schneider "Stern"-Reporter Michael Jürgs ihr letztes großes Interview, Robert Lebeck fotografierte. Ein Kinofilm rekonstruiert die Begebenheiten im März 1981. mehr

"3 Tage in Quiberon" bringt Robert Lebecks Bilder zum Laufen. Das Problem des Films ist aber eben diese schwarz-weiße Nachstellung ikonischer Schwarz-Weiß-Momente. Es fehlt die inszenatorische Idee jenseits des Interviews. Und so sehen wir den von Charly Hübner mit teddyhafter Wärme gespielten Lebeck beim Fotografieren und den von Robert Gwisdek mit schneidendem Zynismus gespielten Michael Jürgs beim Fragen. Dazwischen Romy Schneider, die von dem Journalisten zielführend mit Alkohol versorgt wird und entsprechend offenherzig antwortet.

Film bleibt eine Nachstellung ohne eigene Idee

"3 Tage in Quiberon" bleibt eine Rekonstruktion, eine Nachstellung ohne eigene Idee. Die einzigen Momente, in denen der Film zu leben beginnt, sind die Auftritte von Birgit Minichmayr in der Rolle von Schneiders Freundin Hilde. Vergeblich drängt sie Schneider zum Abbruch des Interviews, versucht sie zu schützen. Etwa indem sie sich beim Abendessen mit dem Journalisten anlegt.

In den Augen von Minichmayrs Hilde sieht man die Trauer über die Freundin, die sich selbst zerstört. In ihrem Blick liegt das Wissen um die Vergänglichkeit des Ruhms, aber auch die Faszination angesichts des Weltstars. Vielleicht hätte man "3 Tage in Quiberon" gänzlich aus ihrer Perspektive erzählen sollen. Denn es ist ja wirklich ein Jammer, dass diesem wunderbar gespielten Film die eigene Perspektive auf Romy Schneider fehlt.

"3 Tage in Quiberon": Drama über Romys "Stern"-Interview

3 Tage in Quiberon

Produktionsjahr:
2018
Regie:
Emily Atef
Länge:
116 Minuten
Kinostart:
12. April 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 12.04.2018 | 07:20 Uhr

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