Regisseur Wolfgang Petersen lehnt lässig an einem Steuerrad. © picture alliance/dpa Foto: Felix Hörhager

Wolfgang Petersen: Ein Ostfriese in Hollywood

Stand: 16.04.2021 10:25 Uhr

Mit "Das Boot" schaffte Regisseur Wolfgang Petersen in den 1980er-Jahren den Sprung nach Hollywood. Der gebürtige Emder arbeitet auch im hohen Alter weiter an Filmprojekten.

Er hat es geschafft in Hollywood - dieser Satz lässt sich nicht über viele Deutsche sagen. Bei Wolfgang Petersen trifft er voll und ganz zu. Ob Harrison Ford, Clint Eastwood, Brad Pitt oder George Clooney: Sie alle haben schon die Regieanweisungen des gebürtigen Ostfriesen befolgt - und Dustin Hoffman hält Petersen für einen der ganz Großen: "Was Wolfgang einzigartig macht, ist seine Fähigkeit, auch auf der großen Leinwand die kleinen Momente nicht zu vergessen. Er hält sozusagen eine Lupe auf einen Schauspieler."

Seine ersten Regieanweisungen gibt Wolfgang Petersen aber am Ernst-Deutsch-Theater (damals noch Junges Theater), wo er mit Anfang 20 in Kinderaufführungen Regie führt. In den 70er-Jahren macht sich der Regisseur mit feinfühligen Fernsehfilmen einen Namen - wie dem NDR Tatort-Klassiker "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski. Die schwule Liebesgeschichte "Die Konsequenz" scheint dem Bayerischen Rundfunk 1977 so brisant, dass sich der Sender aus der Fernsehausstrahlung ausklinkte.

"Das Boot" erhält sechs Oscar-Nominierungen

Szenenbild aus Wolfgang Petersens Kinofilm "Das Boot" (1980) © dpa-Bildfunk / Bavaria Film
"Das Boot" brachte auch Schauspielern wie Jürgen Prochnow (links) internationale Anerkennung.

Der internationale Durchbruch gelingt Petersen 1981 mit "Das Boot". Auch dort erzählt er große Geschichte im Kleinen. Er lässt die Besatzung eines deutschen U-Boots den Horror des Zweiten Weltkriegs durchleben - mit den Figuren bewegt sich auch die Kamera durch die engen Gänge, aus denen es im Zweifel kein Entrinnen gibt. Dafür gibt es gleich sechs Oscar-Nominierungen, das ist bis heute Rekord für eine deutsche Produktion. Auch wenn der Film am Ende leer ausgeht, ermöglicht er Petersen den Sprung nach Hollywood. "Das Boot" passt mit 260 Drehtagen und einem Budget von 25 Millionen Mark eher nach Amerika, als in die deutsche Filmlandschaft. Bis heute ist keine deutsche Produktion teurer.

"Troja", "Outbreak" und "Air Force One": Petersen führt Regie in großen Produktionen

Orlando Bloom und Diane Kruger im Film Troja © imago/Unimedia Images
Wolfgang Petersens Filmepos "Troja" mit Diane Kruger kostete 175 Millionen Dollar.

Nach dem Film "Das Boot", der auch in den USA erfolgreich läuft, stehen Wolfgang Petersen in Hollywood die Türen offen. In den 90er-Jahren liefert er gleich drei Kassenknaller ab: "In the Line of Fire" mit Clint Eastwood, "Outbreak" mit Dustin Hoffman und "Air Force One", in dem Harrison Ford als US-Präsident quasi eigenhändig die entführte Präsidentenmaschine zurückerobert. Mit "Troja" realisiert Wolfgang Petersen Mitte der 2000er mit Brad Pitt und Diane Kruger ein weiteres großes Filmprojekt.

Nachdem der Film "Poseidon" floppt, wird es stiller um Wolfgang Petersen. 2010 erhält er im Rahmen der Berlinale als einer der ersten einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin. Mit "Vier gegen die Bank" produziert der Hollywood-Mann 2016 auch noch einmal einen Film in Deutschland. Für Wolfgang Petersen schließen sich gleich mehrere Kreise, denn die Gaunerkomödie mit Til Schweiger, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara und Matthias Schweighöfer basiert auf einem seiner deutschen Fernsehfilme aus den 70er-Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 14.03.2021 | 14:40 Uhr

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