Der Fotograf und Regisseur Wim Wenders bei einem Fotoshooting © Lorena Sopena/EUROPA PRESS/dpa +++ dpa-Bildfunk ++ Foto: Lorena Sopena
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AUDIO: Wim Wenders: Einer der erfolgreichsten Filmemacher in Europa (4 Min)

Wim Wenders: Der Philosoph des deutschen Kinos

Stand: 22.12.2023 12:08 Uhr

Am 14. August 1945 wurde Wim Wenders in Düsseldorf geboren. Seine Künstler-Biografie kann ins Erstaunen versetzen: Mehr als 30 Kinofilme hat er seit 1967 gedreht. 2023 folgen zwei neue, und einer ist Japans Oscarhoffnung. Ein Porträt.

von Joachim Dicks

Mit einigen seiner Filme hat Wim Wenders Kinogeschichte geschrieben: "Paris, Texas" zum Beispiel, "Der Himmel über Berlin", "Buena Vista Social Club" oder "Pina". Preise hat er dafür reichlich bekommen: Goldener Löwe in Venedig, Goldene Palme in Cannes, den Goldenen Ehrenbären der Berlinale und inzwischen drei Oscar-Nominierungen. Mit kindlicher Begeisterung lässt er sich immer wieder auf neue Film-Abenteuer ein.

"Perfect Days" und "Anselm": Zwei neue Filme in 2023

Im Mai 2023 präsentierte Wenders gleich zwei Filme in Cannes: Mit "Perfect Days" ein Drama über einen japanischen Arbeiter, der gern Bäume fotografiert, liest und Musik hört. Es startet in Japan im Oktober im Kino, läuft beim Filmfest Hamburg und ist seit dem 21. Dezember im deutschen Kino. Und es ist Japans Oscar Hoffnung auf den besten internationalen Film. Außerdem hat er das Künstlerporträt "Anselm" in 3D-gedreht, eine Dokumentation über den deutschen Maler Anselm Kiefer.

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Wim Wenders: Blick voll Neugier und Melancholie

"Paris, Texas": Ein Film als Glaubensbekenntnis. Die Welt ist voller Trauer und Schmerz. Aber auch wunderschön. Und am besten in einem Roadmovie einzufangen. Wie in "Alice in den Städten". Auch hier: Ein Mann mit einem Kind unterwegs auf der Suche nach sich selbst. Der Blick auf die Welt setzt sich bei Wenders immer zusammen aus Neugier und Melancholie. "Ich habe als Traum immer nur gehabt, was zu finden oder zu erfinden, was ich selbst noch nicht wusste", so Wenders.

Wim Wenders stammt aus einer katholischen Familie. Ohne die Entdeckung des Rock’n’Roll wäre er möglicherweise Priester geworden. So aber verfiel er der Musik und den Bildern: "Ich weiß, dass das, was ich verinnerlicht habe, von der Malerei kommt und dass das viel mit den holländischen Landschaftsmalern zu tun hat , dass ich von Paul Klee und von Max Beckmann und irgendwann auch vom Edward Hopper mehr gelernt habe über Bilder als vom Kino selbst."

München in den Sechzigern: Fassbinder - Herzog - Wenders

München war die Filmstadt in den 1960er-Jahren. Hier trafen sich die Generationsgenossen Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Wim Wenders. Alle drei haben sie das deutsche Nachkriegskino entscheidend geprägt, allerdings mit völlig unterschiedlichen Mitteln. Fassbinder als Berserker, Herzog als Besessener und Wenders als Philosoph. Sein Kamerablick konnte auch aus der Engelsperspektive stammen wie in "Himmel über Berlin".

Seine Oscar-Nominierungen erhielt Wim Winders für Dokumentarfilme: 2000 für "Buena Vista Social Club", 2012 für "Pina", 2015 für "Das Salz der Erde“. "Es ist eine Frage der Mittel. Je mehr Mittel man braucht, um etwas zu machen, umso langwieriger wird es, umso weniger kann man letzten Endes sagen. Es ist leider die Wirklichkeit im Filmgeschäft. Wenn ich viele 100 Millionen habe, kann ich damit nichts sagen. Wenn ich ganz wenig Geld hab, kann ich alles sagen, was ich will."

Zuletzt wurde Wim Wenders gleich zweifach geehrt. Auf der Berlinale bekam er 2015 den Goldenen Ehrenbären und im New Yorker Museum of Modern Art widmete man ihm eine Einzelausstellung. "Naja, ich bin jetzt im 70. Lebensjahr und das mit dem MoMa hier, das ist schon der Hammer, weil es das erste Mal war, dass ich überhaupt in Amerika war, im März 1972, auf Einladung des MoMa. Das war ein Riesending für mich damals", kommentierte er damals die Ausstellung.

Trauerarbeit in 3D für Pina Bausch

Für die Film-Hommage zu Ehren der Choreografin Pina Bausch revolutionierte Wenders mal eben die 3D-Technik und bewies allen, die sie bis dahin für technischen Firlefanz und Budenzauber gehalten hatten, welche Möglichkeiten in ihr stecken. Zugleich war auch dieser Film wieder ein Glaubensbekenntnis und eine Art Liebesfilm: "Und wenn dieser Film naturgemäß auch eine Art Trauerarbeit war, dann hieß das nicht, dass dieser Film eine traurige Arbeit geworden ist. Das haben die Tänzer und auch ich von Pina gelernt. Wir haben viel gelacht. Und in all dieser Trauerarbeit haben wir auch viel Spaß gehabt."

Den Filmbegeisterten bleibt der egoistische Wunsch: Möge dieser Drall, sich im Leben links zu halten, noch ganz lange erhalten bleiben: "Ich finde, dieser Planet ist nach wie vor wahnsinnig aufregend und man kann Orte finden, von denen man sich nicht vorstellen kann, dass es sie geben kann. Ich geh' grundsätzlich nach links, wenn die Leute sagen, geh' nach rechts, da ist alles interessant, dann gehe ich nach links."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.09.2023 | 19:00 Uhr

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