Axel Milberg zum Kieler Tatort: Frauenhass im Internet

Stand: 08.03.2021 14:11 Uhr

Der Tatort aus Kiel hat im Umfeld der "Incel"-Bewegung gespielt. Wie begegnet Borowski-Darsteller Axel Milberg den Themen toxische Männlichkeit und Frauenhass?

Am Vorabend des internationalen Frauentages hat das Erste den neuen Kieler Tatort: "Borowski und die Angst der weißen Männer" (7. März, 20:15 Uhr) gezeigt. Erzählt wird von der Radikalisierung eines jungen Mannes, der auf der Suche nach Liebe und Sexualität ins Umfeld der "Incel"-Bewegung gerät. Ermittler Borowski begibt sich undercover in dieses Milieu.

Borowski-Darsteller Axel Milberg war sich des Ausmaßes des Hasses, der Frauen im Netz entgegenschlägt, im Vorfeld der Dreharbeiten nicht bewusst: "Ich wusste das nicht - insbesondere, dass sie sich im Netz zusammenrotten und zusammenballen und sich in Chatforen gegenseitig anstacheln und sich keineswegs trösten, sondern von den anderen 'Lonelies' fordern: Beweis mal, wie ernst du es meinst. Zeig mal ein Foto, und damit ist die Misshandlung einer Frau, eines Mädchens oder irgendeiner Gewalttat gemeint, die dann mit so und soviel Punkten bewertet wird. Es gibt einen Wettkampf der Brutalität".

Verächtlichmachung beginnt im Kleinen

Diese Gewalt und diese Einstellung gegenüber Frauen hat durchaus ein gesellschaftliches Vorspiel, meint Axel Milberg: "Ich persönlich, um mal kleines Geständnis abzugeben, ich lasse es inzwischen auch mit den Blondinen- und anderen Witzen. Weil ich denke: Natürlich, jeder Witz ist definiert oder geht auf Kosten einer Minderheit. Die Ostfriesen, die Polen, die Österreicher, jeder ist mal dran, die Rothaarigen, die Blondinen, wer auch immer. Aber man muss vorsichtig sein, weil es doch so ein Klima im Spielerischen vorbereitet, wo dann so eine Selbstverständlichkeit der Verächtlichmachung da ist."

Mit Blick auf Amerika konstatiert der Schauspieler, dass auch die Entwicklung der "White supremacists" mit Schrecken zu beobachten ist: "Wir erschrecken, weil es so viele Millionen sind, die hinter dieser Idee einer rassistischen Überlegenheit stecken, wo wir dachten: das ist doch eigentlich mal abgehakt. Es schläft, es lauert, es wartet auf seinen Einsatz. Gewalt muss nur ein Ziel benannt bekommen, von einem charismatischen Führer, und marschiert los."

Kieler Tatort: Verzicht auf drastische Gewaltdarstellungen

In diesem Kiel-Tatort geht es nicht nur um das Wer und Warum, sondern auch darum, wie man das erzählt. Ruhig und nachdenklich verzichtet der Film auf billige Effekte und auf die üblichen drastischen Gewaltdarstellungen. Denn die prägen - leider auch bei uns Öffentlich-Rechtlichen - oft das immer gleiche Bild: das Bild der schwachen Frau, des hilflosen Opfers.

Diese Beobachtung hat auch Axel Milberg gemacht: "Mir ist das so oft aufgefallen, wenn ich durch die Kanäle zappe, wieviel Gewalt gegen Frauen dort den Zuschauer vor den Fernseher bannen soll: Folterszenen, Misshandlungen, Jagd, die aufgerissenen Augen einer gequälten Frau, die sozusagen zur Unterhaltung eingespeist werden. Da kann man auch mal überlegen, was das für Folgen hat. Jeder kann da in seinem Bereich aufmerksam sein."

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