Stand: 14.06.2018 08:20 Uhr

So kam Wenders zur Doku über Papst Franziskus

Mit Filmen wie "Paris, Texas" oder "Der Himmel über Berlin" ist Wim Wenders zu einem der bekanntesten deutsche Regisseure geworden. Neben seinen Spielfilmen hat er auch immer wieder Dokumentationen gedreht, wie "Buena Vista Social Club", "Pina" oder "Das Salz der Erde". Alle drei Produktionen waren für einen Oscar nominiert. Seine neueste Arbeit "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" ist wieder eine Dokumentation - über das Oberhaupt der katholischen Kirche. Ein Gespräch mit Wim Wenders bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes, wo der Film vorgestellt wurde.

von Bettina Aust

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Hat Dokumentationen über Künstler gedreht - und nun über Papst Franziskus: Wim Wenders.

Wim Wenders erinnert sich in Cannes an den Auftakt dieses ungewöhnlichen Projektes, als ob es gestern gewesen wäre. "Das hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht ausgedacht. Eines Tages im Herbst 2013 kommt meine Assistentin aufgeregt in mein Zimmer und sagt: 'Da ist ein Brief vom Vatikan gekommen!'"

Keine Vorgaben vom Vatikan an den Film

Darin werde höflich angefragt, ob Wenders Interesse daran habe, einen Film über den Papst zu machen. "Warum ausgerechnet ich?", ist der erste Gedanke des Filmemachers. Wie sich herausstellt, ist der damalige Präfekt der Kommunikationsabteilung mit Wenders' Arbeit vertraut. Man fragt sich natürlich, welche Vorgaben an den Auftrag gebunden waren. Wenders antwortet: "Nullkomma-Josef. Es ist keine Produktion des Vatikans. Die haben sich, außer es zu initiieren, aus allem rausgehalten."

Erste Begegnung anders als erwartet

Wenders bereitet sich intensiv auf das Projekt vor. Die erste Begegnung mit dem Papst ist dann doch anders als erwartet: "Nach zwei Jahren Beschäftigung mit dem Mann und Recherchieren und Lesen war der Moment, wo er dann tatsächlich zum ersten Mal dastand. Er ist allein in den Raum gekommen ist, ohne Entourage. Plötzlich ging die Tür auf und er kam alleine rein. Da war mein Spanisch zum ersten Mal gefragt. Wir hatten im Vorfeld geklärt: Wir machen das auf Spanisch."

Film unter Budget produziert

Was hat Wim Wenders am meisten am Papst überrascht? "Ich wusste nicht, dass er so eine Power hat, so eine persönliche Präsenz und auch so eine ansteckende, optimistische Energie", so Wenders. Als Filmemacher ließ Wim Wenders sich von den Ideen des Papstes inspirieren. Ursprünglich hatte der Film ein Budget von zweieinhalb Millionen Euro. "Dann haben wir gedacht, wir müssen an dem Film beweisen, dass man mit weniger auskommen kann. Also haben wir den Film für eineinhalb Millionen gemacht und eine Million des Films ist auf ein Sonderkonto des Papstes für wohltätige Zwecke, die er sich selbst aussuchen kann, gegangen."

Papst Franziskus lächelt während seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz. © dpa-Bildfunk Fotograf: Andrew Medichini/AP/dpa

Rezension: "Papst Franziskus" von Wim Wenders

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

Wim Wenders' Porträt über Papst Franziskus ist ein Film voller Widersprüche, findet Filmkritikerin Katja Nicodemus.

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Kritiker werfen ihm nun trotzdem mangelnden Abstand vor und vermissen eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Papst. "Ich wollte keinen kritischen Film über den Papst machen. Das ist ein anderer Job und auch eine andere Herangehensweise. Ich wollte, dass er sich selbst mitteilen kann und einen direkten Kontakt zu Menschen hat. Im Prinzip auch nicht anders als mit den alten Herren vom 'Buena Vista Social Club' oder 'Pina Bausch' oder 'Salgado'. Ich mache Filme über Dinge, die ich gern mag und teile."

Ob dem Papst nun der fertige Film gefällt oder nicht, wird Wenders wohl nie erfahren: "Der Papst hat den Film nicht gesehen. Das weiß ich. Weil er mir ausrichten ließ, dass es nicht sein Ding ist, Filme zu gucken."

"Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" startet am 14. Juni in den Kinos.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 14.06.2018 | 09:20 Uhr

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