Udo (Jan Bülow) in Kneipe - Filmszene aus "Lindenberg! Mach dein Ding!" © DCM Filmdistribution 2019 Foto: Gordon Timpen

"Lindenberg! Mach dein Ding!": Biopic im ARD Sommerkino

Stand: 18.07.2022 06:00 Uhr

Der Film "Lindenberg! Mach dein Ding!" von Regisseurin Hermine Huntgeburth erzählt Lindenbergs Lebensgeschichte von der Kindheit in Westfalen bis zum großen Durchbruch in den 70er-Jahren in Hamburg.

von Daniel Kaiser

Das Biopic von Regisseurin Hermine Huntgeburth ist am 18. Juli beim "Sommerkino im Ersten" zu sehen und anschließend 14 Tage in der ARD-Mediathek abrufbar.

Glasiger Blick, offener Mund, schlauer Charme: Jan Bülow spielt die Rolle als Udo phänomenal. Perfekt trifft er den schlaksigen Marionettengang und den näselnden Slang. "Wie eine Inkarnation", sagt das Original Udo Lindenberg bei der Premiere. "Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe: in meiner Spürnase ein Riesengejucke. Here is the one and only."

Von Udos Kindheit im grauen Gronau bis zum Durchbruch

Udo (Jan Bülow) mit Susanne (Ella Rumpf) - Filmszene aus "Lindenberg! Mach dein Ding!" © DCM Filmdistribution 2019 Foto: Tom Trambow
Udo (Jan Bülow) mit seiner ersten unschuldigen Kindheitsliebe Susanne (Ella Rumpf).

Regisseurin Hermine Huntgeburth erzählt Udos Kindheit im grauen Gronau der Nachkriegszeit. Fies und auch tragisch spielt Charly Hübner den tyrannischen Vater. Ein Trinker, der dem Jungen zwar ein Schlagzeug schenkt, aber ihm den Traum nicht gönnt.

Die 70er-Jahre auf St. Pauli sind eine Ausstattungsorgie: Zuhälter mit Pelzmänteln, spektakuläre Autos, modisch gefärbten Unterhosen mit Eingriff - alles liebevoll designt bis ins letzte Detail.

Lindenberg kritzelt Songtexte auf Bierdeckeln

Mattheisen (Detlev Buck) im Tonstudio mit Abspielgerät - Filmszene aus "Lindenberg! Mach dein Ding!" © DCM Filmdistribution 2019 Foto: Gordon Timpen
Detlev Buck verkörpert den Plattenfirma-Manager Mattheisen perfekt.

Lindenberg macht als Schlagzeuger Live-Musik in einem Sex-Club und kritzelt in den Kaschemmen auf Bierdeckeln Texte für seine späteren Songs. Jedes Lied ist eine Anekdote - auch beim Ausflug nach Ost-Berlin. Im Film wird nicht getrunken, es wird gesoffen - immer aus der Pulle.

Es dauert ein bisschen, bis der Typ von der Plattenfirma, den Detlev Buck spielt, sich auf deutsche Songs einlässt. Udo ist aufgerieben zwischen Idealismus für die Musik und Versagensängsten. Bis ein Mann in Frauenkleidern - gespielt von Tim Fischer - ihm den entscheidenden Rat gibt: "Lindenberg! Mach dein Ding!"

Ein Film über das Lebensgefühl der 70er

Udo (Jan Bülow) in Kneipe - Filmszene aus "Lindenberg! Mach dein Ding!" © DCM Filmdistribution 2019 Foto: Gordon Timpen
Rauchige Kneipen, bunte Partys: Der Film nimmt das Lebensgefühl der 70er-Jahre perfekt auf.

In "Lindenberg! Mach dein Ding!" ist alles mit Pathos aufgeladen. Jedes Detail muss eine tiefere Bedeutung haben. Mitgerissen wird man aber vor allem vom genial eingefangenen Lebensgefühl der 70er-Jahre mit rauschenden Partys unter Kronleuchtern in der legendären Villa Kunterbunt. Und von Jan Bülow mit seiner "Panik"-Gürtelschnalle, der glaubhaft zeigt, dass Udo mehr ist als nur ein kultiger Typ oder eine Karikatur, sondern ein Mensch mit Träumen und Zielen, der nicht aufgibt und sein Ding macht

Weitere Informationen
Szene mit Udo Lindenbeg mit Hut und langem Mantel im Flur des Hotel Atlantic ARD/NDR TATORT: ALLES KOMMT ZURÜCK, am Sonntag (26.12.21) um 20:15 Uhr im ERSTEN © NDR / Frizzi Kurkhaus Foto: Frizzi Kurkhaus

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Lindenberg! Mach dein Ding!

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Jan Bülow, Detlev Buck, Max von der Groeben
Regie:
Hermine Huntgeburth
Länge:
135 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
16. Januar 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Neue Filme | 16.01.2020 | 06:00 Uhr

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