Stand: 07.09.2020 06:00 Uhr

Luise Wolfram in einer deutsch-israelischen Komödie

von Walli Müller

Nahost-Komödien gibt es viele. Meistens treffen darin Israelis und Araber aufeinander, die sich privat als Menschen eigentlich ganz gut verstehen und damit gängige Feindbilder ad absurdum führen. Der Film "Kiss me Kosher" geht noch einen Schritt weiter und bringt eine junge Deutsche mit ins Spiel, die sich in eine Jüdin aus Tel Aviv verliebt. Eine Mischung aus Nahost- und Romantik-Komödie also, die am Donnerstag in die Kinos kommt.

Dass Shira lesbisch ist, hat ihre Familie nie gestört. Dass sie nun eine Frau heiraten will, hören Eltern und Geschwister mit Begeisterung. Die Braut, Maria, wird sogar als Nicht-Jüdin willkommen geheißen. Dass Maria aber ausgerechnet aus Deutschland kommen muss, das geht zumindest Shiras Oma zu weit.

Du wechselt Freundinnen so oft, wie ich meine Zahn-Prothese verlege. Warum muss ich genau diese jetzt kennenlernen? Was ist an ihr so besonders? - Hey, Oma. - Was? - Du hast mich doch lieb, oder? - Na ja, du bist diejenige, die ich am meisten toleriere. O-Ton aus dem Film

Von dieser alten Dame mit Haaren auf den Zähnen wird man noch manch trockenen Spruch zu hören bekommen. Ihre Abneigung allem Deutschen gegenüber kommt nicht von ungefähr: Sie ist die einzige Holocaust-Überlebende in ihrer Familie. Als geschichtsbewusste Deutsche tritt Maria ihr entsprechend verdruckst und verkrampft gegenüber. Ihren Eltern daheim ist auch nicht wohl bei dieser heiklen Verbindung.

Das fehlt Maria gerade noch, dass ihre Palästinenser-affine Mutter anreist und auf die Schwiegereltern trifft, die im israelischen Siedlungs-Gebiet wohnen.

"Kiss me kosher" ist der Debut-Film von Shirel Peleg, die an das Regie-Studium in ihrer Heimat Israel noch ein Drehbuch-Studium im deutschen Ludwigsburg angehängt hat. Sie kennt also die Welt von Maria, noch besser aber natürlich die von Shira, in deren Familie kein Abendessen ohne lautstarken politischen Streit über die Bühne geht.

Eine Geschichte voller Fettnäpfchen und Komplikationen

Zu romantischen Komplikationen führt, dass Maria ihrer israelischen Freundin nur aus Versehen den Heiratsantrag gemacht hat, aus diesem Schlamassel aber nicht mehr raus kommt.

Die deutsche Verlobte spielt Luise Wolfram, die man als toughe BKA-Frau aus dem Bremer Tatort kennt. Als starrköpfige Oma, die rauchend und fauchend dem Glück des Frauen-Paars im Weg steht, hat die israelische Star-Moderatorin und Schauspielerin Rivka Michaeli einen großen Auftritt. Ironie des Schicksals, dass sie selbst einen Araber datet - heimlich, versteht sich.

Weißt du, in deinem Alter nimmt man sich eine Philippino-Pflegerin, keinen arabischen Liebhaber. - Eben! Du hast Recht, wir sind alt. Genau deshalb interessiert es niemanden mehr, was wir tun. O-Ton aus dem Film

Man kann rundherum Spaß haben an diesem Aufeinandertreffen der Kulturen und Dickschädel und den gar nicht "kosheren" Sprüchen zum Thema Juden und Deutsche. Dass eine frotzelige Screwball-Komödie auch auf vermintem Nahost-Gebiet funktionieren kann, ist die schöne Überraschung an diesem Film.

Kiss Me Kosher

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
D/ISR
Zusatzinfo:
mit Moran Rosenblatt, Luise Wolfram, Rivka Michaeli
Regie:
Shirel Peleg
Länge:
106 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
10. September 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 07.09.2020 | 07:55 Uhr

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