Stand: 10.04.2017 13:00 Uhr

Drama um Holocaust-Leugner mit Rachel Weisz

Verleugnung
, Regie: Mick Jackson
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Heutzutage gibt es für Faktenverdrehungen bekanntermaßen alternative Begriffe. Wenn jemand früher den Holocaust leugnete, hieß das schlicht "Verleugnung". Genau darum geht es in dem gleichnamigen Film, der diese Woche bei uns anläuft.

Prozess um Lüge und Wahrheit

Die amerikanische Universitätsprofessorin Deborah Lipstadt hatte in einem ihrer Bücher dem britischen Autor David Irving die Verleugnung des Holocaust vorgeworfen. Der hatte sie daraufhin verklagt und veranlasst, dass der Prozess in England und nicht in den USA stattfand. Durch das damalige britische Justizsystem musste die Historikerin Lipstadt nicht nur sich selbst verteidigen, sondern quasi beweisen, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden hatte - und akzeptieren, dass ihre Anwälte sie nicht einmal vor Gericht befragen wollten.

Denn die juristische Strategie war, die Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Glaubwürdigkeit von Irving zu lenken. Es dauerte, bis Deborah Lipstadt sich darauf einlassen konnte.

Die Historikerin hatte in ihren Büchern und Vorlesungen immer wieder die Wichtigkeit der Meinungs-und Redefreiheit betont, und man könnte Deborah Lipstadt als Heldin betiteln. Aber es ist gut, dass der Film, in dem es auch um sie, aber vornehmlich eben um die Sache geht, es nicht tut. "Verleugnung" braucht, beziehungsweise will kein Pathos. Es geht um Tatsachen, um Wahrheit und Lüge, nicht nur für Deborah Lipstadt.

Drama mit aktuellem Bezug

Die Schauspielerin Rachel Weizs ist mit oscar-verdächtigem Engagement bei der Sache, Timothy Spall als ihr Widersacher Irving glänzt natürlich nicht mit Sympathiepunkten, ist aber fachlich gesehen ein ebenbürtiger Gegner. Am Ende gewinnt Deborah Lipstadt den Prozess.

Was damals der Warheitsfindung diente, ist auch heute für sie von Belang: "Man kann darüber diskutieren, ob man einen Präsidenten mag oder nicht, ob schärfere Waffengesetzte sinnvoll sind oder nicht, das sind Meinungsfragen, da kann es Differenzen geben. Aber keiner darf seine eigenen Fakten schaffen und glauben, er würde damit durchkommen. Es ist die Aufgabe von guten Menschen, sich solchen Leuten entgegenzustellen!"

Die Geschichte des Prozesses kann im doppelten Sinn als historisch betrachtet werden. Im Grundsatz ist "Verleugnung" beunruhigenderweise höchst gegenwärtig. In Zeiten, in denen ein absurder Begriff wie "alternative Fakten" immer wiederholt und damit schon fast gesellschaftlich akzeptiert wird, ist dieser analytisch und kluge, und manchmal erst im nach hinein sensibel wirkende Film aktueller und wichtiger denn je.

Verleugnung

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Rachel Weisz, Tom Wilkinson, Timothy Spall
Regie:
Mick Jackson
Länge:
110 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
13. April 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 12.04.2017 | 06:40 Uhr

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