Stand: 09.08.2018 00:01 Uhr

Doku über die Geiger-Legende Itzhak Perlman

Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik
, Regie: Alison Chernick
Vorgestellt von Katja Nicodemus
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Als Kind erkrankte Perlman an Polio. Wegen einer Lähmung der Beine spielt er im Sitzen.

Dokumentarfilme über Künstler und ihre Biografien sind zurzeit mächtig in Mode. Nun kommt ein Film über den israelischen Geigenvirtuosen ins Kino: "Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik" von Alison Chernick. Dies ist ein Film über Musik. Über einen Menschen, der sie lebt, liebt, verkörpert. Itzhak Perlman, geboren 1945 in Tel Aviv ist einer der bedeutendsten Violinisten unserer Zeit. In ihrem Film folgt die Amerikanerin Alison Chernick dem Musiker, zeigt ihn bei Konzerten, auf Reisen, beim Kochen, Witze-Erzählen, bei Proben.

Aus Perlmans Erzählungen und Gesprächen mit seiner Frau, mit Verwandten und Freunden entsteht ein Blick auf ein Schicksal.

Vom Schüler zum Lehrer an der Juilliard School

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Im Film kommen Freunde, Familie und Weggefährten zu Wort. Vorallem aber kommt er dem selbstironischen Musiker selbst nahe.

Als Kind erkrankte Perlman an Polio. Zurück blieb eine Lähmung seiner Beine. Perlman spielt im Sitzen. Um den begabten Sohn zu fördern, ging seine Mutter mit ihm nach New York, wo er an der legendären Juilliard School studierte. Heute unterrichtet er dort selbst. Im Gespräch mit seinen Schülern und Schülerinnen versucht er, die Struktur und die Tonlagen eines Kreisler Stückes  zu erkunden. Mit dem Bild eines Feuerwerks.

Vom unmöglichen "perfekten" Ton

Wenn dieser Film etwas verdeutlicht, dann dies: Es gibt nicht den richtigen, den perfekten Ton. Es gibt eine Empfindung, einen Affekt, der zu Musik, zu einem Klang wird. Passion - Leidenschaft ist ein Wort, das in Perlmans Sätzen immer wieder auftaucht. Auch sein Instrument, eine Stradivari ist nicht perfekt, sondern leicht asymmetrisch, organisch eben, wie Perlmans vertrauter New Yorker Instrumentenbauer bei einer Inspektion feststellt.

"Die Geige ist ein fantastisches Instrument", sagt der junge Perlman in einem Interview auf Hebräisch. "Sie ist ein Nachbau der Seele."

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Mit seiner Frau Toby ist Perlman schon seit 50 Jahren verheiratet.

"Itzhak Perlman - ein Leben für die Musik" erzählt auch und vor allem: Die Geschichte einer Ehe. Seit 50 Jahren sind Itzhak und Toby Perlman verheiratet. Es war sie, die bei einem Schülerkonzert an der Juilliard School so ergriffen vom Spiel des 17-Jährigen war, dass sie um seine Hand anhielt.

Die Perlmans: Ein Paar im Einklang

Man sieht die Perlmans kochen, diskutieren, disputieren, man sieht sie Baseballübertragungen im Fernsehen schauen, man lauscht, wie die beiden über Musik sprechen. Man erlebt ein Paar im Einklang. Eine Partnerschaft ist letztlich auch eine Form des Zusammenspiels. Liebe bedeutet, dem anderen zuzuhören, auf ihn achten, ihn zu achten, zu verstehen. Was das heißt, erlebt man bei einem Gespräch der Perlmans über Itzhaks Eltern. Er erzählt, wie sie ihm stets mangelnden Ehrgeiz vorwarfen. Sie nimmt diese Generation in Schutz, die Nazizeit, Verfolgung, Flucht, Emigration erlebt hat.

Es gibt in diesem Film viele Sätze, die man sich übers Bett hängen möchte. Etwa wenn Alison Chernick die Perlmans bei einem Podiumsgespräch im New Yorker Lincoln Center zeigt. Und beide davon sprechen, wie Perlmans Lehrtätigkeit sein Spiel verändert hat. Lehren heiße für sich selbst zu lernen.

Kammermusik, Soloauftritte, eine Jam-Session mit Billy Joel oder ein Auftritt mit einer befreundeten Klezmerband -  es ist eine Freude, Itzhak Perlman dabei zuzuschauen, wie er in der Musik lebt, in der reinen Gegenwart des Klanges - und wie er beim Spielen seinen Rollstuhl vergessen macht und buchstäblich abhebt.

Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA, Israel
Zusatzinfo:
Alison Chernick, Itzhak Perlman
Regie:
Alison Chernick
Länge:
80 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
9. August 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 09.08.2018 | 07:20 Uhr

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