Stand: 28.09.2020 15:42 Uhr

Bjarne Mädel: "Ich habe mir den Film genau so vorgestellt"

Am Wochenende hat Schauspieler Bjarne Mädel Premiere mit seinem Regiedebüt "Sörensen hat Angst" nach Drehbuch von Sven Stricker beim Filmfest Hamburg gefeiert. Auf dem roten Teppich, zu dem ein Großteil seines Filmteams inklusive Filmhund Cord kam, erzählte Mädel NDR de, wie es zu dieser ersten Regiearbeit kam - und wie sie war.

Im Krimi voller lakonischem Humor, wie man ihn etwa von seiner Rolle beim "Tatortreiniger" kennt, spielt Mädel den Hamburger Kommissar Sörensen, der in den norddeutschen Küstenort Katenbüll versetzt wird. Statt der erwarteten Ruhe erwarten ihn dort ein erschossener Bürgermeister und weitere Probleme.

Wie sind Sie zum Regieführen bei "Sörensen hat Angst" gekommen?

Schauspieler und Regisseur Bjarne Mädel (m.) kniet beim Filmfest Hamburg mit Filmhund Cord ein belgischer Schäferhund der Rasse Lekonois - bei der Premiere seines Regiedebüts "Sörensen hat Angst" © Georg Wendt/ dpa Bildfunk Foto: Georg Wendt
Filmhund Cord war mit bei der Hamburger Premiere von "Sörensen hat Angst" auf dem roten Teppich an der Seite von Bjarne Mädel.

Bjarne Mädel: Der Autor Sven Stricker hat ein Hörspiel für mich geschrieben. Dieses Hörspiel hieß "Sörensen hat Angst". Dann hat er einen Roman daraus gemacht, der genauso heißt. Es gab Produktionsfirmen, die das gerne verfilmen wollten - und so kam das, dass der Produzent Jakob Claussen gesagt hat, er macht das. Klar war, ich spiele die Hauptrolle, denn es war für mich geschrieben worden. Und dann war die Frage: Wer führt jetzt Regie?

Irgendwann kamen wir auf die Idee, dass ich das ja vielleicht selber machen könnte. Ich habe dann gedacht, "Ja, das probiere ich mal aus". Ich hatte ein ganz tolles eingespieltes Team. Viele kannte ich schon vom "Tatortreiniger". Ich durfte mir dann die Leute aussuchen, die mit mir zusammen gespielt haben. Ich bin glücklich, weil ich so zufrieden mit dem Film bin. Ich bin wahnsinnig froh mit dem Ergebnis. Ich habe mir den genauso vorgestellt, das ist für mich erst mal das Wichtigste. Ob er dann den Leuten gefällt - das kann ich eh nicht beeinflussen. Aber alles, was ich beeinflussen konnte, habe ich beeinflusst.

Wie war die Umstellung am ersten Drehtag - von der Arbeit vor der Kamera zum Regieführen und dann plötzlich der Chef zu sein?

Mädel: Das war für mich erst einmal nicht so eine Riesenumstellung, weil ich alle kannte, die da so rumgelaufen sind. Ich habe das natürlich auf meine Art nicht bierernst gemacht, sondern, wenn wir einen Take wiederholen mussten, konnte ich sagen "das von mir war super, aber Matthias Brandt kann es halt einfach nicht. Und deshalb müssen wir noch mal von vorne anfangen." Das das haben wir natürlich alle mit Humor genommen und deshalb war es nicht so schwer, in der Verantwortung zu stehen.

Es ist aber ein anderer Druck, wenn es plötzlich acht Stunden von zehn regnet, wo es nicht regnen sollte, dann hast du als Regisseur natürlich einen anderen Druck. Der Schauspieler sagt "okay, dann drehen wir morgen noch mal einen Take, ich kriege noch mal einen Tag bezahlt", und der Regisseur kriegt einfach über Nacht graue Haare und einen Herzinfarkt. Das ist ein Riesenunterschied.

Ihr Kommissar hat den schönsten Sidekick an seiner Seite.

Mädel: Cord. Das ist der Hund von Sörensen, der ihm zuläuft - ein ganz besonderer und auch sehr intelligenter. Der hat alles gemacht, was man ihm gesagt hat, anders als die Kollegen.

Sie sind so ein Hamburger Berliner oder ein Berliner Hamburger - sind Sie auch so Stadt-nervös, wie Sörensen? Man hat den Eindruck, dass er vor der Stadt flieht.

Mädel: Sehr gut beobachtet. Ja, der haut ab, weil ihm das alles zu viel wird. Zu viele Einflüsse. Ich kann mir mit zunehmendem Alter auch immer besser vorstellen, irgendwo hin zu ziehen, wo es grün ist und nicht so laut.

Und wie geht's weiter? Immerhin gibt ein zweites Buch, ein drittes ist in Planung.

Mädel: Genau, der Sven (Stricker) schreibt gerade schon am dritten Roman, und wir hätten nichts dagegen, wenn es weitergeht. Also mal sehen. Der NDR muss sparen, das ist uns auch bewusst und mal gucken, ob genug übrig bleibt für Sörensen Teil zwei.

Nun feiern Sie Premiere beim Filmfest Hamburg - wie ist das für Sie?

Mädel: Ja, für mich ist es sowieso toll, dass dieser Fernsehfilm auf dem Filmfest läuft, es ist super, wir sind auch zu den Nordischen Filmtagen eingeladen. Also sind wir jetzt schon zwei auf zwei Filmfestivals, obwohl wir ein Fernsehfilm gemacht haben. Wir haben das aber schon beim Drehen ein bisschen im Hinterkopf gehabt, dass es vielleicht mal eine Kinoauswertung gibt und haben das entsprechend in zwei Formaten gleichzeitig gedreht.

Einerseits ist der Film recht witzig, andererseits gibt es ein sehr ernstes Nebenthema - wie kriegen Sie da mit dem Humor im Gegensatz zu diesem Thema die Balance hin?

Bjarne Mädel (Mitte) in seinem Regiedebüt "Sörensen hat Angst" - mit Schauspielerin Katrin Wichmann als Polizisten und Leo Meier als Polizisten © Claussen+Putz Filmproduktion GmbH Foto: Michael Ihle
Bjarne Mädel (Mitte) in seiner Rolle als Kommissar Sörensen mit Katrin Wichmann Leo Meier als Kollegen.

Mädel: Das war auch einen Grund zu sagen, ich mache es selber, weil ich Angst hatte, dass jemand anders das vielleicht nicht so erwischt, diesen lakonischen Humor - und dann eben dieses ernste Thema. Es war mir wichtig, dass es den Humor nur dann gibt, wenn Sörensen sich über seine eigenen Angsterkrankungen lustig macht. Wenn er versucht, mit Humor den Kopf über Wasser zu halten. Aber sobald das andere, leider sehr aktuelle Thema ins Spiel kommt, übernimmt dann der Krimi und übernimmt die Ernsthaftigkeit. Das war mir extrem wichtig, dass man das schafft.

Mit Humor schafft man es, die Herzen der Leute aufzumachen. Man ist mit den Figuren in dieser Geschichte drin, und irgendwann merkt man "oh Gott, wo bin ich denn hier reingeraten!" Das geht Sörensen genauso, der flieht nach Katenbüll und merkt dann langsam, wo er eigentlich angekommen ist. Ich wollte, dass der Zuschauer diesen Weg mitmacht.

Die Fragen stellte Patricia Batlle, NDR.de

Redaktion: Christian Granderath, Philine Rosenberg (beide NDR); Produktion: Jakob Claussen (Claussen+Putz Filmproduktion). Ein Ausstrahlungstermin bei Das ERSTE steht noch nicht fest.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.09.2020 | 19:00 Uhr

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