Bob Dylan performt 1991 auf einer Bühne in Sevilla. © picture alliance / Avalon/Retna | Michael Putland Foto: Avalon/Retna | Michael Putland

Neue Bücher über Bob Dylan: viel Text, wenig Substanz

Sendedatum: 22.05.2021 08:40 Uhr

Auf dem Buchmarkt erscheint zur Feier von Bob Dylans 80. Geburtstag viel Neues. Welche Lektüre lohnt sich?

von Guido Pauling

"Now, it's all been done before / It's all been written in the book / But when there's too much of nothing / Nobody should look" Bob Dylan, Too much of nothing

Am Pfingstmontag wird Bob Dylan 80 Jahre alt. Der Sänger und Musiker, Literat und Maler gilt vielen als ebenso genial wie rätselhaft. Zahlreiche Bücher, Einzelstudien und Fachartikel sind über den Mann und sein Werk bereits geschrieben worden, und ein Ende ist nicht in Sicht. Auf Amerikanisch ist vor kurzem der erste Band einer neuen Biografie erschienen, außerdem eine 260 Seiten starke, akribische Studie über das Album "Infidels". Auch auf dem deutschen Markt erscheinen zur Feier des runden Geburtstags mehrere neue Bücher.

Motto: "I and I"

Cover des Buchs "BOB DYLAN. Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist". © Kampa Verlag
In "Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist" verrät Bob Dylan so einiges über seine Songs.

"Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist" hat Herausgeber Heinrich Detering die Sammlung von Gesprächen mit Bob Dylan genannt, die der Kampa Verlag veröffentlicht. Es sind mal lustige, mal ernste, manchmal tiefschürfende Gespräche über Songs, das Schreiben von Songs und die Musikkultur; kurz: Gespräche, in denen Dylan überraschend viel über sich verrät.

Was der große Vorteil dieses Buches ist: Dylan spricht selbst, nicht andere über ihn. Allzu wörtlich sollte man ihn dabei nicht nehmen; er weicht manchmal aus, veralbert Fragesteller oder sagt offenkundig Dinge, die er nicht ernst meint. Dylan verrät aber auch viel von sich und gibt tiefe Einblicke in sein Kunstverständnis. Wie er sich zunächst im Kopf frei macht, um dann einen neuen Song zu schreiben. Welchen "geistigen Kick" er bei einem neuen Reim empfindet. Und ob eher Kontrolle oder das Unbewusste einen werdenden Song beeinflusst.

"Schön ist, wenn man sich in einer Umgebung befindet, in der man all das Unbewusste, das in unserem Inneren arbeitet, vollständig zulassen kann. Wenn man sich abschotten kann, sodass man die Kontrolle darüber hat und es aufschreiben kann." Bob Dylan

Fazit: Ein schönes Buch für alle, die Wert auf Selbstzeugnisse eines Künstlers legen.

Bob Dylan: "Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist. Gespräche aus sechzig Jahren"
Hgg. v. Heinrich Detering
Kampa Verlag
352 Seiten
24 Euro

Motto: "Vill passiert sickher" (My back pages)

Selbstzeugnisse finden sich in Wolfgang Niedeckens Dylan-Buch mehr als genug. Wahrscheinlich weiß inzwischen jeder, dass der Deutschrocker aus Köln am Rhein nicht denkbar ist ohne den Folkrocker aus Duluth an den Great Lakes. So führt der neue Buchtitel der KiWi-Musikbibliothek in die Irre: Hier schreibt nicht "Wolfgang Niedecken über Bob Dylan", sondern über sich selbst.

"Wolfgang Niedecken über Bob Dylan"
KiWi-Taschenbuch
240 Seiten
14 Euro

In sympathischem Erzählton, manchmal etwas gewollt-locker, beschreibt Niedecken ausführlich, wie er für den Sender arte auf Dylans Spuren in den USA unterwegs war. Neben diesem "Making of-Fernsehdreh" erfährt die Leserschaft so Bedeutendes wie dies: Sein erstes Lied auf Kölsch schrieb Niedecken als Zivi auf die 93-jährige Lieblings-Pflege-Oma. Und die Geigerin Anne de Wolf macht bei BAP mit, weil auch auf Dylans Album "Desire" eine Frau Geige spielt. Na denn. War's das?

Leider nein. Das handliche Büchlein hätte Kürzungen gut vertragen. Niedecken ist wirklich ein netter Typ, aber zwischen den blauen Buchdeckeln recht geschwätzig.

"Mein Aufsager ist schnell gemacht, dann aber verlieren wir kostbare Zeit mit all den Formalitäten, die man erledigen muss, wenn man beim Autoverleiher ein beschädigtes Fahrzeug gegen ein intaktes eintauschen will. (...) Es zieht sich."

Das kann man wohl sagen...

Fazit: Ein schönes Buch für alle Fans von BAP.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.05.2021 | 08:40 Uhr

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