Stand: 20.05.2020 14:20 Uhr  - NDR Kultur

George Takeis Comic: "They Called Us Enemy"

They Called Us Enemy: Eine Kindheit im Internierungslager
von George Takei
Vorgestellt von Danny Marques

George Takei hat als Lieutenant Sulu Fernsehgeschichte geschrieben. Die Rolle in der Kultserie "Raumschiff Enterprise" war der erste Held asiatischer Abstammung im US-Fernsehen. George Takeis Vater war ein japanischer Einwanderer, seine Mutter wurde in den USA geboren. Vor seinem Ruhm wurde die Familie allerdings über vier Jahre in verschiedenen Internierungslagern eingesperrt. Ein großes Unrecht, über das George Takei eine Graphic Novel vorgelegt hat.

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"They Called Us Enemy: Eine Kindheit im Internierungslager" ist im Cross Cult Verlag erschienen.

Es ist Februar 1942. Der japanische Angriff auf die Pazifikflotte der USA in Pearl Harbour ist wenige Wochen her. Da klopfen Soldaten an das Haus der Familie Takei in Los Angeles. Die Takeis sind wie alle US-Amerikaner japanischer Abstammung pauschal zu Staatsfeinden erklärt worden. Und kommen mit dem Zug in ein Internierungslager.

Ich sah Menschen weinen und verstand den Grund nicht. Daddy sagte, wir fahren in den Urlaub. Ich dachte, jeder fährt mit einem Zug voll bewaffneter Wachen in den Urlaub. aus dem Comic "They Called Us Enemy: Eine Kindheit im Internierungslager"

Schlichte Bilder für den Lebensanfang

In seiner Graphic Novel erzählt George Takei die Geschichte seiner Kindheit in schlichten Bildern, die aber viel zeigen. Man sieht einerseits, wie er das alles als Fünfjähriger, mit großen unschuldigen Augen, als großes Abenteuer sieht. Gleichzeitig sieht man die besorgten Gesichter der Eltern. Dazu Texte wie dieser:

Jeder Familie wurde eine Pferdebox zugeteilt, in der es schneidend nach Dung stank. Als Kind konnte ich diese Ungerechtigkeit schlicht nicht begreifen. aus dem Comic "They Called Us Enemy: Eine Kindheit im Internierungslager"

In einer Talkshow erinnert sich George Takei an diese Situation: "Für meine Eltern war es demütigend und schmerzhaft. Ich dachte: Das ist doch toll. Zu schlafen, wo die Pferdchen schlafen. Erst als Teenager habe ich besser verstanden, was für eine schlimme Erfahrung es für meine Eltern war."

Kindheit hinter Stacheldraht ohne Privatsphäre

Zunächst in Kalifornien, dann in Arkansas leben die Takeis mit zehntausenden Anderen unter entwürdigenden Bedingungen. Das Essen ist schlecht. Die Baracken sind überfüllt und bieten keinerlei Privatsphäre. George Takei wächst hinter Stacheldraht auf. Bewacht von Soldaten auf Wachtürmen. Die Graphic Novel fängt diese Atmosphäre ein. Es ist bedrückend und traurig.

Vier Jahre lang bleiben die Takeis in verschiedenen Internierungslagern. Obwohl die Mutter sogar in den USA geboren wurde, ist die Familie im Grunde rechtlos. Nach dem Krieg wird George ein gefeierter Schauspieler. Als Steuermann Sulu in "Raumschiff Enterprise" wird er ein Weltstar.

Graphic Novel ist Erinnerung und Mahnung zugleich

Viele Jahre hat George Takei sich für die Anerkennung des Unrechts engagiert, dass Amerikanern japanischer Herkunft widerfahren ist. Am Ende seiner Graphic Novel sind auch Zeichnungen, die eingesperrte mexikanische Kinder in den USA zeigen. Derzeit sind es über 5.000, die meist mit ihren Eltern illegal eingewandert sind. George Takei, mittlerweile 83 Jahre alt, hat nie vergessen, was es bedeutet, unter miserablen Bedingungen eingesperrt zu sein. Seine bewegende, aber auch kurzweilige Graphic Novel ist Erinnerung und Mahnung zugleich.

They Called Us Enemy: Eine Kindheit im Internierungslager

von
Seitenzahl:
208 Seiten
Genre:
Graphic Novel
Verlag:
Cross Cult Verlag
Veröffentlichungsdatum:
13. Mai 2020
Bestellnummer:
978-3966580397
Preis:
25 € €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 20.05.2020 | 11:20 Uhr

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