Stand: 13.09.2018 15:44 Uhr

Die Lage ist besser als gedacht

Frohe Botschaft. Es steht nicht gut um die Menschheit, aber besser als jemals zuvor
von Walter Wüllenweber
Vorgestellt von Nicole Ahles, NDR Info
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Das Buch "Frohe Botschaft" von Walter Wüllenweber ist bei DVA erschienen.

Die Welt ist voller Kriege, Hunger, und Notstand. Alles wird immer schlimmer - und keiner weiß mehr, was die Zukunft bringen wird. So fühlt sich das manchmal an. Der Journalist und Autor Walter Wüllenweber wollte diesem Gefühl, das er selbst bei sich festgestellt hat, nicht mehr glauben und hat sich nach Fakten umgesehen. Daraus ist das Buch "Frohe Botschaft" entstanden.

Zahlen belegen: Vieles ist besser als früher

Die frohe Botschaft kommt zunächst mal mit einer Menge eindrücklicher Zahlen daher. Die Kindersterblichkeit zum Beispiel hat sich zwischen 1990 und 2016 mehr als halbiert. Die Gefahr, durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen, ist heute erheblich geringer, als sie in der 70er- und 80er-Jahren war und übrigens auch geringer, als an einer Fischgräte zu ersticken, schreibt Wüllenweber.

Es gab aber auch Fakten, die ihn erstaunt haben: "Zum Beispiel hat mich die Entwicklung beim Hunger überrascht. Ich bin Anfang der 60er-Jahre geboren worden. Und wenn man sich die Zahlen anguckt, dann sehen wir, dass in diesem Zeitraum von 100.000 Menschen pro Jahr 50 verhungert sind. Heute noch einer - alle zwei Jahre. Das heißt, das ist ein Rückgang um 99 Prozent."

Die gefühlte Angst

Eigentlich ein Grund sich zu freuen. Insgesamt aber ist unser Weltbild ein ganz anderes. Irgendwie fühlt es sich so an, als werde alles täglich immer schlimmer. Viele Menschen haben Angst vor Kriminalität und Zuwanderung, vor Jobverlust und Altersarmut:

Besonders negativ ist die Einschätzung, wenn es um die Gesamtsituation geht, die Frage, ob die Welt sich insgesamt zum Besseren entwickelt hat. In China bewerten 41 Prozent die Entwicklung positiv, in Schweden sind es zehn Prozent, in Deutschland nur vier. Zitat aus dem Buch "Frohe Botschaft"

Wüllenweber sieht sich in seinem Buch viele Aspekte des Lebens genau an und belegt deren Entwicklung mit Zahlen. Das ist mitunter etwas trocken, aber es geht ihm auch nicht darum, sich jede Zahl zu merken, sondern um den Gesamteindruck.

Mediennutzung ändert die Wahrnehmung

Früher war eben nicht alles besser, ganz im Gegenteil. Dann versucht der Journalist zu ergründen, woher dieses negative Weltbild kommt. Ein Grund ist seiner Meinung nach die massive Mediennutzung. In Deutschland verbringen die Menschen demnach jeden Tag zehn Stunden mit irgendeiner Mediennutzung.

Katastrophen, Kriege, Gewalt und all das Böse in der Welt - das wird nicht immer mehr, sondern im Gegenteil immer weniger. Eine wirkliche Steigerung, die gab es nur bei der Berichterstattung darüber. Zitat aus dem Buch "Frohe Botschaft"

"Der Abgrund" als "Mutter aller Fake News"

Aber Wüllenweber ist auch Journalist. Jede dieser Meldungen hält er für meldenswert, nur in ihrer Gesamtheit erzeugten sie ein falsches Bild - und sie seien ein gefundenes Fressen für Populisten: "Deren große Botschaft ist: Alles wird schlechter, wir stehen kurz vor dem Abgrund. Und die verbreiten diese falsche Botschaft, ich nenne sie die 'Mutter aller Fake News', weil das die Rechtfertigung ist für die Umkehr, weil das die Rechtfertigung ist zu sagen, wir brauchen ein neues System."

Ein Buch gegen die ewige Schwarzmalerei

Der Autor und Journalist Wüllenweber ist keiner, der glaubt, alles sei gut. Die Welt steht vor großen Herausforderungen, sei es der Klimawandel, das Insektensterben oder der Plastikmüll. Aber er meint: Um die großen Probleme lösen zu können, müsse man auch mal schauen, was man alles schon geschafft habe. Das versucht er auch in Gesprächen zu vermitteln. "Zuerst gibt's oft einen Widerwillen. Wenn man erklärt, dass in den vergangenen Jahrzehnten alle Kurven der Entwicklung steil nach oben zeigen. Dann gibt es erst mal eine Gegenreaktion, dann sagen alle zuerst mal: 'Halt stopp, halt stopp, halt stopp.' Aber, dann kommt das große 'Ja, aber ...'. Dann diskutiert man fünf Minuten, und dann merke ich in fast in allen Gesprächen, dass die Menschen sich darauf einlassen und sagen: 'Ey, stimmt eigentlich.'"

"Frohe Botschaft" ist ein Buch für Menschen, die es genau wissen wollen und die die ewige Schwarzmalerei von manchem Gesprächspartner satt sind. Es wird die Welt nicht verändern, das weiß auch Wüllenweber, aber es könnte eine Debatte anstoßen, die interessant wäre.

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Frohe Botschaft. Es steht nicht gut um die Menschheit, aber besser als jemals zuvor

von
Seitenzahl:
224 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
DVA Sachbuch
Veröffentlichungsdatum:
03.09.2018
Bestellnummer:
978-3-421-04822-6
Preis:
18,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 10.09.2018 | 09:20 Uhr

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