Blake Gopnik: "Warhol - ein Leben als Kunst" © Prestel Verlag

Biografie der Pop-Art-Ikone: "Warhol. Ein Leben als Kunst"

Stand: 05.03.2021 12:28 Uhr

Wer war Andy Warhol? Legenden über die Ikone des Pop-Art gibt es reichlich. Welche Geschichte aber ist die wahre? Blake Gopnik hat sich im Buch "Warhol. Ein Leben als Kunst" auf Spurensuche begeben.

von Claudia Christophersen

Seine Perücke war sein Markenzeichen. Andy Warhol trug sie mal schwarz, mal blond, meistens silbergrau oder weiß. Ein wandelbarer Künstler, ein Chamäleon, das sich anpasste an Mode, Trend, Laune und Befindlichkeit. Der Künstler selbst war eine Kunstfigur, verkörperte seine Kunst und wurde zum Kunstwerk. Nie ohne Ironie, nie ohne Humor. War seine Kunst ein Witz, oder war der Witz seine Kunst? Warhol hätte mit "Ja" geantwortet.

Campbell's-Dose und Cola-Flasche

Andy Warhol, 1928 in Pittsburgh geboren, stirbt 1987 in New York. Er ist immer auf der Suche nach Identität, nach Stil, nach eigenständigen Ideen und Originalität. In New York, dem Zentrum seines Wirkens, schläft die Konkurrenz nicht: Roy Lichtenstein, Yves Klein oder Jackson Pollock sind mit ihren abstrakten Linien, expressiven Farben und Formen längst etabliert. Eine zündende Idee muss her. Die bekommt Warhol 1961 von der New Yorker Kunsthändlerin Muriel Latow: "Du musst etwas finden, das fast jeder kennt. Etwas, das man jeden Tag sieht und das jeder wiedererkennen würde. Etwas wie eine Suppendose von Campbell." Warhol nimmt sie beim Wort. Gegenstände des neuen, praktischen, komfortablen US-Lebens werden zum Objekt: die Campbell's-Dose, die Cola-Flasche oder die Brillo-Box. Die Werbekunst geht unzählige Male in Serien und Siebdruck.

Durchbruch mit Dollarschein-Bildern

Warhol ist damit erfolgreich und verdient Geld, das er sofort zum Kunstgegenstand macht. Die frühen Dollarschein-Bilder werden sein öffentlicher Durchbruch. Pop-Art wird zum Rausch, zur Marke, zur Mode. Galten seine Arbeiten zuvor eher als albern und komisch, bekommt seine Kunst jetzt Kontur, mit Ecken und Kanten, mit bissiger, satirischer Schärfe. Ein Ort, an dem alles zusammenkommt - Kunst, Arbeit, Leben - heißt bei Warhol nicht einfach Atelier, sondern Factory. Paintings, Siebdruck, Graphik, Fotos, Videos, Musik und Performance entstehen hier. Die Band Velvet Underground produziert in der Factory Soundtracks. Wieder wird aus Leidenschaft Kunst.

Warhol bleibt ein Mysterium

Der New Yorker Kunstkritiker Blake Gopnik versucht, dem Künstler mit großem Detailreichtum in seiner gründlich recherchierten Biografie auf die Schliche zu kommen. Ein Ergebnis von fleißiger Archivarbeit und unzähligen Gesprächen, die Blake Gopnik mit Zeitzeugen und engsten Vertrauten Warhols geführt hat. Über 1.200 Seiten konnte er damit über die Ikone des Pop-Art füllen. Und trotzdem bleibt der Künstler ein Mysterium mit Brüchen, Ambivalenzen und Paradoxien. Vielleicht ist Andy Warhol in dieser Unverfügbarkeit eben deshalb genau das, was er immer sein wollte: exzentrisch, schillernd, berühmt.

Warhol. Ein Leben als Kunst. Die Biografie

von Blake  Gopnik
Seitenzahl:
1227 Seiten
Genre:
Sachbuch
Zusatzinfo:
Aus dem Amerikanischen von Marlene Fleißig, Hans Freundl, Ursula Held, Hans-Peter Remmler, Andreas Thomsen und Violeta Topalova
Verlag:
C. Bertelsmann
Bestellnummer:
978-3-570-10207-7
Preis:
48 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 05.03.2021 | 14:20 Uhr

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