Stand: 22.02.2019 13:33 Uhr

Ritterabenteuer von Michael Ende als Hörbuch

Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe
von Michael Ende und Wieland Freund
Vorgestellt von Juliane Bergmann

In den letzten Jahren vor seinem Tod begann Michael Ende eine Geschichte zu schreiben, über den "Raubritter Rodrigo Raubein und Knirps, seinen Knappen". Nur drei Kapitel wurden fertig. Jetzt - in dem Jahr, in dem Michael Ende 90 Jahre alt geworden wäre - ist aus dem Fragment ein Buch geworden. Wieland Freund hat die Geschichte vollendet. Juliane Bergmann hat sie sich von Christoph Maria Herbst vorlesen lassen - im gleichnamigen Hörbuch.

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Um zu beweisen, wie erwachsen er schon ist, zieht es den kleinen Knirps ausgerechnet zu dem gefürchteten Raubritter Raubein.

Ja, ja, sie meinen’s ja nur gut. Aber: Ganz egal, was sich die Erwachsenen so als Lebensweg für ihren Nachwuchs ausdenken - Kinder finden diese Pläne meistens schlichtweg doof. So geht es auch Hastrubel Anaximander Chrysostomos - oder, wie ihn alle einfach nennen, Knirps. Seine Eltern sind umherfahrende Puppenspieler. Und irgendwann soll der rabaukige Sohn in ihre Fußstapfen treten. Schließlich zieht die Familie Dick seit Generationen schon in einer Art Kutsche von einer mittelalterlichen Stadt zur nächsten. Mit dabei viele Marionetten-Puppen: Prinzessinnen und Könige, Hexen und Zauberer, Pferde, Drachen und viele, viele Ritter.

Knirps hat es satt, immer gesagt zu bekommen, was er tun soll und was nicht. Also nimmt er eines Tages Reißaus. Seine Eltern sind fassungslos:

"Sie wechselten einen erschrockenen Blick, dann riefen sie gleichzeitig in das Innere des Wagens hinein: 'Hallo? Knirps? Junge? Kind? Bist du da drinnen?' 'Hier drinnen ist niemand', schnarrte der Papagei, 'außer bloß Sokrates.' 'Um Himmels willen', rief Mama Dick und schlug die Hände zusammen. 'Wo ist er dann? Wo ist mein armes Kind?'" Hörbuchausschnitt

Romanfragment wurde erst nach Endes Tod fertiggestellt

Das Romanfragment, das Michael Endes langjähriger Freund und Lektor Roman Hocke im Nachlass des großen Kinderbuchautors entdeckt hat, bestand ursprünglich aus drei Kapiteln. Sie enthielten die Basis der Geschichte: die Hauptpersonen und die Konflikte, um die es gehen sollte. Der Schriftsteller und Journalist Wieland Freund nahm dieses Fragment als Grundlage für das Buch. Sicherlich insgesamt ein Wagnis: Ein Co-Autor mit großem Namen, der noch dazu bereits tot ist, sich also nicht mehr streiten kann.

Knirps zieht los, um es allen zu beweisen

Doch dem Buch merkt der Hörer all das nicht an. Es wirkt wie aus einem Guss. Und das Kernthema, um das sich schon in Michael Endes Version alles drehen sollte, ist geblieben, nämlich die Angst. Um zu beweisen, wie erwachsen er schon ist, will Knirps beim Raubritter Raubein Knappe werden:

"'Hey, hallo Herr Raubritter Rodrigo Raubein! Kann ich bitte reinkommen?' Keine Antwort war zu hören und niemand kam. Knirps klopfte noch eine ganze Weile weiter. Aber vergebens. 'Hmm vielleicht', sagte er sich, 'ist er nur gerade mal weggegangen, um eine Besorgung zu machen. Er wird bestimmt bald zurückkommen, sonst hätte er doch einen Zettel an die Tür gemacht 'Bin im Urlaub' oder so was. Ich setze mich jetzt hierher und warte mal ein bisschen.'" Hörbuchausschnitt

Auch für Erwachsene ein Vergnügen

Der besagte Raubritter ist jedoch keinesfalls angsteinflößend, eher gemütlich und menschenscheu. Liebevoll haben die Autoren die Figuren gezeichnet. Mit ihren kleinen, feinen Macken sind sie durchweg ziemliche Sympathieträger. Der ideenlose Puppenspieler, dem nur langweilige Stücke einfallen, der gefürchtete Ritter, der seine Bedrohlichkeit nur inszeniert und allen voran der Möchtegern-Bösewicht, der mit seiner naiven Kindersicht die Welt der Erwachsenen unabsichtlich persifliert. Grundsätzlich richtet sich das Buch an Kinder. Trotzdem springt auch hier der Funke generationsübergreifend über, eben typisch Michael-Ende-Geschichte.

Knirps auf der Suche nach Gut und Böse

Nicht zuletzt werfen die Autoren - schnörkellos und ohne Pathos - große, geradezu philosophische Fragen auf, nach dem richtigen Weg, nach Schein und Sein. So will der Junge lernen, was das Böse ist. Denn wer Gut und Böse nicht unterscheiden könne, bleibe ewig Kind, hat er gehört.

"Knirps wusste überhaupt nicht, was Angst ist. Angst hat nämlich nur einer, der das Böse kennt, das in ihm steckt, und es deshalb nicht sucht. Auch davon wusste Knirps nichts. Er konnte sich einfach nichts Richtiges darunter vorstellen." Hörbuchausschnitt

Phänomenal gelesen von Christoph Maria Herbst

Das absolute Highlight des Hörbuchs: Christoph Maria Herbst, einst legendärer Fiesling-Chef Stromberg, liest phänomenal. Inzwischen wird er häufig für Kinderhörbücher gebucht - darunter Michael Endes unaussprechlicher Wunschpunsch oder Jim Knopf. Hier spricht er nun verknarzt den Papagei, schwer und behäbig den Ritter, verstrahlt das Kind. Absolut treffsicher und dennoch mit Leichtigkeit. Ein Hörbuch, das Spaß macht - locker-flockig erzählt, klug gestrickt, voller kleiner Keckheiten. Einfach gelungen.

Grauhaarigr Mann mit Vollbart, der über den Rand seiner Brille schaut © dpa-Report/picture-alliance Foto: Jörg Schmitt

Michael Ende/ Wieland Freund: "Rodrigo Raubein"

NDR Kultur -

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Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe

von
Seitenzahl:
240 Seiten
Genre:
Roman
Gelesen von:
Christoph Maria Herbst
Verlag:
Hörbuch Hamburg
Veröffentlichungsdatum:
31.01.2019
Bestellnummer:
978-3-7456-0082-7
Preis:
20 €
Länge:
331 Minuten

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