Sendedatum: 23.07.2013 18:20 Uhr  | Archiv

Wenn man Männer mal alleine lässt

In unserer Sommerserie "Norddeutsche Familienromane" stellen wir sechs Autoren von Familienromanen vor.

Teil 3: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!" von Dora Heldt.

In einer Reihe über norddeutsche Familienromane darf eine Autorin nicht fehlen: Dora Heldt. Wer die Autorin kennt, der kennt auch ihre liebenswürdigen Figuren "Papa Heinz", dessen Frau Charlotte, den Schwager Walter und Tante Inge - alle sind sie um die 70. Mit Titeln wie "Kein Wort zu Papa", "Tante Inge haut ab" und "Urlaub mit Papa" hat sich die Bestsellerautorin inzwischen eine Fangemeinde erschrieben. Ihre Bücher verkaufen sich millionenfach.

Dora Heldt vor einem Bild von Kappeln an der Schlei (Montage) © picture alliance / rtn - radio tele nord, fotolia.com Foto: rtn, patrick becher, silentforce
Dora Heldt ist im Norden verwurzelt: Sie ist auf Sylt geboren, lebt heute in Hamburg und ist nicht nur beruflich viel an der Ost- und Nordsee unterwegs.

Buchzitat: "Wenn Walter irgendwas hasste, war es schlechte Planung. Sein Schwager Heinz teilte diese Einstellung voll und ganz. Deshalb waren sie auch gute Beamte gewesen, mit einer Reihe von Bestbeurteilungen. Wenn sie etwas anpackten, hatte das Hand und Fuß."

Bustour mit Senioren. In "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen" geht es um eine Kaffeefahrt für gutsituierte Rentner. Schon bald merken "Papa Heinz" und sein Schwager, dass sich die gewonnene "Premium"-Reise an die Schlei als chaotische Billigtour entpuppt und die Veranstalter nicht nur ehrliche Absichten haben.

Normale Figuren und ihre Macken

Ein bisschen zerstreut, manchmal naiv, oft besserwisserisch, aber immer mit vollem Eifer dabei - so kennt man Dora Heldts "Papa Heinz" schon aus früheren Büchern. Gerade, weil ihre Figuren so normal sind und ihre Macken haben, sind sie so beliebt.

"Dass sich Heinz und Walter umeinander kümmern, das find ich ganz schön. Das gibts aber auch öfter in der Generation", beschreibt Dora Heldt ihre Romanhelden.

"Papa Heinz" und sein Schwager Walter sind das erste Mal ohne ihre Frauen unterwegs. Eine Konstellation, die die Autorin gereizt hat: "Aus meiner Erfahrung: Die Männer, die in meinem Umfeld in dem Alter sind, die können ganz viel alleine, die tun es aber nicht, weil man sie zum Teil aber auch nicht lässt. Und ich fand das ganz spannend, was machen die, wenn die mal wirklich alles alleine machen müssen. Also angefangen von Was zieh ich morgens an? bis Koch ich mir was oder geh' ich was essen?"

Authentische Schilderungen der Handlungsorte

Dora Heldt, Jahrgang 1961, ist auf Sylt geboren, lebt aber seit vielen Jahren in Hamburg. Ihre Bücher spielen in Norddeutschland: auf Sylt, aber auch an der Ostsee oder wie im neuesten Buch an der Schlei.

Ein Baum wächst auf einem Schiff in Arnis an der Schlei © Gunther Krambeer Foto: Gunther Krambeer
Dora Heldt will wissen, worüber sie schreibt und schaut sich vor Ort immer ganz genau um.

Die Autorin schreibt nur über Regionen, in denen sie selbst schon mal war. Ihr geht es darum, dass die Schilderungen authentisch sind: "Wenn die irgendwo stehen und auf die Schlei gucken, will ich auch wissen, was sehen die da gegenüber und dann fahr' ich schon hin und guck es mir nochmal an und ich laufe auch Wege ab. Das mach ich auch auf Sylt. Also wenn ich auf Sylt irgendwas schreibe, fahre ich auch nochmal da hin. Weil ich denke, war das wirklich da rechts neben dem Bahnhof oder so. Und dann fährt man da nochmal vorbei. Und so kommen die Bilder wieder in den Kopf und auch das Gefühl für die Gegend."

Gute-Laune-Bücher mit viel Situationskomik

Als Verlagsvertreterin arbeitet Dora Heldt - wie es in der Branche typisch ist - phasenweise. Die übrige Zeit im Jahr nutzt sie zum Schreiben. Um die beiden Jobs voneinander zu trennen, trägt sie den Namen ihrer Großmutter als Pseudonym. Dora Heldt heißt nämlich eigentlich Bärbel Schmidt. Seit sechs Jahren ist sie als Romanautorin tätig.

Seit es "Papa Heinz" gibt, der übrigens viel mit ihrem eigenen Vater gemeinsam hat, freuen sich die überwiegend weiblichen Fans immer wieder auf neue Geschichten über die liebenswerten Rentner. Und auch für Dora Heldt gehört das Schreiben mittlerweile fest zu ihrem Leben: "Wenn ich im November in Hamburg sitze und es regnet die ganze Zeit und es sind irgendwie 7 Grad und ich schreibe dann eine Szene, die auf Sylt spielt im Sommer, dann ist das, wie wenn ich ein Buch lese, das auf Sylt spielt im Sommer... Also, man hat so ein Gefühl, dass man raus ist aus dem Normalen."

Dora Heldt schreibt keine tiefschürfenden Bücher, sondern kurzweilige, humorvolle Geschichten mit viel Situationskomik und sehr menschlichen Charakteren. Genau dafür ist sie so beliebt.

Zwei Berufe, eine Liebe: Bücher

Autorin Dora Heldt © Regina Geisler www.regina-geisler.de
Dora Heldt lebt in Hamburg und arbeitet nach wie vor im zweiten (ursprünglich ersten) Beruf als Verlagsvertreterin.

Dora Heldt ist eine der erfolgreichsten Romanautorinnen im deutschsprachigen Bereich. Einige ihrer Geschichten wurden für das Fernsehen verfilmt, unter anderem "Urlaub mit Papa" und "Tante Inge haut ab". Dora Heldt wurde 1961 auf Sylt geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin begann sie als Verlagsvertreterin zu arbeiten. Ihr erster Roman "Ausgeliebt" erschien 2006. Die ehemalige Handballspielerin nennt Loriot ihr Vorbild. Sie lebt in Hamburg.

Drei Fragen an die Autorin

 

Warum eignet sich die Schlei-Region für einen Familienroman?

Es ist einfach eine schöne Landschaft. Es gibt viel grün, ich hab immer den blauen Himmel im Kopf, es gibt viele Schiffe und man kann da ordentlich spazieren gehen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 23.07.2013 | 18:20 Uhr

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