Stand: 07.06.2018 12:10 Uhr

Zum zehnten Todestag des Poeten Peter Rühmkorf

von Ulrike Sárkány
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Starb am 8. Juni 2008 in Roseburg im Kreis Herzogtum-Lauenburg: der Lyriker, Essayist und Autor Peter Rühmkorf.

Vor zehn Jahren starb Peter Rühmkorf, der 1929 in Dortmund geborene Dichter, der später Hamburg zu seiner Wahlheimat machte. Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki hatte zu seinem Tod etwas zwiespältige Lobesworte für ihn: "Er war ein feinsinniger Ästhet, ein raffinierter Schöngeist, ein exquisiter Ironiker. Nur war er zugleich ein plebejischer Poet, ein handfester Spaßmacher, ein Verwalter des literarischen Untergrunds, ein Dichter der Gasse und der Masse, einer, der die Lyrik auf den Markt gebracht hat."

"Lass dem Tag die Schwebe und rühr nicht an den Trauerrand, ich bin ja auch nur kurz im Land und weiß nicht, wie lange ich lebe." Peter Rühmkorf aus "Haltbar bis Ende 1999"

Vergänglichkeit in unsterblichen Versen

An den alten Meistern geschult, hat Peter Rühmkorf es immer verstanden, Gedanken an Vanitas und Vergänglichkeit in unsterbliche Verse zu packen. Er hätte gern noch viel mehr Aufmerksamkeit für seine Kunst bekommen, aber mit dem Wissen um das geringe Interesse an Lyrik nannte er einen Gedichtband sogar "Haltbar bis Ende 1999". 25 Jahre ist es her, dass er den Georg-Büchner-Preis bekam, und mit großem Nachruhm hat er selbst nie gerechnet. Vielleicht sind seine Gedichte gerade darum immer noch haltbar.

"Ich selbst geb mich so elitär, wie ich halt reduziert bin,
und tanz auf keiner Hochzeit mehr, wo ich nicht amüsiert bin." Peter Rühmkorf aus "Dichterleben"

Er war einer, der schon als kleiner Junge davon fasziniert war, was man mit der Magie der Wörter alles erreichen kann. Er sagte: "Ich habe das Dichten eigentlich bei meiner Mutter gelernt. Meine Mutter war Lehrerin auf dem Dorf und hat zu allen möglichen Anlässen Gedichte gemacht, gereimte Gedichte, und diese Gedichte fanden jedes Mal öffentlichen Anklang."

"Wie ein Bänkelsänger durch die Lande gezogen"

Ihm hat beides gefallen, der Umgang mit der Sprache und der Umgang mit den Menschen, die bereit waren, ihm zuzuhören: "Ich habe mich auch immer gern als Reiseschriftsteller gesehen, weil ich ja sehr oft mit meinen Sachen durch die Lande gezogen bin, wie ein Troubadour oder ein Bänkelsänger, und dieser gewisse Reiseduktus entspricht irgendwie einer Reisigkeit meines Charakters. Ich bin nicht so ein Sitztyp, ich gehe auch flink durch die Gegend und nehme sehr flink wahr", sagte er.

Da Rühmkorf Jahrgang 1929 war, wie sein Kollege Hans Magnus Enzensberger, ist er im Zweiten Weltkrieg zum Glück nur noch zur "Wehrertüchtigung" und zum Schützengrabenausheben herangezogen worden. Es sei ein "ziemliches aasiges Herummalochen" gewesen, so Rühmkorf.

Abneigung gegen falsche Autoritäten

Die Erfahrung hat ihn fürs Leben geprägt; er hatte zeitlebens eine intensive Abneigung gegen falsche Autoritäten. Rühmkorf hinterlässt uns seine autobiografischen Werke "Die Jahre, die ihr kennt" und "TABU 1 und 2", Essays, Märchen und viele wundervolle Gedichtbände, die Tonaufnahmen mit Michael Naura und Wolfgang Schlüter, sogar Theaterstücke, die allerdings niemand mehr kennt. Als sein letzter Gedichtband "Paradiesvogelschiss" erschien, ging es ihm schon so schlecht, dass Günter Grass bei der Buchpremiere für seinen Freund Peter Rühmkorf einsprang.

"Es war mal ein Paradiesvogelschiss, der schien sich sogleich seiner Sendung gewiss, weil er klackste bei mir in den Garten. Bei so etwas liegt der Gedanke nicht fern, vielleicht birgt er einen nützlichen Kern - Mal warten." Peter Rühmkorf aus "Paradiesvogelschiss"

Peter Rühmkorf ist vor zehn Jahren mit 78 Jahren gestorben. Die ihn kannten, vermissen ihn nach wie vor.

Der Autor Peter Rühmkorf © picture-alliance / dpa

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Dieses Thema im Programm:

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