Stand: 09.10.2019 14:13 Uhr

Ulrich Tukurs erster Roman: "Der Ursprung der Welt"

Der Ursprung der Welt
von Ulrich Tukur
Vorgestellt von Katja Weise
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Die Beschäftigung mit der (eigenen) Vergänglichkeit ist ein Thema in Tukurs Roman.

Dass er schreiben kann, hat Schauspieler Ulrich Tukur schon gezeigt: Vor rund zehn Jahren brachte er unter dem Titel "Die Seerose im Speisesaal" fantastische Erzählungen heraus, 2013 dann die Novelle "Die Spieluhr" und nun also seinen ersten Roman: "Der Ursprung der Welt".

Düster waren sie bisher, die Geschichten, die der Autor Ulrich Tukur erzählt hat, und düster ist auch dieser Roman - eine Mischung aus Dystopie und Thriller. Die Geschichte beginnt in der nahen Zukunft, im Jahr 2033:

"Unruhen und Gewaltausbrüche waren an der Tagesordnung, in letzter Zeit ging es in den Städten besonders schlimm zu, es herrschte die giftige Atmosphäre der Hysterie und des Hasses." Leseprobe

100 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers

2033 - die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland jährt sich zum 100. Mal, in Europa herrscht Chaos.

"Totalitäre Systeme der Zukunft spiegeln sich in den totalitären Systemen der Vergangenheit und darin die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach sich selbst ist", sagt Ulrich Tukur und begibt sich auf die Fährte dieses jungen Deutschen, Paul Goullet, der sich in seinem Land nicht mehr zu Hause fühlt und nach Frankreich flieht.

Eine verstörende Entdeckung

Dort fällt ihm bei einem Pariser Bouquinisten ein Fotoalbum in die Hand, rostrot, mit Goldschrift, darin vergilbte Schwarz-Weiß-Fotos, die einen Mann zeigen, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht:

"Goullet starrte das vergilbte Porträt an, ungläubig, fasziniert. Als er begriff, dass er sich nicht täuschte, überkam ihn ein namenloser Schrecken, und sein Herz fing heftig an zu schlagen. Dieser Mensch, der da vor über einem Jahrhundert für einen unbekannten Fotografen posiert hatte, daran bestand kein Zweifel, war er selbst: Paul Goullet. PG." Leseprobe

Protagonist Goullet begibt sich auf Spurensuche

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Goullet will Gewissheit haben und begibt sich auf eine abenteuerliche Spurensuche, in den Süden Frankreichs und in die Vergangenheit.

Nach und nach steht dieser Vorläufer in ihm auf, ein französischer Arzt, der während der 1940er-Jahre Dutzende Flüchtlinge aus Deutschland unter dem Vorwand, ihnen helfen zu wollen, getötet hat. Ungeheuer spannend erzählt Ulrich Tukur, wie dieser Mensch, für den es ein reales Vorbild gibt, sich nun seines "Nachläufers" bemächtigt.

Ulrich Tukur vermischt Zeit- und Realitätsebenen

Goullet beginnt unter Albträumen zu leiden, die ihn regelrecht überfallen, sodass er teilweise kaum noch zu unterscheiden weiß zwischen Realität und Traum - und der Leser mit ihm. Wie schon in seinen Erzählungen und der Novelle mischt Tukur furios Zeit- und Realitätsebenen:

"Ich weiß oft nicht, was ist die Wirklichkeit. Ich lebe genau so intensiv in meinen Träumen und in meinen Fantasien wie in der sogenannten Wirklichkeit, die mir so gar nicht passt. Also suche ich mir andere Räume, die für mich genauso gegenständlich und realistisch werden wie das, was wir als Wirklichkeit bezeichnen. Und das ist doch spannend. Wenn sich da die Grenzen von Vision, Traum, Wirklichkeit vermischen und das Ganze eins wird", erklärt der Autor.

"Der Ursprung der Welt": Leichte Präsentation des Dunklen

Verstiegen und ambitioniert ist dieses Ganze, ein komplexes Geschichtenknäuel, das Tukur am Ende elegant auflöst. Fast alles, was den Schauspieler und Autor in den vergangenen Jahrzehnten bewegt hat, lässt sich darin entdecken: Die Beschäftigung mit der (eigenen) Vergänglichkeit, die Auseinandersetzung mit der Malerei und der Musik, das Interesse für Geschichte.

Aber Tukur wäre nicht Tukur, wenn er das nicht mit einer gewissen Nonchalance erzählen würde, in vertrautem Ton. Außerdem ist Tukur ein Meister darin, das Dunkle leicht zu präsentieren.

Der Ursprung der Welt

von
Seitenzahl:
304 Seiten
Genre:
Roman
Zusatzinfo:
Das Hörbuch zum Roman wird von Tukur selbst gelesen und ist bei Argon erschienen.
Verlag:
S. Fischer
Bestellnummer:
978-3-10-397273-3
Preis:
22,00 €

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