Stand: 18.01.2019 17:00 Uhr

Orte, die Geschichten erzählen

Tempel der Kunst - Kathedralen des Wissens
von Horst und Daniel Zielske
Vorgestellt von Irene zu Dohna

In den vergangen 25 Jahren hat der Wahl-Göttinger Daniel Zielske zusammen mit seinem Vater Horst 25 Bildbände entworfen, fotografiert und gestaltet. "Wir sind gemeinsam ein Auge, deshalb ist es egal, wer am Ende auf den Auslöser drückt", beschreibt Daniel Zielske die gemeinsame Arbeit. Den jüngsten Band "Tempel der Kunst - Kathedralen des Wissens" betrachtet er als Hommage an seinen kürzlich verstorbenen Vater. In kunstvollen Fotografien zeigen die beiden ausgewählte Museen und Bibliotheken in Deutschland und spüren der besonderen Aura dieser Orte nach.

Museen und Bibliotheken besitzen eine Aura

Ruhe und Erhabenheit wird spürbar

Aufgereiht stehen sie da. Hunderte, tausende Bücher und Schriften in alten Holzregalen der Klosterbibliothek Maria Laach. Nebeneinander, hintereinander, übereinander, verteilt auf drei Galerien - ein Wimmelbild für Erwachsene.

Der rautenförmig geflieste Sandsteinboden der Bibliothek erzählt seine eigene Geschichte von Vergangenheit, die bis ins Mittelalter reicht. Generationen von Mönchen haben hier studiert, sind in ihren Kutten durch die stillen Räume gewandelt und die gusseiserne grüne Wendeltreppe hinaufgestiegen, die sich filigran in die Höhe zieht. Kunstvoll sind auch die geschwungenen Balustraden, die an den Bücherregalen vorbeiführen.

Das Bild strahlt Ruhe und Erhabenheit gleichermaßen aus. Der Blick des Betrachters wird gestreichelt von warmen Farben: Ein paar sanfte Rottöne mischen sich unter das erdige Braun und Beige. Fenster gibt es in der Bibliothek keine: Nur durch die quadratischen Deckenöffnungen fällt Licht.

Umgeben vom Geist der Bücher konnte sich das Vater-Sohn-Fotografen-Gespann dieser außergewöhnlichen Atmosphäre nicht entziehen, berichtet Daniel Zielske: "Du hast wirklich das Gefühl, du bist verzaubert, du bist in das letzte Jahrhundert reingekommen und siehst diese uralten Holzregale. Und du atmest und du spürst diesen Charakter. In Zeiten von Tablet und Smartphone gibt es nichts Schöneres, als so ein verstaubtes Buch zu riechen oder da durchzublättern. Du hörst das Knarzen, wenn du diesen Buchfalz in der Hand hast. Deswegen lag uns dieses Thema mit den Bibliotheken am Herzen."

Der Betrachter riecht förmlich Bohnerwachs auf den alten, knarrenden Holzdielen und ahnt das sanfte Rascheln beim Umblättern eines Buches.

Beeindruckende Detailschärfe der Bilder

Ein paar Seiten davor gibt es ein anderes Bild aus dem Naturhistorischen Museum Braunschweig: Aufbewahrt in schlanken Rundgläsern, eingelegt in Ethanol, starren zahlreiche Schlangen und Reptilien den Betrachter geradezu an. Ein leiser Schauer rieselt den Rücken hinunter - und dennoch verliert sich der Blick in der Nahaufnahme dieser toten Tiere. Die erscheinen, je länger man sie betrachtet, immer ästhetischer und anmutiger: die einzelnen Schuppen der Schlangen, die scharfen Krallen der Echse, der kleine Wurm, der sich im Glas schlängelt. Durch die Detailschärfe der Bilder kann der Betrachter vermeintlich in das Buch hineingreifen und das Gesehene anfassen. Nichts bleibt der Linse verborgen. Auch Daniel Zielske entdeckt immer wieder Details, die er beim Fotografieren nicht wahrgenommen hat.

Ausgezeichnete Arbeitsbedingungen

Zwei Jahre reiste das Zielske-Duo durch Deutschland. Der Verleger ließ den beiden Fotografen freie Hand: bei der Bildsprache, der Auswahl der Motive und beim Layout. Niemand redete Vater und Sohn in den kreativen Prozess hinein. Auch die Bedingungen, die sie in den Museen und Bibliotheken vorfanden, waren perfekt. "Das Museum in Braunschweig oder auch die Grimm-Welt sind brillant ausgeleuchtet. Es ist ein Ereignis, in dieses Museum reinzukommen und diese Geschichten zu sehen. Da sind wir in einer privilegierten Lage gewesen. Wir durften das alles alleine machen", schwärmt Daniel Zielske. Vater und Sohn durften oft vor oder nach den Öffnungszeiten in den Museen und Bibliotheken fotografieren und sich dort frei bewegen.

Menschen geraten selten in den Blick des Betrachters. Sie dienen, wenn überhaupt, nur als Staffage oder zum Größenvergleich. Der Wechsel von Totalen und Detailaufnahmen in "Tempel der Kunst - Kathedralen des Wissens" verführt den Betrachter dazu, immer weiter zu blättern, innezuhalten, das Buch wieder und wieder zur Hand zu nehmen.

Es gibt Bildbände, da möchte man beim Betrachten der Aufnahmen sofort seine Koffer packen und sich aufmachen. Zu den Orten reisen, an denen diese Fotos aufgenommen wurden und dort verweilen. Die Zielskes haben solch einen Bildband geschaffen.

Tempel der Kunst - Kathedralen des Wissens

von
Seitenzahl:
336 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
28 x 35,6 cm, Einband gebunden, mit Leineneinband
Verlag:
Kunth
Bestellnummer:
978-3-95504-383-4
Preis:
98,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 20.01.2019 | 17:40 Uhr

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