Stand: 23.04.2020 11:30 Uhr

Neuer Buchtrend aus den USA: "Romance"

von Susanne Birkner

Liebesgeschichten mit mehr oder weniger expliziten Liebesszenen, das gab es in der Literaturgeschichte eigentlich schon immer. Jetzt hat das Ganze einen neuen Namen: "Romance" - und dieser Buchtrend erobert Deutschland. In den USA ist "Romance" bereits eins der ökonomisch stärksten Genres des Buchhandels. Geschätzt eine Milliarde Dollar werden damit umgesetzt. Doch was ist das überhaupt - "Romance"?

Das Buchcover der Romance-Novel "Always in Love" von Emma Winter. © Ullstein Verlag
Fast alle großen Verlage haben mittlerweile eine Reihe an "Romance"-Büchern - wie Ullstein.

"'Romance' ist Lektüre, die einen aus dem eigenen Alltag entführt. Die man anfängt zu lesen und dann nicht damit aufhören kann. Dann hat das Buch genau das getan, was es soll", sagt Anne Rudolph, Lektorin im Rowohlt Verlag. Bereits im Studium hat sie zu dem Genre geforscht und 2018 die neue Reihe "Kyss" bei Rowohlt mit aufgebaut. Bei Ullstein heißt das Programm "Forever" und bei Bastei Lübbe "Lyx".

Ein bisschen Sex muss sein

Seit dem Riesenerfolg von "Fifty Shades of Grey" setzen viele Verlage auf "Romance". So viel Sex wie in dem fesselnden Bestseller ist aber nicht immer dabei. "Sex spielt eine Rolle, aber nicht so eine große, wie man, wenn man das Genre selbst nicht liest, häufig annimmt. Es ist ein Vorurteil, das mir häufiger begegnet, dass es in 'Romance' nur um Sex geht", sagt Rudolph.

Eine Liebesszene pro Buch muss aber auch im "Kyss"-Programm dabei sein. So hat es Anne Rudolph festgesetzt. Sonst ist es Frauenliteratur, nicht "Romance": "Diese Stoffe, die ein bisschen süßer, ein bisschen sanfter sind, kommen im Moment besser an. Deswegen fokussieren wir uns da darauf."

Romance: Ein Genre mit vielen Gesichtern

Das Genre "Romance" zeichnet sich auch durch seine unzähligen Sub-Genres aus. "New Adult" zum Beispiel bezeichnet Stoffe, die jüngere Protagonisten und Protagonistinnen haben, häufig im College-Alter. Im Genre "Reverse Harem" haben Frauen gleich mehrere Liebhaber. Bei "Fantasy Romance" geht es um romantische Vampire oder erotische Hexen. "Es gibt tatsächlich auch 'Romance'-Bücher, die gar keine Liebesszenen haben", erklärte die Lektorin. "Das ist ein Genre, das in den USA ganz stark ist: Clean, wholesome and inspirational - sauber, bekömmlich und inspirierend - wo überhaupt keine Liebesszenen drin vorkommen."

Das Klischee Milliardär und Sekretärin sei dabei mittlerweile überholt, sagt Anne Rudolph. Der Großteil der Bücher habe jedoch weiterhin weiße, heterosexuelle Liebespaare. "Das Genre wird diverser, aber man kann nicht sagen, dass es schon sehr divers ist", so Rudolph.

Das Publikum ist weiblich

Wer liest das? Auf Instagram ist Anne Rudolph im regen Austausch mit den Fans: "Die Zielgruppe ist im Vergleich zu dem durchschnittlichen Buchkäufer jünger und deutlich vernetzter und auch informierter. Sie lesen auch deutlich mehr Bücher", sagt die Lektorin - und es sind überproportional viele Frauen. Nämlich fast 100 Prozent.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 22.04.2020 | 15:20 Uhr

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