Stand: 13.10.2019 10:10 Uhr

Literaturnobelpreisträger Peter Handke: "Zeichnungen"

Zeichnungen
von Peter Handke mit einem Essay von Giorgio Agamben

Zeichnungen sagen viel über die jeweiligen Urheber aus, behaupten manche. Um so spannender ist es, wenn Menschen aus dem öffentlichen Leben ihre nebenbei entstandenen Zeichnungen oder Kritzeleien veröffentlichen. Genau das hat jetzt der Schriftsteller Peter Handke getan. Am Donnerstag wurde ihm der Literaturnobelpreis zugesprochen - in diesem Bildband bekommen wir Einblicke in sein weitgehend unbekanntes zeichnerisches Werk.

Zeichnungen von Peter Handke

Wenn Peter Handke durch die Seiten seines Notizbuches blättert, wird einem klar: Hier ist ein zeichnender Minimalist am Werk. "Keine Zeichnung steht da allein, da ist sofort irgendetwas rundherum geschrieben", sagt er, während er ins Notizbuch schaut. Es ist ein kleines, abgegriffenes Büchlein, in dem der berühmte Mann der Worte blättert und im Bayerischen Fernsehen seine Zeichnungen kommentiert - oder eher benennt. Die meisten Zeichnungen sind nicht größer als zehn mal sechs, höchstens sieben Zentimeter.

Peter Handke - unbedarft und konsequent

Herausgetrennt hat Handke sie, die Seiten aus seinen Notizbüchern, damit dieses neue Buch der visuellen Notizen möglich wurde. Hübsche kleine Kritzeleien sind das, ein Igel, Blüten im Kaffee - was ihm als Motiv besonders gut zu gefallen scheint, Tiere, Menschen, vor allem Strukturen. Und da ist Handke so zeichnerisch unbedarft wie konsequent und vor allem erfrischend uneitel. Wenn er etwa Regentropfen auf einem Zugfenster zeichnet.

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Auch die Schrift spielt eine Rolle

Die Regentropfenzeichnung ist eine der wenigen Miniaturen in diesem Buch, in denen die Schrift kaum eine Rolle spielt. Auf der Zeichnung vom Dezember 2010, sie misst knapp sechs mal sieben Zentimeter, hat Handke versucht, alles einzufangen. Den Regen, der Bahnen formend durch die Geschwindigkeit des Zuges nach rechts gedrückt die Scheibe hinunterrinnt; die einzelnen Tropfen, die sich weigern, auf der Wind- und Wasserstraße mitzuschwimmen und sich ans Fenster klammern - schon eher oval als rund. Das alles mit Kugelschreiber und in Zugfensterform. "Man sieht, wo was hingehört, man sieht, wie etwas ist", sagt Handke. "Was man im Fotografieren oder im Schauen allein überhaupt nicht merkt. Man ist im Tun."

Handke: "Im Zeichnen bin ich mitten in der Gegenwart"

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Die "Spatzenbadekuhlen im Sand am Quai" von Peter Handke sind mit Kugelschreiber gezeichnet.

Für die "Spatzenbadekuhlen im Sand am Quai" hat sich Peter Handke Zeit genommen - und mit einer Doppelseite seines kleinen Notizbuches auch den nötigen Raum. Ganz dunkel sind sie, die Kuhlen im Sand. Verdichtetes Kugelschreiberschwarz, das nach außen hin lichter wird, sich in viele, winzige Steinchen auflöst.

Der Entdecker Peter Handke, der mit sichtbarer Freude Linien und Striche über- und nebeneinandersetzt, hat dies bislang im Verborgenen getan. "Im Zeichnen bin ich mitten in der Gegenwart. Im Schreiben bin ich nicht in der Gegenwart", erklärt er. "Das ist vielleicht der Unterschied. Im Stricheln, in dem Umkurven im Verstärken im Akzente finden bin ich da. Jetzt. Im Schreiben nicht."

Nun ist es also in der Welt: Der Dichter zeichnet. Das ist - für sich genommen - eine schöne Sache. Dennoch bleibt ein Nachgeschmack. Es wäre jenen richtig großen Zeichenkünstlern, die nicht durch Literatur berühmt geworden sind, zu gönnen, auch in einem so schön gemachten Buch aufzutauchen.

Zeichnungen

von
Seitenzahl:
208 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Schirmer/ Mosel
Bestellnummer:
9783829608534
Preis:
39,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 13.10.2019 | 17:40 Uhr