Stand: 25.11.2019 18:30 Uhr

Festival im Literaturhaus feiert nordische Literatur

von Agnes Bührig

Norwegen war als Gastland der Buchmesse Frankfurt im Literaturjahr 2019 stark präsent. Bei den Nordischen Literaturtagen im Literaturhaus Hamburg stehen ebenfalls skandinavische Autorinnen und Autoren im Fokus. Noch bis zum 28. November präsentiert das kleine Festival die Vielfalt der aktuellen skandinavischen Literatur. 13 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus fünf nordischen Ländern werden erwartet.

Plakat "Nordische Literaturtage Hamburg 2019" © Literaturhaus Hamburg
Vom 25. bis zum 28. November finden in Hamburg die Nordischen Literaturtage statt.

Das Festival begann am Montag mit dem "Gläsernen Übersetzen": Die renommierten Übersetzerinnen Christel Hildebrandt und Gabriele Haefs übertrugen live Auszüge aus Lars Saabye Christensens Roman "Die Spuren der Stadt" aus dem Norwegischen ins Deutsche und diskutierten mit dem Publikum über Varianten, Probleme und Arbeitsweisen. Danach stellte Christensen selbst seinen neuen Roman vor. "Die Spuren der Stadt" führt ins Oslo der Nachkriegszeit.

"Verbotene Lieder" des Singer-Songwriters Moddi

Auch musikalisch sind die Norweger in diesem Jahr in Hamburg vertreten. "Verbotene Lieder" heißt das Buch des norwegischen Musikers Moddi. Es ist eine Sammlung von kritischen und anklagenden Liedtexten, für die Menschen ermordet und eingesperrt wurden. "Musik ist eine Universalsprache, aber man kann mit ihr kein Friedensabkommen schließen. Ich glaube aber, dass wir Frieden bekommen können, wenn wir über unsere Meinungsunterschiede sprechen", hofft der 32-jährige Moddi. "Und da sind diese Lieder ein goldener Schlüssel, sich direkt mit den Konflikten auseinanderzusetzen."

Bogdanskas Comic schildert Schwedens Schattenseiten

Die schwedische Autorin Daria Bogdanska steht vor einer Hauswand © Daria Bogdanska
Wie ist es, in Schweden "ganz unten" zu sein? Daria Bogdanova berichtet über ihre Erfahrungen.

Der schwedische Beitrag des Festivals ist eine Graphic Novel. Daria Bogdanska, 1988 in Warschau geboren, hat den Comic "Von unten" gezeichnet. Mit ihm schildert sie ihr erstes Jahr in Schweden. Damals musste sie sich unter anderem mit Kellnern über Wasser halten - und lernte die Schattenseiten des Landes kennen. "Als ich herausgefunden hatte, was bei meinem Job los ist, begann ich, genauer zu recherchieren. Ich kam in Kontakt mit einer Journalistin. Sie berichtete von Menschen, die Arbeitsgenehmigungen für Hunderttausende Kronen kaufen", berichtet Bogdanska. "Es ging auch um Misshandlungen. Mir war das nicht passiert, aber ich habe von Fällen in meiner Nähe gehört, das war erschreckend."

Björnsdóttirs "Blackout Island": Kampf ums Überleben

Die isländische Autorin Sigríður Hagalín Björnsdóttir © Sigurjón Ragna Foto: Sigurjón Ragna
Was machen wir, wenn wir plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten sind? "Blackout Island" von Sigríður Hagalín Björnsdóttir handelt von diesem Ernstfall.

Auch in "Blackout Island" von Sigríður Hagalín Björnsdóttir geht es um erschreckende Verhältnisse. Die Isländerin hat ein Buch über einen Ausnahmezustand geschrieben. Hjalti Ingólgsson ist plötzlich vom Leben abgeschnitten, kämpft ums Überleben.

Die dänische Therapeutin Anne Cathrine Bomann, Jahrgang 1983, stellt "Agathe" vor. Es ist die Geschichte eines alten Psychiaters, dessen Lebensgeister von einer schwierigen Patientin wiedererweckt werden.

Miika Nousiainen: Protagonist ist "Verrückt nach Schweden"

Porträt des finnischen Autors Miika Nousiainen © Katja Lösönen Foto: Katja Lösönen
Ein Finne will Schwede sein: Miika Nousiainens Protagonist ist "Verrückt nach Schweden".

In seiner Heimat ist Miika Nousiainens Roman "Verrückt nach Schweden" ein großer Erfolg. "Ich bin Schwede", behauptet die finnische Hauptfigur Mikko Virtanen. Das skurrile Streben, zum Schweden zu mutieren, hat es im Sehnsuchtsland des Protagonisten bereits ins Kino und ins Theater gebracht.

Ausstellung in der Zentralbibliothek

Parallel zu den Veranstaltungen im Literaturhaus zeigt eine Ausstellung in der Hamburger Zentralbibliothek die Arbeiten von elf Illustratoren norwegischer Bilderbücher für Kinder und Erwachsene. Zu sehen sind die thematisch und technisch vielseitigen Illustrationen von Lisa Aisato, Per Dybvig, Lars Fiske, Stian Hole, Bendik Kaltenborn, Åshild Kanstad Johnsen, Bjørn R. Lie, Alice Lima de Faria, Gry Moursund, Kari Stai und Øyvind Torseter.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.11.2019 | 07:20 Uhr

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