Stand: 16.11.2018 15:48 Uhr

Jugendbücher: Verrat, Amoklauf und Revolution

von Katja Eßbach

Bei diesen drei Jugendbuchtipps geht es um Verrat in einer Freundschaft, um das Manifest #NeverAgain nach einem Amoklauf in den USA und um ein autobiographisches Stück chinesische Geschichte einer neunjährigen Intellektuellentochter während der Kulturrevolution.

"Meine beste Bitch" von Nataly Elisabeth Savina

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Nataly Elisabeth Savinas Roman "Meine beste Bitch" ist bei Fischer erschienen und kostet 16 Euro.

Darum geht's: Freundschaft, Liebe, Verrat

Dieses Buch sticht heraus aus der Masse der "Coming-Of-Age"-Romane. Vor allem sprachlich. Denn Nataly Elisabeth Savina schafft einen Ton, der einen sofort packt und der sich vor allem nicht bei den jugendlichen Lesern anbiedert. Er ist zart und einfühlsam, aber auch sehr direkt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Faina, eine hochsensible 18-Jährige, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer deutschen Kleinstadt lebt. Dort lernt sie Nike kennen, die rasend schnell zu ihrer allerbesten und einzigen Freundin wird. Dann ist da noch Julian, ein verkappter Künstler, in den sich Faina verliebt und dem sie nach dem Abi nach Berlin folgt. Dort kommt es zum größten Freundschaftsverrat, den Faina sich vorstellen kann.

"Meine beste Bitch" ist keine Wohlfühllektüre mit Kuschelfaktor, sondern eine ungeschönte ehrliche Geschichte aus dem Leben.

"Never Again" von David und Lauren Hogg

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Das Sachbuch der Geschwister Lauren und David Hogg hat btb verlegt. Es kostet 8 Euro.

Geeignet für: politisch interessierte Leser

Am 14. Februar 2018 erschoss ein Amokläufer 17 Menschen an der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida. Anfangs sah es so aus, als würde danach alles seinen schrecklich gewohnten Weg gehen. Der Präsident schickte Gebete, die Waffengesetze standen nicht zur Diskussion. Aber etwas war doch anders: Überlebende des Amoklaufes taten sich zusammen um endlich etwas zu verändern. Lauren Hogg und ihr Bruder David gehören zu dieser Bewegung. In ihrem Buch, einer Mischung aus Sachbuch und Tatsachenbericht, schildern sie äußerst eindrucksvoll und empathisch was an diesem furchtbaren Februartag geschah und warum und wie sie sich danach organisierten. "Never again" ist ein Manifest dieser Bewegung und die Stimme einer neuen Generation, die entschlossen ist, endlich etwas zu tun.

"Revolution ist keine Dinnerparty" von Ying Chang Compestine

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"Revolution ist keine Dinnerparty" von Ying Chang Compestine ist bei Jacoby & Stuart erschienen. Es kostet 15 Euro.

Darum geht's: Ein Stück chinesische Geschichte

Im Sommer 1972 beginnt sich das Leben der neunjährigen Ling rasant zu verändern. Ling lebt mit ihren Eltern in Wuhan, einer Stadt in Zentralchina. Ihre Eltern sind beide Ärzte, der Familie geht es vergleichsweise gut. Doch dann wird Genosse Li, ein fanatischer Anhänger des Kommunistenführers Mao Tse-tung, bei ihnen einquartiert. Li wird schnell sehr mächtig, organisiert Versammlungen, auf denen Nachbarn denunziert werden, die dann prompt verhaftet werden. Auch Lings Vater gerät ins Visier der Partei, wird als Volksfeind verhöhnt und schließlich eingesperrt.

"Revolution ist keine Dinnerparty" ist ein packend erzählter autobiografischer Roman über ein Mädchen, das in die Mühlen der Geschichte gerät. Ying Chang Compestine schildert das Schicksal ihrer Familie während der chinesischen Kulturrevolution in einfachen und klaren Sätzen und mit bemerkenswerter Liebe zum Detail.

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NDR Info | Mikado | 17.11.2018 | 09:55 Uhr