Stand: 15.03.2019 08:02 Uhr

Mit Abbas Khider durch den Deutsch-Dschungel

von Kristin Häfemeier

Deutsche Sprache, schwere Sprache - so lautet ein Sprichwort und manchmal ertappt man sich auch selbst bei einem Sprachfehler. Viel komplizierter ist es für jemand, der Deutsch als Fremdsprache lernen muss. So erging es auch dem deutsch-irakischen Schriftsteller Abbas Khider. Er kam im Jahr 2000 nach Deutschland und sagt: Seit er die deutsche Sprache kenne, träume er davon sie zu verändern. Donnerstagabend hat er sein Buch "Deutsch für alle" in einer Lesung von NDR Kultur und dem Literaturhaus St. Jacobi in Hildesheim vorgestellt.

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Hatten viel zu lesen und lachen: Autor Abbas Khider (links) und Alexander Solloch.

"Als ich in der Bundesrepublik ankam, kannte ich nur drei deutsche Wörter: Hitler, Scheiße und Lufthansa." So beginnt Abbas Khider die Lesung im Literaturhaus St. Jakobi. Es ist der Anfang seines liebsten Kapitels in seinem neuen Buch "Deutsch für alle". Seit er nach Deutschland gekommen ist, hat der gebürtige Iraker seinen Wortschatz jedoch erheblich erweitert: "Ich kenne inzwischen auch kuriose deutsche Ausdrücke, die so in keiner anderen Sprache der Welt entstanden sein können, wie zum Beispiel: Kummerspeck, Fremdschämen, Lebensplanung oder Warmduscher."

"Diese Sprache ist ein Ungeheuer!"

Khider nimmt die Besucher im Literaturhaus mit auf seine beschwerliche Reise durch den Dschungel der deutschen Sprache. In seinen Bemühungen, des Deutschen Herr zu werden, erkennt der Autor: Diese Sprache ist ein Ungeheuer!

"Irgendwann schaffte ich es, etwas gegen einen großen Teil dieser Bestien zu unternehmen", erzählt Khider und fügt hinzu: "Mit der Geduld von 200 Kamelen habe ich mich durch die Sahara des Sprachelernens geschleppt. Doch die Umlaute - Ä, Ö und Ü - haben es bisher geschafft, sich meiner Kontrolle zu entziehen."

Ä, Ö und Ü - die "größten Feinde auf Erden"

Abbas Khider und Alexander Solloch auf einer Lesung in Hildesheim © NDR/ Kristin Häfemeier Foto: Kristin Häfemeier

Mit Abbas Khider durch den Deutsch-Dschungel

NDR Kultur Klassisch in den Tag

Abbas Khider hat sein Buch "Deutsch für alle" im Literaturhaus St. Jacobi in Hildesheim vorgestellt. Dort verriet er, welche Buchstaben seine "größten Feinde auf Erden" sind.

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Da ihm die Aussprache dieser Umlaute - er nennt sie seine "größten Feinde auf Erden" - besonders schwer fällt, holt er sich beim Vorlesen Hilfe bei NDR Kultur Moderator Alexander Solloch. Doch weil der ihm nicht immer zur Seite stehen kann, sucht der Autor im Alltag nach kreativen Lösungen: "Ich bin ständig dabei, Paraphrasen oder Erklärungen für Wörter mit Umlauten zu suchen: 'Öl' heißt bei mir einfach nur Fett, 'Bücher' sind Werke, 'Hähnchen und Hühnchen' heißen Chicken. Und 'Geflüchtete und Ausländer' sind für mich alles einfach nur Asylanten! Wie sollte ich sonst meine Vorträge überstehen?!"

Nächstes Khider-Buch erscheint im Januar

Die Besucher in Hildesheim haben seinen Vortrag jedenfalls nicht nur "überstanden", sondern viel mehr in vollen Zügen genossen: "Diese Lebendigkeit! Und dieses Strahlen! Das hat ganz großen Spaß gemacht", berichtet eine Zuschauerin begeistert. Ein weiterer Augen- und Ohrenzeuge gibt zu Protokoll: "Ich kannte das Buch und habe ihn auch morgens im Radio gehört. Da war schon klar, dass er das ganz toll herüberbringen wird."

Für alle Fans hatte der Autor am Ende noch eine gute Nachricht: Sein nächstes Buch ist schon in Arbeit. Zum Inhalt verriet Abbas Khider noch nichts, nur so viel: Es ist dick und soll im Januar erscheinen.

Wir haben die Lesung von Abbas Khider aufgezeichnet - sie ist am 24. März im NDR Kultur Sonntagsstudio zu hören.

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NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 15.03.2019 | 07:20 Uhr

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