Stand: 15.05.2020 10:42 Uhr  - NDR Kultur

Wie der Mensch die Erde formt

Human Planet
von George Steinmetz (Fotos), Andrew Revkin (Texte)
Vorgestellt von Benedikt Scheper

Der Mensch hat die Erde geformt. Durch Landwirtschaft, Architektur oder den Abbau von Bodenschätzen. Der US-Fotograf George Steinmetz hat 30 Jahre lang die Welt aus der Luft fotografiert und mit seinen Bildern nun einen neuen Band zusammengestellt. Der präsentiert eine Welt, die viele Wissenschaftler "Anthropozän" nennen, also das Zeitalter des menschlichen Einflusses. Der US-Fotograf zeigt in seinem neuen Band "Human Planet" auf mehr als 250 Seiten, wie "der Mensch die Erde formt".

Rauchfahnen wehen über ein weites, fast leeres Feld. Überall sind Spuren schwerer Fahrzeuge in dem roten Boden zu sehen. Dazwischen qualmen schwarze Baumstämme und kleine Holzhaufen. Im Hintergrund: ein prächtiger sattgrüner Wald, wie er wohl vorher auch das jetzt leere Feld bedeckte. Zu sehen aus einem Helikopter der brasilianischen Umweltagentur. Deren bewaffnete Fahnder versuchen, den illegalen Raubbau im Amazonasgebiet zu verhindern. Doch allzu häufig misslingt genau das.

Industrielle Veränderungen der Landschaft

"Ich wollte gern die Ära zeigen, in der Menschen den Planeten dominieren. Natürlich gibt es immer noch einige schöne und unberührte Regionen, aber es werden weniger. Ich habe zum Beispiel allein 15 Jahre die extremsten Wüsten der Welt fotografiert und selbst in diesen abgeschiedenen Gegenden findet man menschliche Spuren. Wir haben also den gesamten Globus beeinflusst und unsere Fußabdrücke hinterlassen. Das zeigt sich auch an den Schadstoffen, die wir ausstoßen und die im Eis gefunden werden. Oder an den Hühnerknochen, die Menschen überall lassen - die werden wohl in Zukunft das häufigste Fossil werden", erklärt George Steinmetz.

Mehrere Monate hat George Steinmetz in seinem Archiv Fotos ausgewählt, die ökologische Entwicklungen abbilden. Bei vielen Bildern ist aber - trotz der erklärenden Texte - nicht auf Anhieb klar, wie sie den Eingriff von Menschen in die Natur zeigen.

Viele Aufnahmen dokumentieren industrielle Veränderungen der Landschaft, wie weiße Kegel einer Salzabbauanlage in Äthiopien. An der senegalesischen Küste ein ähnliches Bild, nur aus größerer Distanz und einem anderen Winkel fotografiert, sodass die hellen Hügel auf beigefarbenem Grund aus der Höhe wie Muscheln am Strand wirken.

Luftaufnahmen dokumentieren die Eingriffe des Menschen

"Mit dem motorisierten Paragleiter habe ich die meisten Fotos gemacht. Das ist wie ein Laubbläser auf dem Rücken. Gebaut wurde mein Paragleiter übrigens in einer Garage in Bissendorf. Viel arbeite ich auch mit Drohnen oder Helikoptern, wenn ich mehr Reichweite brauche. Aber der Paragleiter unterstützt, wie und was ich sehe. Er hat keine Türen oder Fenster, es ist ein uneingeschränkter Blick, 180 Grad horizontal und vertikal. Er ermöglicht mir wirklich einen einzigartigen Blick auf die Welt aus der Luft", erklärt George Steinmetz.

Während manch ein Bild deutlich zu große Eingriffe in die Natur anprangert, zeigen andere schlicht die Schönheit: etwa ein Mosaik kleiner bunter Becken, in denen Bauern Schlamm, Algen und Salz mischen. Aus der Luft wirkt die Arbeitsstätte wie ein überdimensionales Kaleidoskop.

Doch George Steinmetz' Ambition ist klar: "Allein das ganze Plastik, das überall rumschwimmt, selbst vor einem abgelegenen Atoll im Pazifik, dessen Strand voll mit Tonnen an Müll ist. Das ist ein Warnzeichen, dass wir anders leben sollten. Als Fotojournalist kann ich die Probleme nicht lösen, aber darauf hinweisen, dass wir uns darüber Gedanken machen sollten."

Human Planet

von
Seitenzahl:
256 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
27.9 x 29.2 cm, gebunden mit SU, mit 224 farbigen Abbildungen, aus dem amerikanischen Englisch von Karin Maack
Verlag:
Knesebeck
Bestellnummer:
978-3-95728-394-8
Preis:
45,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 17.05.2020 | 16:20 Uhr

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