Die Gesellschafter des Mairisch Verlags, Peter Reichenbach und Daniel Beskos, im Porträt. © picture alliance / dpa | Arno Burgi

Deutscher Verlagspreis: Mairisch Verlag erhält 24.000 Euro

Stand: 01.07.2021 07:40 Uhr

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Preisträger des Deutschen Verlagspreises bekannt gegeben. Hoffnungen hatte sich auch der Mairisch Verlag aus Hamburg gemacht - er erhält zwar nicht den Hauptpreis, aber immerhin 24.000 Euro und ein Gütesiegel.

von Jens Büchsenmann

Gerade noch hatten sie 20-jähriges Jubiläum gefeiert, hier, im gemütlichen Teil von Hamburg-Eimsbüttel, wo sie auch einen winzigen Laden betreiben. Dahinter liegen zwei kleine Büros und ein Garten, durch den die Katzen der Nachbarn streifen. Mit Preisen und Auszeichnungen gehen die beiden Gründer recht souverän um: "Den jetzigen Deutschen Verlagspreis kriegen viele Verlage", erzählt Daniel Beskos. "Aber das ist trotzdem gut - Frau Grütters hat auch noch einmal Geld obendrauf gepackt und jetzt ist er bei 24.000 Euro, was eine gute Summe ist."

Verlagsgründung vor 20 Jahren: "Verrückt, dass es unser Beruf geworden ist"

Beskos und sein Studienfreund Peter Reichenbach hatten schon vor über 20 Jahren die Idee, eine Verlag zu gründen. "Verrückt, dass wir das immer noch machen - dass es unser Beruf geworden ist", sagt Beskos. "Und dass wir das immer noch als Freunde und Kollegen zusammen machen, das ist das Tolle", ergänzt Reichenbach.

Beide sind nah der Buchmessenstadt Frankfurt aufwachsen. Reichenbach war schon als Kind da, auf den Schultern seines Vaters. So klein haben sie auch mit dem Verlag begonnen. "Ganz am Anfang haben wir tatsächlich jeder 50 Mark in eine Kasse gelegt", erinnert sich Beskos. "Das war der Anfang und dann haben wir da nie wieder irgendwas reingelegt. Das heißt, der Rest ist aus sich selbst gewachsen. Es gab dann ein paar Honorare für ein Hörspiel, das wir produziert hatten, die haben wir da auch reingelegt. Dann hat der Verlag sich langsam aufgebaut."

Nur Liebhaber-Themen - und wenige Titel pro Saison

Der Mairisch Verlag veröffentlicht immer nur wenige Titel pro Saison: Einen Roman, ein Kinderbuch und eine neue Ausgabe der Kunstzeitschrift "Spring" findet man im neuen Herbstprogramm. Dazu in der Backlist: das erfolgreiche Sachbuch "Philosophinnen". Ins Programm schaffen es nur Titel, die die beiden selbst mögen.

"Dadurch, dass wir selbst Radfahrer sind und wir 'Die Philosophie des Radfahrens' veröffentlicht haben - was sich auch wirklich gut verkauft hat - wissen die ausländischen Verlage: Wir sind der Radfahrverlag", erzählt Reichenbach. "Und die schicken mir jetzt Titel, die sich ums Fahrrad drehen, und die mich natürlich auch interessieren."

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Große Leidenschaft für die Gestaltung der Bücher

Noch etwas, worauf Reichenbach und Beskos mit großer Leidenschaft achten: die Gestaltung ihrer Bücher, vom Papier über Einband, Illustration und Fadenheftung bis zum Lesebändchen. "Als unabhängiger Verlag liegen unsere Bücher vielleicht nicht in jeder Buchhandlung. Aber wir wollen in jedem Fall sicher stellen, dass, wenn jemand ein Buch von uns in die Hand nimmt, sagt: Das gefällt mir", sagt Reichenbach.

Zum Beispiel der neue Saša Stanišić, das erste Kinderbuch des Erfolgsautors: "Hey, hey, hey Taxi!" ist entstanden, weil Stanišić Sohn verrückt ist nach schrägen Geschichten. Ein anderer Autor, Finn-Ole Heinrich, hat schon etliche Kinderbücher mit Mairisch gemacht, auch Erzählungen und den Roman "Räuberhände": "Der wurde Schullektüre und Abitur-Pflichtthema in allen Hamburger Schulen", erzählt Beskos. "Es gibt diverse Theater, die das spielen und im September 2021 kommt 'Räuberhände' sogar ins Kino."

Gibt es ein Erfolgsrezept für Verleger?

Hört sich ein bisschen wie ein Traumberuf an: Gute Geschichten, Texte und Bilder, hinter denen alle stehen. Ein Erfolgsrezept für Verleger wollen die beiden gleichwohl nicht benennen. Aber, so Beskos: "Wenn man einen Titel entdeckt hat, von dem alle in unserem Team begeistert sind, dann denkt man, dass diese Begeisterung auf andere Leute überspringen könnte. Wenn man dann noch ausreichend Energie reinsteckt in den Inhalt, die Gestaltung, die Pressearbeit und Social Media, dann hat man eigentlich schon ein gewisse Absicherung, dass da auch etwas passiert."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.07.2021 | 07:40 Uhr

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