Stand: 26.02.2013 16:18 Uhr  | Archiv

Der Kiez als Inspirationsquelle

Norddeutsche Krimiautoren: Simone Buchholz

Simone Buchholz wohnt im Herzen von St. Pauli. Und hier fallen ihr beim Spazierengehen auch die besten Geschichten ein, hier spielen ihre Krimis und hier lässt sie die Staatsanwältin Chastity Riley ermitteln.

Krimiautorin Simone Buchholz.  Foto: Suse Walczak
Die Ideen für ihre Krimis kommen Autorin Simone Buchholz beim Spazierengehen.

Nirgendwo in Hamburg ist das Leben so bunt wie auf dem Kiez, findet die Autorin: "Die jungen Künstler, die gerade anfangen und sich drei Tage nicht waschen und dabei so toll und jung aussehen. Die Kiezgrößen, die man immer noch trifft. Ich habe erst gestern eine gesehen: So eine schicke St.-Pauli-Dame mit einem Kostümchen und schicker Frisur und sie hatte statt einer Handtasche einen St.-Pauli-Büdel mit 'nem Totenkopf: Das ist toll!"

Simone Buchholz wurde 1972 geboren, begann ein Studium der Philosophie und Literatur in Würzburg, kellnerte und arbeitete nach ihrem Abschluss an der Henri-Nannen-Schule als Redakteurin für Magazine und Zeitschriften wie "Brand Eins", das "SZ-Magazin" oder den "Stern".

Nur zum Schreiben sitzt sie am Schreibtisch. Ansonsten ist sie unterwegs in ihrem Viertel und lässt sich inspirieren.   

Eine Staatsanwältin als Krimiheldin

Hamburg scheint so gar nicht der geeignete Ort für eine Hauptfigur zu sein, die ständig friert. Aber eh sie sich versah, hatte sich Chastity Riley, genannt Chas, in die Stadt an der Elbe verliebt: in den Hafen, in ihr Stadtviertel und in die Menschen, die hier leben - "Cool bis zum Anschlag und mit ganz viel Herz" (Buchzitat).

Eigentlich wollte die Staatsanwältin mit den amerikanischen Wurzeln nur weg aus Frankfurt am Main. Und Hamburg sollte lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg nach Berlin sein: "... die Hamburger Staatsanwaltschaft war die erste gewesen, die mir eine Stelle angeboten hatte. (...) Nach drei Monaten wollte ich nicht mehr weg, und ich weiß heute nicht genau, warum eigentlich" .

4. Februar 2011: Typisches Hamburger Schmuddelwetter an einem typisch Hamburgischen Ort: der Davidwache auf der Reeperbahn. © Uwe Plambeck Foto: Uwe Plambeck

AUDIO: Norddeutsche Krimiautoren: Simone Buchholz (3 Min)

Wenn sie nachts schlaflos durch St. Pauli läuft, dann kann sie sich nicht nur für das Lichtermeer am Hafen begeistern - gelegentlich findet sie auch eine Leiche am Elbstrand.

Chastity Rileys Stärke ist es, zu denken wie ein Krimineller. Wenn sie ein Gefühl dafür bekommt, wie der Täter tickt, ist es nicht mehr weit bis zu seiner Verhaftung. Eine Fähigkeit, die ihre Kollegen schätzen, die ihr selbst aber Angst macht.

Der erste Kriminalroman "Revolverherz" mit der Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley erschien 2008. Es folgten "Knastpralinen", "Schwedenbitter" und "Eisnattern".

Drei Fragen an die Autorin

 

Warum eignet sich Norddeutschland als Krimischauplatz?

Wegen des Himmels natürlich. Es gibt nirgendwo in Deutschland so einen Himmel. Sie müssen nur mal hier aus dem Fenster gucken. Er ist groß. Der ist flächig. Sogar, wenn die Sonne scheint, hängt er tief. Da ist immer was los. Die Leute gucken ja viel zu wenig in den Himmel, glaube ich. Und wer öfter mal in den Himmel schaut, wird nicht herumkommen um die Erkenntnis, dass hier aufregende Dinge passieren. Daher ist Norddeutschland ein Krimischauplatz.

 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 21.06.2011 | 11:43 Uhr

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