Eine Frau hält ein Buch vor ihrem Körper © photocase.de Foto: Tatyana Aksenova

Daniel Beskos zum Indiebookday: "Uns fehlen die Begegnungen"

Stand: 20.03.2021 09:32 Uhr

Der jährlich stattfindende Indiebookday hat sich zum Ziel gesetzt, kleine, unabhängige Verlage zu unterstützen. NDR Kultur hat mit dem Verleger Daniel Beskos vom Verlag mairisch gesprochen, der den Aktionstag am 20. März initiierte.

In diesem Jahr wird der Indiebookday Corona-bedingt sicher ein bisschen anders gefeiert. Was steht auf dem Programm?

Daniel Beskos © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken
Daniel Beskos leitet den mairisch-Verlag, der den Indiebookday ins Leben gerufen hat.

Daniel Beskos: "Das ist ein bisschen schwierig zu sagen, denn es ist ein Tag, der sehr von der Selbstorganisation lebt, von den teilnehmenden Buchhandlungen, vom Handel allgemein, von den Verlagen, von den Leserinnen und Lesern. Es geht ja darum, in eine Buchhandlung zu gehen, sich ein Buch zu kaufen und darüber dann im Internet Fotos zu posten. Das geht natürlich dieses Jahr vielleicht etwas anders, weil Buchhandlungen geschlossen sind oder nur Bestellen und Abholen möglich ist. Wir hoffen aber trotzdem, dass das genau wie im letzten Jahr gut funktioniert und dass viele Leute mitmachen, sie vielleicht sogar im Vorfeld schon ein Buch bestellt oder besorgt haben. Corona-bedingt gibt es natürlich nicht so viele Veranstaltungen wie in den letzten Jahren. Aber trotzdem wird es, glaube ich, einige schöne Schaufenster geben. Es gibt eine Auswahl von Buchhandlungen mit Büchern, Empfehlungen und Tipps für alle. Und wir hoffen, dass da einiges zu sehen sein wird im Netz.

Einige Buchhandlungen haben von großer Solidarität von Kundinnen und Kunden erzählt und sind bislang ganz gut durch die verschiedenen Lockdowns gekommen. Wie ist denn der mairisch Verlag, denen sie leiten, bislang durch die Pandemie gekommen?

Beskos: Wir haben das Pandemie-Jahr schon sehr gemerkt. Es ging viel weniger, die Veranstaltungen sind natürlich alle ausgefallen, die Buchmessen sind ausgefallen, alle Reisen sind ausgefallen. Trotzdem ging es uns noch halbwegs gut. Wir haben dieses Jahr im Frühjahrsprogramm einige sehr schöne Bücher, unter anderem einige Kinderbücher, die ganz toll anlaufen. Und deswegen sind wir eigentlich sehr happy gerade und blicken sehr positiv und optimistisch in die Zukunft.

Mit dem ersten Kinderbuch von Saša Stanišić, "Hey, hey, hey, Taxi!", haben Sie ja gerade einen Titel mit großer öffentlicher Wirkung herausgebracht. Wie wichtig ist das in diesen Tagen?

Beskos: Das ist schon sehr wichtig und es ist ja auch der zentrale Aspekt unserer Arbeit, Öffentlichkeitarbeit für Titel zu machen. Und wir freuen uns natürlich wahnsinnig, dass es so viel Resonanz gibt, dass dieses Buch auch im Feuilleton, in den Kulturteilen der Zeitungen und Radios und Fernsehsender wird. Das ist nicht so üblich für ein Kinderbuch und das freut uns sehr. Und wir drucken auch gerade schon wie verrückt nach.

Nach einem Jahr Corona ohne Lesungen, Buch-Events und Messen - wie ist die Stimmung in der Branche bei den unabhängigen Verlagen ganz allgemein?

Beskos: Die Messen und dieses ganze Drumherum, auch die Veranstaltungen, leben ja nicht nur von den Inhalten, sondern auch von persönlichen Begegnungen, die da stattfinden. Das fehlt uns allen sehr. Es ist schon etwas traurig, dass jetzt die Leipziger Buchmesse auch wieder abgesagt wurde. Wir hoffen einfach auf die Frankfurter Buchmesse, die im Herbst stattfinden soll. Und dann kann man auch diese ganzen persönlichen Begegnungen wieder machen, von denen das Ganze lebt, weil man da eigentlich auch die meisten Informationen mitbekommt. Man kriegt Sachen in Gesprächen mit, in persönlichen Treffen, die halt nicht kommuniziert werden, wenn einfach jeder nur zu Hause sitzt und man sich über irgendwelche Online-Konferenzen trifft. Das ist schon ein Aspekt der ganzen Arbeit, der uns allen fehlt.

Das Interview führte Philipp Cavert, NDR Kultur

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 20.03.2021 | 07:20 Uhr

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