Stand: 10.03.2020 12:18 Uhr

Wie Verlage auf die Absage der Buchmesse reagieren

von Susanne Birkner

In dieser Woche hätte die Leipziger Buchmesse starten sollen. Doch aus Angst vor dem Coronavirus wurde das Lesefest abgesagt. Ein harter Schlag für die Branche. Wie präsentieren die norddeutschen Verlage jetzt ihre neuen Bücher? Welche Strategien entwickeln sie? Was plant der Börsenverein des deutschen Buchhandels?

Alexander Skipis im Portrait. © imago Foto: STAR-MEDIA
Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, will die Mitglieder nach der Absage der Leipziger Buchmesse unterstützen.

Zunächst einmal gibt es bei allen viel Verständnis für die Absage. Dennoch: "Es wird enorme Einbußen geben", befürchtet der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis. Deswegen will der Börsenverein seinen Mitgliedern ermöglichen, sich die Messe ins Haus zu holen. Angeschlossene Buchhandlungen sollen laut Skipis mit Plakaten ausgestattet werden, die darauf hinweisen, dass die Buchmesse in den Geschäften stattfindet. "Dort gibt es alle Neuerscheinungen, dort kann man in den Büchern schmökern, sie anschauen und natürlich auch mit der Buchhändlerin und dem Buchhändler darüber reden", so Skipis weiter. Der Börsenverein zahlt die Werbemittel, also die Plakate. Skipis rechnet damit, gut 3.000 bis 4.000 Buchhandlungen mit der Aktion erreichen zu können.

#leidernichtleipzig nach Absage der Leipziger Buchmesse

Eine gute Idee, findet Katrin Hogrebe von Carlsen. Das Foyer des Hamburger Kinderbuch-Verlags steht voll mit Paletten: Flyer, Plakate, Aufkleber und Give-aways, die eigentlich nach Leipzig geschickt werden sollten. Carlsen hat sich ebenfalls überlegt, wie man ein bisschen von dem Messe-Flair retten kann: "Wir haben einen Hashtag kreiert, der heißt #leidernichtleipzig", sagt Hogrebe. "Unter diesem Hashtag betreiben wir auch eine Internetseite, auf der wir Bücher der Autoren verlosen, die in Leipzig gewesen wären. Wir werden dort Livestream-Lesungen anbieten und kleine Podcasts." Auch andere Verlage könnten sich gerne unter diesem Hashtag beteiligen.

Virtuelle Signierstunden und Neuerscheinungen im Video

Der Hamburger Rowohlt-Verlag plant im Netz "Die kleinste Messe der Welt". Auch hier mit täglichen Video-Interviews und Verlosungen, während die eigentliche Messe in Leipzig gelaufen wäre. Mit den Autoren David Safier und Andreas Winkelmann gibt es eine virtuelle "Signierstunde", für die Fans vorher Fragen einschicken können.

Dietrich zu Klampen © Stefan Hilden Foto: Stefan Hilden
Verleger Dietrich zu Klampen stellt Videos der Neuerscheinungen auf die Website des Verlages.

Besonders hart trifft es die kleineren Häuser. Dietrich zu Klampen vom gleichnamigen Verlag aus dem niedersächsischen Springe etwa stellt ebenfalls Videos auf seine Webseite. "Dort wird man aber nicht 3.700 Videos sehen, sondern nur unsere Neuerscheinungen - und die auch nicht komplett", erklärt er.

3.700 Veranstaltungen weichen dem Coronavirus

3.700 Veranstaltungen waren auf der Buchmesse geplant, im vergangenen Jahr kamen fast 300.000 Besucher nach Leipzig. Die ARD verlegt gemeinsam mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels Teile der Messe ins Radio und ins Netz. Bei Deutschlandfunk Kultur werden am Donnerstag in einer Sondersendung die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben und vorgestellt.

Unter buchmesse.ARD.de gebe es das ganze Wochenende über ein umfangreiches Programm, so die Literaturexpertin des MDR, Katrin Schumacher. "Am eigentlichen Buchmesse-Sonnabend, dem 14. März ab 10 Uhr, werden wir im Halbstunden-Takt Gespräche und kleine Lesungen mit Autorinnen und Autoren senden, die an diesem Tag im Studio von MDR Kultur in Halle zu Gast sein werden", sagt sie.

Ab 20 Uhr gibt es dann die große ARD Kulturradionacht, für all die, die eigentlich auf der Buchmesse in Leipzig unterwegs sein wollten. Zugesagt haben unter anderem Ingo Schulze, Katja Riemann, Nora Gomringer und Abbas Khider. "Wir bilden den Bücherfrühling in seiner ganzen Bandbreite ab, so wie wir das auch auf der Messe vorgehabt haben", sagt Schumacher. "Nur jetzt eben virtuell. Wir bringen die Buchmesse auf die Bildschirme - und das garantiert virenfrei."

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Dietrich zu Klampen © Stefan Hilden Foto: Stefan Hilden

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 10.03.2020 | 06:55 Uhr

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