Stand: 23.05.2019 16:30 Uhr

Comics im Frühjahr: Von Grosz bis Petronia

von Mathias Heller

Graphic Novels sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Jedes Jahr kommen immer mehr gute Geschichten in gezeichneter Form auf den Büchermarkt und erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. In diesem Frühjahr überraschen einige Verlage mit besonders schön erzählten Comics unter anderem über das Altern, tiefere Kunstgeschichte, unbekannte deutsche Geschichte und über die Cousine des kleinen Prinzen.

Lars Fiske: "Grosz"

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Lars Fiske hat sich in seinen Comics bereits mit Kurt Schwitters und Olaf Gulbransson beschäftigt.

"Es könnte viel interessanter sein, etwas vollkommen Neues in der Comicbuchform zu machen. Das ist etwas, an das ich ständig denke, wenn ich die Möglichkeit habe, ein solches Buch zu machen. Dann empfinde ich es als meine Pflicht, etwas auszuprobieren, was noch nicht zuvor gemacht wurde."

Und wenn Lars Fiske das sagt, muss es schon etwas sehr Besonderes sein. Der Norweger hat sich schon an verschiedenen Biografien zeichnerisch abgearbeitet. So hat er die Lebensjahre Kurt Schwitters‘ in Norwegen in einem Comic festgehalten oder ist auf Spurensuche seines Landsmannes und Simplicissimus-Karikaturisten Olaf Gulbransson gegangen. Er kennt sich also aus in den 1920er-Jahren. Jetzt ist er George Grosz nahe gekommen - und das ohne comictypische Sprechblasen und mit nur kurzen Zitaten, die den kurzen Kapiteln voranstehen.

Stiller Comic

Als Vorbereitung für den Band über Grosz hat Fiske viele Bücher gelesen und darauf Zitate gesammelt. "Diese Zitate richtig hinzubekommen war harte Arbeit", so Fiske. "Ich dachte, wenn ich einen stillen Comic mache, wäre das bestimmt interessant." Und das ist es. Fiske erzählt die Lebensgeschichte von Grosz, der als Georg Groß in Berlin geboren wurde, sich als strikter Kriegsgegner 1916 in George Grosz umbenennt und zu einem der bedeutendsten Karikaturisten der Weimarer Republik wurde.

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"Grosz" kommt ohne die comictypischen Sprechblasen aus.

Grafisch ist das Werk hochintelligent. Fiskes Bilder setzen sich expressionistisch, ja fast kubistisch im Stile von Grosz zusammen. Egal ob es sich um eine Berliner Straßenszene oder sein Wirken in New York handelt. Viele Informationen verschwimmen in seinen Zeichnungen, die teilweise wie Baupläne wirken. Sie entwickeln eine eigene suggestive Rhythmik. Kunstgeschichte im Rock’n’Roll Format. Panels, also Rahmen um die einzelnen Bilder, gibt es nicht. Er löst sie auf. Und so entstehen fast eigenständige Gemälde.

Bauhaus und Dada

Anders zu erzählen hat für Lars Fiske den Ursprung in seiner Vergangenheit: "Ich liebe Dada. Es ist etwas, das ich entdeckt hatte nach der Zeit, in der ich mich als Kind nur mit Comics befasst hatte. Als Teenie fing ich an, in Bibliotheken zu gehen und mich bei der Kunst umzuschauen. Sie hatten dort Bücher über Dada und Bauhaus, und es war überwältigend."

Es macht Lust, dieses Buch zu lesen. Es macht Lust, in das Leben von George Grosz einzutauchen, und es macht Lust sich Zeit zu nehmen, den Humor und den Anspruch Lars Fiskes zu genießen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 04.05.2019 | 18:00 Uhr

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