Stand: 19.08.2016 09:25 Uhr  | Archiv

Mecklenburgs verwunschenes Schlösserparadies

Fürstinnen im Grünen - Spaziergänge durch Schlossgärten
von Editha Weber
Vorgestellt von Ulrike Sárkány

Die berühmten Schlossgärten von Versailles, Sanssouci, Drottningholm, Schönbrunn oder Herrenhausen sind uns allen ein Begriff als Ausdruck absolutistischer Macht. Die Schönheit der Anlagen soll verweisen auf Harmonie, Frieden und Wohlstand, die dem Volk von der jeweiligen Regentschaft gebracht wurden. Auf sechs solche Gartenanlagen in Mecklenburg-Vorpommern macht jetzt ein Buch der Historikerin Editha Weber aufmerksam, mit dem Titel "Fürstinnen im Grünen. Spaziergänge durch Schlossgärten":

Ein überraschender Antrag

"Wer wird eine arme Prinzessin wie mich nehmen wollen?" "Haha. Seht, hier kommt der Bewerber!" Leseprobe

Genau so soll es sich tatsächlich zugetragen haben im Sommer 1761 auf Schloss Mirow.

Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz saß mit einer Freundin im Garten, als der britische Gesandte eintraf, der für King George den Dritten um ihre Hand anhalten würde. Sie wurde Queen Charlotte, auf die ein wesentlicher Ausbau der berühmten Kew Gardens zurückgeht und die vom Volk "Queen of Botany" getauft wurde. Die Gartenleidenschaft hatte sie von Zuhause mitgebracht. In ihrem Bildband "Fürstinnen im Grünen" gibt die Autorin Editha Weber einen Eindruck, wie es heute dort aussieht:

"Eine kleine Brücke, die über einen Graben führt, und ein zweigeschossiges Torhaus (...) . Sehr hell gestrichen. (...) Der Weg setzt sich unter einer Allee aus riesigen Linden fort. Sie verdunkeln und lassen umso kontrastreicher einzelne Sonnenstrahlen hindurchscheinen. Beim kurzen Blick zurück wirken Linden und Torbogen wie der Eingang in eine Märchenkulisse. (...) Mirow, der slawische Ortsname, erinnert an das Wort "Frieden" oder "Ruhe".

Ein Besuch auf der "Liebesinsel"

Das klingt bezaubernd, und auch die Fotos laden ein zu einem Besuch auf der "Liebesinsel". Aber wir werden gewarnt, nicht zu viel zu erwarten, denn Sophie Charlottes bereits verwitwete Mutter starb zur selben Zeit, als ihre Tochter sich nach Großbritannien einschiffte, und die ständige Hofhaltung fand damals ein Ende:

"Mirow wurde Nebenresidenz, fiel in einen Dornröschenschlaf und ist nach Zerstörungen und Umbauten anderer Residenzen heute ein einzigartiges kulturhistorisches Zeugnis des Hauses Mecklenburg-Strelitz." Leseprobe

Der wiederhergestellten Pracht der Innenräume kann der Schlossgarten nicht entsprechen. Ein Landschaftsgarten, der die reizvolle Insellage betont.

Gärten, noch viel mehr als Gebäude, sind eben vom ersten Tag an dem Verfall ausgesetzt. Editha Webers Buch beginnt mit dem verlorenen Garten Elisabeths von Dänemark in Güstrow, und nimmt uns dann mit nach Ludwigslust, Mirow, Hohenzieritz, Neustrelitz und Schwerin.

Gedenken an eine besondere Frau

Schloss Hohenzieritz beheimatet das restaurierte Sterbezimmer von Königin Luise von Preußen und die offizielle Gedenkstätte mit dem Luisen-Sarkophag. 

"Wenige Tage vor Ausbruch ihrer Krankheit war sie im Garten spaziert, hatte ihren Lieblingsort auf einer Bank unter einem alten Birnbaum aufgesucht. Herzog Carl hielt diesen Moment fest, wählte ihren Lieblingsort als Standort für den zwischen 1812 und 1815 aufgestellten Luisentempel. Ein von acht dorischen Säulen getragener Monopteros. Im Inneren war eine nach der Totenmaske gefertigte Büste der Königin platziert. (...) Die Kopie der verloren gegangenen Büste ziert heute wieder den Tempel." Leseprobe

Naturverliebte Aristokratinnen

Das Buch mit einigen historischen Abbildungen und zahlreichen sehr stimmungsvollen Fotografien macht Lust auf eine Rundreise zu den Schlossgärten Mecklenburgs. Allerdings ist es kein klassischer Reiseführer, in dem sich etwa praktische Hinweise auf Routen und Öffnungszeiten finden würden. Vielmehr lässt die promovierte Historikerin ihrem offenbar unerschöpflichen Wissensfundus freien Lauf, stellt Verbindungen zwischen den Höfen Europas her, zitiert aus der Dichtkunst und verweist auf die großen Schöpfer unsterblicher Parkanlagen wie André le Nôtre, Lancelot "Capability" Brown oder Peter Joseph Lenné. Dass bei diesen Schöpfungen auch immer mal eine Fürstin ihre Hand im Spiel hatte, verschweigt Editha Weber nicht, aber man hätte sich eine deutlichere Konzentration auf das im Titel vorgegebene Thema gewünscht.

Fürstinnen im Grünen - Spaziergänge durch Schlossgärten

von
Seitenzahl:
160 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Nicolai
Bestellnummer:
978-3894798604
Preis:
24,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 28.08.2016 | 17:40 Uhr

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