Das Publikum bei der Verleihung des Buchpreises HamburgLesen 2017 am 27.10.2017 im Lichthof der Staatsbibliothek.

Bestes Hamburg-Buch: Christian Bau über Graffiti-Pionier

Stand: 23.10.2020 16:29 Uhr

Der Buchpreis der Staatsbibliothek für das beste Hamburg-Buch geht in diesem Jahr an Christian Baus "Eiffe for President. Alle Ampeln auf Gelb". Es geht um den Hamburger Graffiti-Pionier Peter-Ernst Eiffe.

von Danny Marques

Christian Bau hat sich mit seinem Buch über den Graffiti-Pionier Peter-Ernst Eiffe gegen sechs weitere Hamburg-Bücher durchgesetzt. Nominiert waren unter anderem eine Jan-Fedder-Biographie und eine Dokumentation über die Entstehung der Speicherstadt. Die Verleihung des Buchpreises fand am Freitagnachmittag im Lichthof der Staatsbibliothek statt. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert.

Peter-Ernst Eiffe: Störenfried mit Wasserpistole

Christian Bau ist Filmemacher und beschäftigt sich seit fast 30 Jahren mit Eiffe, der Ende der 60er-Jahre an der Hamburger Universität für Aufsehen sorgte und als Graffiti-Pionier gilt. Eiffes Ruhm dauerte jedoch nur wenige Wochen und er endete in der Psychiatrie.

"Ich glaube, er wollte einfach berühmt werden", sagt Bau über Eiffe, der im Sommer 1968 in Hamburg auftaucht und einig Aktionen startete. "Sein großer Slogan war: 'Eiffe for President. Frühling für Europa! Alle Ampeln auf Gelb! Sei keine Pfeife - Wähl' Eiffe!' Er hinterließ auch seine Telefonnummer und seine Adresse." Christian Bau sagt:

"Es gibt diese berühmte Szene, wie er im Audimax die Treppe runterkommt, mit einer großen Wasserpistole, er da die Leute nassgespritzt hat. Die haben sich gefragt: Was will der Kerl? Was macht der? Die haben sich ja als Störenfriede verstanden und plötzlich kam einer, der sie störte."

Coverbild von "Unsterblich", der Biografie über den Schauspieler Jan Fedder © Heyne Verlag

AUDIO: Finale beim Buchpreis "HamburgLesen" (26 Min)

Christian Bau schreibt über die Filzstift-Rebellion

Peter-Ernst Eiffe stammt aus der Kaufmannsfamilie, nach der die Eiffestraße zwischen Hamm und Borgfelde benannt ist. Baus zeigt in seinem Buch viele Fotos von Eiffes Kritzeleien, die er in der ganzen Stadt verteilt hat und die alle schon lange wieder entfernt worden sind. Die Texte im Buch machen klar: Eiffe zeigt Wirkung. Was ist eine Stadt – wem gehört eine Stadt? Solche Fragen hat er durch seine Filzstift-Rebellion gegen das Normale angestoßen.

Eine weitere Aktion von Eiffe: Er fährt mit einem Auto in die Wandelhalle am Hauptbahnhof und ruft die Republik "Eiffe" aus. Nur wenige Wochen, nachdem er das erste Mal auftaucht, wird er verhaftet und in die Psychiatrie gesteckt. Nach einem Behandlungsfehler mit Lithium hat er mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Aus der Anstalt in Rickling schreibt er Briefe, einige nur schwer leserlich. Heiligabend 1982 flieht er. Einige Wochen später wird seine Leiche in einem Feld gefunden. Er wird nur 41 Jahre alt.

Christian Bau: "Eiffe for President. Alle Ampeln auf Gelb"

"Eiffe for President – Alle Ampeln auf Gelb" wird von Christian Bau und der Gruppe "Die Thede" herausgegeben und erscheint bei Assoziation A.

144 Seiten und kostet 20 Euro.

Zum Buch gehört auch die DVD mit der Dokumentation "Eiffe for President" von Christian Bau.

Mehr als eine Hamburgensie

"Wenn das heute nochmal jemand probieren würde, würde es nicht funktionieren. Deswegen habe ich auch das Buch veröffentlicht, um klarzumachen, was für ein Typ das war", sagt Bau. "Wir haben auch versucht zu zeigen, dass er mehr war als nur eine Anekdote in Hamburg."

Wer Peter-Ernst Eiffe vorher nicht gekannt hat, wird durch das Buch schnell verstehen, dass er Spuren hinterlassen hat - auch wenn seine Graffitis nicht mehr da sind.

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 23.10.2020 | 19:15 Uhr

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