Stand: 13.10.2018 10:40 Uhr

Einblicke ins Leben der Musik-Legende John Lennon

Imagine John Yoko
von Yoko Ono (Hrsg.)
Vorgestellt von Guido Pauling

Der Song "Imagine" und das gleichnamige Album wurden für John Lennon 1971 zu seinem größten Erfolg als Solo-Künstler: Das Lied ist mittlerweile zu einer weltweit - manchmal schon bis zum Überdruss - gespielten Friedens-Hymne geworden. Das Album "Imagine" zeigt den Ex-Beatle als starken Songschreiber, der von zarten Liebesliedern bis zu aggressiven Rocksongs, von politischen bis zu privatesten Themen die ganze Palette seines Könnens nutzt.

47 Jahre nach Veröffentlichung der Platte hat Lennons Witwe Yoko Ono einen voluminösen Bildband herausgegeben: "Imagine John Yoko". Mehr als 300 Seiten voller Fotos, Interviews, Filmausschnitte und Zeichnungen gewähren Einblicke in die Entstehung dieser Aufnahmen, die den Lennon der Nach-Beatles-Ära zum unsterblichen Idol machten.

Hautnah dabei sein, wenn Musik entsteht

Märchenhaft - als Zuschauer dabei sein zu dürfen, während eines der berühmtesten Alben der Rockgeschichte aufgenommen wird. Musikern wie John Lennon, George Harrison, Klaus Voormann, Nicky Hopkins und Alan White über die Schulter zu schauen, wie sie in Lennons Heimstudio in seiner Villa in Tittenhurst Park jammen, spielen, ausprobieren und ganz allmählich den gewünschten Sound finden.

Eng ist es im Aufnahmeraum; neun Musiker, alle mit Kopfhörern, drängen sich auf Stühlen und Hockern zusammen. Überall stehen Kaffeetassen herum, Dosen mit Dr.-Pepper-Limonade (nach der Lennon verrückt war), Aschenbecher mit qualmenden Kippen.

Die Studio-Schnappschüsse sind sicher die stärksten Aufnahmen des Bandes. Lennon in Jesus-Latschen und Jeans mit Schlag, mit seiner berühmten Nickelbrille auf der Nase und Wuschelfrisur. George Harrison mit Rübezahl-Bart, auffällig ernst und hochkonzentriert an seiner Gitarre. Während Klaus Voormann, Freund der Beatles aus frühesten Hamburg-Tagen, zurückgesunken auf einen niedrigen Sessel, seine langhalsige Bassgitarre zupft und zu träumen scheint.

"John spielt Gitarre, singt zur gleichen Zeit... Du hörst die Worte und spielst. Bei mir ist es damals tatsächlich so gewesen, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich überhaupt mache, was ich da spiele. Ich weiß nicht, welche Tonart das ist, irgendwie automatisch spielt man das, was zu dem Stück passt", erinnert sich Klaus Voormann.

Details zur Entstehung berühmter Songs

Von jedem einzelnen der zehn Songs existieren handschriftliche Texte, meist ausgerissene Notizzettel von Hotels, Fluglinien, Briefblöcken. "Imagine there's no heaven, it's easy if you try..." - schnell dahin gekritzelt auf einen Wisch vom New York Hilton; eine Linie verschmiert, die letzte Zeile schon über den Werbetext geschrieben. Der berühmte utopische Song über Weltfrieden, Gerechtigkeit, das Ende von Gier und Hunger - ist in seiner Entstehung erst einmal nur ein Krickelkrackel-Entwurf.

In langen Interviews verraten John und Yoko, wie die einzelnen Songs geschrieben wurden. Yoko, die Herausgeberin des Bildbands nutzt die Gelegenheit, ihren Anteil an der Legende nicht zu kurz kommen zu lassen, indem sie ein Interview Johns aus dem Jahr 1980 zitiert: "'Imagine' ist eigentlich ein Lennon/Ono-Song, weil viel davon - der Text und das Konzept - von Yoko kam. Aber damals war ich egoistischer, mehr Macho, und versäumte es, ihren Beitrag zu würdigen. Es kam jedoch aus ihrem Buch 'Grapefruit'. Da gibt es einen ganzen Haufen von 'imagine this', 'imagine that'. Jetzt erkenne ich das an, war längst überfällig."

2017 wurde Yoko Ono schließlich offiziell von der National Music Publishers' Association als zweite Songschreiberin von "Imagine" anerkannt.

Eine nostalgische Erinnerung

Man kann sich beim Blättern in der Masse an Details verlieren. Ganze Foto-Kaskaden aus einem Film-Tagebuch zeigen Johns Sohn Julian mit anderen Kindern beim Spielen im Garten. Man findet exakte Grundrisse des 29 Hektar großen englischen Parks, liest Berichte der persönlichen Assistenten des Künstlerpaares, wie der Teich im Garten des weitläufigen Anwesens angelegt wurde, betrachtet Panorama-Fotos des riesigen Schlafzimmers der Lennons: Schränke gibt es keine, Schallplatten und Bücher, Hemden und Schuhe liegen sehr ordentlich aufgereiht auf dem Fußboden. Das an einer Wand stehende windschiefe, braune Klavier entpuppt sich als das Instrument, auf dem "Imagine" ursprünglich komponiert worden war, bevor John den Song später auf einem weißen Flügel spielte und so optisch verkitschte.

Als ob sie befreundeten Besuch ohne Scheu kreuz und quer durchs ganze Haus führt, erlaubt Yoko den Betrachtern weit mehr Einblicke als nötig. Manches Mal wird die selige Erinnerung der Künstlerin an die kreative Hoch-Zeit mit ihrem berühmten Ehemann zur reinen Nabelschau. Allerdings machte genau dies schon immer das Wesen von Lennons und Onos Kunst aus: Totale Offenheit, Zuschaustellen jeder einzelnen Seelenregung von Angst und Wut bis zu Träumereien und dem eigenen Liebesglück.

"Imagine John Yoko" ist also eine überreiche nostalgische Erinnerung. Stell dir vor, es waren einmal John und Yoko, die lebten vor langer langer Zeit zu zweit in einer Villa mit Park, holten viele Freunde zu sich und schufen mit ihnen "Imagine".

Imagine John Yoko

von
Seitenzahl:
320 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Edel Books
Bestellnummer:
978-3-8419-0637-3
Preis:
49,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 14.10.2018 | 17:40 Uhr

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