König Charles III. steht während der Zeremonie anlässlich seiner Proklamation als König im Londoner St. James-Palast an einem Rednerpult © dpa-Bildfunk Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa

Charles III. - Ewiger Thronfolger und nun König

Stand: 10.09.2022 13:50 Uhr

Charles III. ist offiziell zum König ausgerufen worden. Ein eigens zusammengerufener Rat bestätigte den Sohn von Königin Elizabeth II. am Sonnabendvormittag in London als britisches Staatsoberhaupt. Charles war mit dem Tod seiner Mutter am Donnerstag bereits automatisch König geworden.

In einer historischen Zeremonie ist Charles III. förmlich zum neuen britischen König und Nachfolger der am Donnerstag verstorbenen Königin Elizabeth II. ausgerufen worden. "Prinz Charles Philip Arthur George" sei nun zu  "König Charles III." geworden, "Gott schütze den König!", hieß es in der Erklärung des speziell zu diesem Anlass zusammengetretenen Accession Council. An der live im Fernsehen übertragenen Zeremonie nahmen unter anderem Königsgemahlin Camilla und Charles' Sohn und Thronfolger William teil.

Der 73-Jährige hatte am Freitagabend in seiner ersten Ansprache als König erklärt, nach dem Vorbild seiner Mutter widme er sein Leben "der Wahrung der Verfassungsgrundsätze, die das Herzstück unserer Nation bilden". Seine Mutter lobte er als Vorbild und Inspiration.

 

"Werte müssen konstant bleiben"

Charles verwies in seiner Rede darauf hin, wie anders die Welt gewesen sei, als seine Mutter den Thron bestieg. "Im Laufe der vergangenen 70 Jahre hat sich unsere Gesellschaft zu einer mit vielen Kulturen und vielen Religionen entwickelt", sagte er. "Die Institutionen des Staates haben sich ihrerseits verändert." Trotz des Wandels seien Großbritannien und die Staaten des Commonwealth "gediehen und aufgeblüht", erklärte er weiter. "Unsere Werte sind konstant geblieben und müssen es auch bleiben." An seine Mutter gerichtet sagte Charles schließlich: "Ich will einfach nur dies sagen: Danke. Danke für deine Liebe und Hingabe an unsere Familie und an die Familie der Nationen, der du all die Jahre so gewissenhaft gedient hast."

 

Vom Thronfolger zum König

Charles ist ein Naturfreund, propagiert den biologischen Landbau und setzt seine Ansichten auch praktisch auf seinem Landsitz Highgrove in Gloucestershire in die Tat um: Charles Philip Arthur George, jetzt König Charles III.

Er galt als "ewiger Thronfolger". Immer häufiger hatte Prince Charles seine Mutter Queen Elizabeth II. bei offiziellen Anlässen in der letzten Zeit vertreten. Nach ihrem Tod tritt er als König Charles III. nun ihre Nachfolge an.

Erste öffentliche Reaktion von Charles auf den Tod der Queen

In einem Tweet hat König Charles von einem Moment "größter Trauer für ihn und seine Familie" gesprochen. Er wisse, dass der Tod der Queen tiefes Mitgefühl "im Land und bei Menschen auf der ganzen Welt" hinterlassen werde. Nachdem sich der Gesundheitszustand der Queen verschlechtert hatte, war Charles zu ihr auf den Landsitz Balmoral in Schottland gefahren.

Wie wird Charles als König?

Immer wieder gab es Spekulationen darüber, wann die Queen abdankt, und ob Charles auf seinen Thronanspruch verzichtet, damit William der nächste König wird. Ein enger Vertrauter von Charles offenbarte im US-Magazin "Time" gar, dass der Prinz gar keine Lust auf die Krone habe. Doch im britischen Königshaus wird nicht abgedankt, die Krone wird mit "kalter Hand" weitergereicht. Charles dürfte jedenfalls gut darauf vorbereitet gewesen sein, nun den Thron zu besteigen.

VIDEO: Die Queen – Zum Tode von Königin Elisabeth II. (44 Min)

Doch wie wird Charles wohl als König? Dies sei laut Seelmann-Eggebert die eigentlich spannende Frage. Denn während Königin Elizabeth II. vor allem für ihre verschwiegene, dezente Art berühmt war, wird Charles von seinen Befürwortern gerade dafür geliebt, dass er ganz offen seine Meinung sagt - selbst wenn diese nicht immer politisch korrekt ist. "Womöglich ist er sich selbst noch nicht im Klaren darüber, wie er sich überhaupt verhalten kann, wenn er die Krone trägt", erklärt der Adelsexperte.

Wenn er sich zurückhaltend gibt, werden sich diejenigen wundern, die ihn für seine Offenheit lieben. Und wenn er sich weiterhin unbeirrt offen äußert, prognostiziert Seelmann-Eggebert, würden sich alle aktuellen Mitglieder des königlichen Stabs fragen: "Um Gottes Willen, was machen wir mit einem König, der so meinungsfreudig ist?" Nun ist es also soweit: Charles ist nicht mehr Prinz, sondern King Charles.

Ein Royal mit Randpositionen

Mit seinen Plädoyers für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft, Öko-Lebensmittel und den Klimaschutz - ob in seinen Büchern oder handgeschriebenen Notizen an die Regierung - eckt Charles regelmäßig an.

In einem Land, in dem die grüne Bewegung so gut wie keine politische Rolle spielt, vertritt er Randpositionen, mit denen seine britischen Landsleute immer wieder fremdeln. "Es gibt keinen Politiker, der mir bekannt ist, der ähnlich offen über bestimmte Dinge spricht. Das zeichnet ihn wirklich aus", sagt Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert über den britischen Thronfolger. "Und da spricht einer, der etwas davon versteht. Einer, der sich auch mal selbst die Finger schmutzig macht", erklärt er weiter. Neben seinen offiziellen Pflichten engagiert sich Charles für zahlreiche wohltätige Initiativen und Organisationen. Ob er als König dieses Engagement weiter so betreiben kann, bleibt abzuwarten.

Kindheit und Ausbildung des Prince of Wales

Queen Elizabeth II. mit ihren Kindern Prinz Charles und Prinzessin Anne © Picture-Alliance / dpa Foto: Marcus Adams
Lächeln fürs Familienalbum: Charles, Elizabeth und Anne.

Charles kommt am 14. November 1948 in London zur Welt. Mit der offiziellen Ernennung seiner Mutter Queen Elizabeth II. zur Thronfolgerin im Jahr 1952 wird der Prinz zum britischen Thronerben ernannt. Seitdem wartet er auf die königlichen Weihen. Die Zeit verbringt Charles sinnvoll: Ende der 1960er-Jahre studiert er in Cambridge Archäologie, Geschichte und Anthropologie. Anschließend absolviert er eine Militärausbildung bei der Royal Air Force und der Royal Navy. 1976 quittiert er den aktiven Dienst in der Armee. Trotzdem wird er im Juni 2012 von seiner Mutter befördert - zum Feldmarschall der Armee, Flottenadmiral und General der Royal Air Force. Damit gehört Charles zu den wenigen Royals, die Fünf-Sterne-Offiziere sind.

Ehekrise im Hause Windsor

Charles' Leben ist in der Vergangenheit immer wieder von Skandalen überschattet worden, die seinem Ansehen bei seinen britischen Landsleuten schaden. Dabei beginnt alles so vielversprechend: Im Juli 1981 verfolgt ein Millionen-Publikum im Fernsehen seine Traumhochzeit mit der ehemaligen Kindergärtnerin Lady Diana Spencer in der Londoner St Paul's Cathedral. Zwei Söhne gehen aus dieser Ehe hervor, die Prinzen William (geboren 1982) und Harry (geboren 1984).

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Doch in der vom Volk so bejubelten Ehe beginnt es bald zu kriseln, denn der Kronprinz hält weiterhin Kontakt zu seiner Ex-Geliebten Camilla Parker Bowles. In der Öffentlichkeit spricht Charles stets von einer "rein freundschaftlichen Beziehung", doch als Tonbandaufnahmen auftauchen, in denen er gesteht, gerne Camillas "Tampon" sein zu wollen, ist sein Image ramponiert. Viele Briten können nicht verstehen, dass er den "Rottweiler" - wie Camilla boshaft in der Presse genannt wird - der allseits beliebten Diana vorzieht. Es dauert Jahre, bis sich Charles von diesem öffentlichen Tiefschlag erholt. Ab 1987 trifft sich das einstige Traumpaar Charles und Diana nur noch zu gesellschaftlichen Anlässen. Im August 1996 lassen sie sich schließlich scheiden. Ein Jahr später, am 31. August 1997, kommt Lady Diana zusammen mit ihrem Lebensgefährten Dody Al-Fayed bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben.

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So tragisch es ist: Der Tod Dianas macht Charles den Weg frei, das andauernde Verhältnis zu Camilla Parker Bowles zu legitimieren. Die Queen, die lange ein eher distanziertes Verhältnis zu Camilla hat, gibt dem Paar ihren Segen. Und auch das Volk ist milde gestimmt, als sich Camilla und Charles am 9. April 2005 in Windsor das Jawort geben. Camilla verzichtet aus Respekt vor Diana auf die Anrede "Prinzessin von Wales" und nennt sich "Herzogin von Cornwall". Prinz Charles erklärt zudem, dass Camilla für den Fall seiner Thronfolge nicht den Titel "Königin" tragen werde. Sie werde sich mit der Anrede "Prinzessingemahlin" begnügen.

Charles hält sich nicht immer ans Protokoll

Seine unangepasste Art zeichnet Prinz Charles aus. Nicht nur, weil er in politischen Fragen klar Position bezieht. Auch wenn es um Privates geht, verstößt er schon mal gegen den Verhaltenskodex des Hauses Windsor. So geschehen im Falle eines Interviews mit dem BBC-Journalisten Jonathan Dimbleby, in welchem er nicht nur seine Untreue gegenüber seiner Noch-Ehefrau Diana öffentlich machte, sondern persönliche Briefe und weitere Unterlagen zur Verfügung stellte.

"So etwas darf in Königshäusern eigentlich nicht passieren, derartige Veröffentlichungen geschehen normalerweise erst, wenn die entsprechende Person tot ist", erläutert Rolf Seelmann-Eggebert in einem Interview. "Aber Prinz Charles hat gesagt: Bitteschön, ich lege die Karten auf den Tisch." Dass dabei auch unschöne Bemerkungen über seine Eltern an die Öffentlichkeit gelangten und er ihnen damit gehörig vor den Kopf stieß, nahm er in Kauf.

In einer TV-Dokumentation anlässlich seines 70. Geburtstags im Jahr 2018 wurde Charles gefragt, ob er sich als König öffentlich genauso frei äußern und für bestimmte Dinge eintreten werde wie als Prinz. Daraufhin erwiderte der damalige Thronfolger: "Der Gedanke, dass ich genauso weitermachen würde wie bisher, wenn ich die Thronfolge antrete, ist kompletter Unsinn, denn diese beiden Situationen sind völlig unterschiedlich", so Charles damals. "So dumm bin ich nicht." Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob er sich an diese Worte erinnert.

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NDR Info | Aktuell | 10.09.2022 | 07:20 Uhr

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