"Entromantisiert euch!": Beatrice Frasl will die romantische Liebe abschaffen
Wir haben eine genaue Vorstellung davon, wie romantische Liebe im Idealfall abzulaufen hat - dank unzähliger Filme, Bücher und Lieder. Die österreichische Autorin Beatrice Frasl warnt in ihrem neuen Buch "Entromantisiert euch!" vor allem Frauen vor dieser unrealistischen Vorstellung.
"Es gibt kaum etwas, mit dem sich Frau unbeliebter machen könnte als mit einem Buch, das die Liebe schlechtredet. Aber keine Angst: Ich muss sie nicht schlechtreden, sie ist schon schlecht." Beatrice Frasl
Beatrice Frasl ruft in ihrem neuen Buch zur Abschaffung der romantischen Liebe auf. Keine Liebe mehr? Wie meint sie das? Schon mal vorweg: Sie möchte die Liebe nicht komplett abschaffen. Ihr geht es vielmehr darum zu zeigen, dass romantische Beziehungen in unserer Gesellschaft überhöht werden.
Gefährliche Liebe in heterosexuellen Beziehungen
Vor allem für Frauen habe die romantische Liebe mehr Nachteile als Vorteile und könne sogar gefährlich werden, erklärt die Autorin im Interview: "Heterosexuelle Paarbeziehungen drängen Frauen ganz oft in eine Rolle von Fürsorgerinnen, Ersatzmütter für die Männer, mit denen sie zusammen sind, drängen sie in die Rolle von Krankenpflegerinnen, Managerinnen, Therapeutinnen - das ist alles viel zu viel. Frauen sind in heterosexuelle Paarbeziehungen ganz oft massiv überladen. Dann komm noch hinzu, dass Beziehungen mit Männern oft gewaltvoll sind."
Frasl: Verliebtheit ist wie extreme Form von Drogensucht
Die Österreicherin widmet sich in ihrem Buch aber nicht nur der Liebe, sondern auch der Verliebtheit - das sind für sie zwei sehr unterschiedliche Gefühle. Beide hätten nichts miteinander zu tun, schon rein körperlich nicht. Der Hormoncocktail, der in Phasen der Verliebtheit aktiviert wird, erinnere mehr an eine besonders extreme Form der Drogenabhängigkeit, vor der Menschen beschützt werden müssten: "In der Tat sind bei Verliebtheit auch dieselben Gehirnregionen aktiv wie bei Suchtkranken", so Frasl. Wenn wir uns verlieben, werden wir also süchtig nach der Person, in die wir uns verlieben. "Bei Trennungen machen wir einen Entzug durch (nicht metaphorisch, sondern faktisch). Zusätzlich sinkt im Zustand der Verliebtheit auch noch der Serotoninspiegel ab, und zwar in einem Ausmaß, wie man es sonst nur bei Menschen mit starken Zwangserkrankungen kennt. Der niedrige Serotoninwert kann zu großen Verlustängsten führen."
Freundschaft: Stabiler als romantische Ideale
Dieser Zustand sollte eben nicht in Filmen, Liedern und Büchern gefeiert werden. Beatrice Frasl beschreibt die Verliebtheit stattdessen als "hochgradig zerstörerisch und destabilisierend." Doch das Buch lässt uns nicht ohne Liebe zurück - ganz im Gegenteil. An die Stelle von romantischen Beziehungen setzt die Österreicherin die Liebe zu Freundinnen und Freunden. "Für mich ist die Liebe zu Freundinnen eine wesentlich ruhigere und eine, die sich wesentlich stabiler anfühlt und auch faktisch stabil ist, statistisch halten Freundschaften länger als romantische Beziehungen. Es ist eine Form der Liebe, die nicht verblendet wird, durch eine Verliebtheit, die am Anfang stattfindet", erzählt Frasl.
Das Buch feiert die Freundschaft
Das Buch ist in Teilen extrem, man wird gezwungen, die eigenen romantischen Beziehungen zu hinterfragen und man möchte nur zu gerne widersprechen. Sind denn die Schmetterlinge im Bauch es nicht alles wert - oder die spätere Vertrautheit und die Zeiten der Geborgenheit? Doch dann erinnert man sich auch an die eigenen Verletzungen, die die Liebe verursacht hat und die vielen Tränen, die wegen ihr vergossen wurden. Liebe ist schmerzhaft, wer kann dem widersprechen? Zum Glück gibt es die Freundinnen! Sie trösten und sind da, wenn es die Liebe mal wieder nicht ist. Dieses Buch feiert die Freundschaft und das ist sehr angemessen!
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