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Im Urlaub ist mir aufgefallen: In manchen Kirchen brennt vorn irgendwo an der Wand hängend eine Kerze in einem roten Glas. Warum? Was bedeutet diese Kerze?

Diese Kerze, die Sie gesehen haben, ist streng genommen gar keine Kerze, sondern ein Öllicht. Das sogenannte "Ewige Licht", das, wie der Name schon sagt, immer brennt. Es ist ein symbolisches Licht und erinnert daran: Gott ist hier - in diesem Raum.

Dieses Licht ist aber keine Erfindung der Christen. Seitdem die Menschen das Feuer kennen, brennen an den Orten, wo sie Götter verehren, Feuer.

Das ewige Licht gibt es nur in katholischen Kirchen und zwar seit dem 13. Jahrhundert. Es weist hin auf das geweihte Brot, die Hostien. Sie befinden sich im Tabernakel, das ist ein künstlerisch gestalteter Schrank mit einer meist reich verzierten Tür. Dieser Tabernakel steht oft auf einer Stele, mal hinter, mal neben dem Altar, in großen Kirchen manchmal auch in einer der sogenannten Seitenkapellen. Das Ewige Licht steht oder hängt jeweils - gut sichtbar - in der Nähe des Tabernakels. Manchmal als Ampel an drei Ketten, oder es steht auf einem Wandarm an einer Kirchenmauer. Das Ewige Licht brennt in einem roten Glas: Ein Symbol für das Blut Jesu. Es erinnert an seinen Tod am Kreuz.

An einen Tag im Jahr brennt das ewige Licht nicht: Am Karfreitag. Dann ist kein geweihtes Brot im Tabernakel. Erst in der Osternacht wird Brot geweiht und dann das Licht entzündet.

Ich habe im Süden auch Kirchen besucht, da brannte keine echte Kerze in dem roten Glas, sondern eine elektrische, die meist sogar flackerte. Wo ist da der Unterschied?

Das eine ist lebendig, das andere elektrisch. In vielen Kirchen ist das Ewige Licht ein Öllicht. Das Material ist viel weicher als Wachs. Und ein solches Öllicht, ein lebendiges Licht, das sich verzehrt, brennt im Schnitt eine Woche, dann muss es ausgetauscht werden.

Das ist die Regel. Aber wie das so ist: Ausnahmen bestätigen die Regel. Und so gibt es aus ganz unterschiedlichen Gründen auch Kirchen mit einem elektrischen Ewigen Licht. Manchmal sind es sogar Glühbirnen, die das Flackern einer echten Kerze nachahmen. Das ist Geschmackssache.

Eine Flamme in der Kirche bedeutet auch immer eine mögliche Gefahr. Und da ist es durchaus verständlich, wenn statt des Öllichts eine elektrische Kerze installiert wird. Eine solche Kerze gibt es auch in den jüdischen Gebetshäusern, den Synagogen. Das Licht dort erinnert die Betenden an Gottes Gegenwart in seinem Volk.

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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