Ein Koran auf Koranständer und einem Gebetsteppich in einer Moschee. © NDR Foto: Julius Matuschik
Ein Koran auf Koranständer und einem Gebetsteppich in einer Moschee. © NDR Foto: Julius Matuschik
Ein Koran auf Koranständer und einem Gebetsteppich in einer Moschee. © NDR Foto: Julius Matuschik
AUDIO: Moment Mal (2 Min)

Tag der offenen Moschee - Religion mal anders erleben

Stand: 04.10.2022 10:15 Uhr

Am 3. Oktober war Tag der offenen Moschee. Seit 1997 findet er jährlich am Tag der Deutschen Einheit statt. Überall in Deutschland öffneten Muslime ihr Gotteshaus und luden dazu ein, sie zu besuchen.

Ali Özdil ist Islamwissenschaftler, Slammer und Entertainer. Radiopastorin Susanne Richter hat mit ihm über Möglichkeit gesprochen, den Islam an dem Tag der offenen Moschee näher kennen zu lernen.

Was gibt es da zu erleben?

Özdil: An diesem Tag gibt es Menschen, die die Besucherinnen und Besucher Schritt für Schritt durch die Räume führen. Und auch darüber informieren, was in einer Moschee so täglich stattfindet. Nicht nur an Gottesdiensten, sondern auch an Bildungsveranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Also man bekommt einen Einblick in das muslimische Leben in Deutschland.

Ali, Du weißt, ich bin Christin und ich habe zwei kleine Kinder, macht das Sinn, dass ich mit denen dahingehe?

Özdil: Auf jeden Fall. Es ist so, dass Religionslehrerinnen und -lehrer, vor allem in Hamburg, schon seit Jahren angehalten sind, beziehungsweise wird ihnen empfohlen mindestens einmal im Jahr eine Moschee, eine Kirche, eine Synagoge oder einen Tempel zu besuchen. Das nennen wir entdeckendes Lernen. Für Kinder ist das Interessante, sie gehen in einen großen Raum mit Teppich, sie mögen dann auch manchmal toben. Für sie ist das dann wie in einem Palast zu sein. Es ist eine Entdeckung: Religion mal anders zu erleben.

Was würdest Du jetzt denjenigen sagen, die Vorbehalte, vielleicht sogar Vorurteile feststellen oder vielleicht auch etwas schüchtern sind. Warum sollen die sich überwinden und trotzdem hingehen?

Özdil: Naja, der Mensch fürchtet ja immer, was er nicht kennt. Und was uns fremd ist, führt immer auf der einen Seite dazu, dass ist wie bei so einem Magnet, dass wir einen Sicherheitsabstand halten und auf der anderen Seite zieht es uns trotzdem an - wir sind ja neugierig. Und wenn man seit Jahrzehnten über den Islam und Muslime und die Moscheen hört in den Medien, dann ist es auch doch manchmal schön, nicht nur zu hören, sondern auch eine eigene Erfahrung zu sammeln. Und diese Angst zu überwinden und über diese Schwelle zu gehen und in die Moschee reinzugehen und zu sehen: Ach, die beten ja nur! Oder sie unterrichten Kinder. Oder sie haben sonstige Veranstaltungen. Ich kann aus Erfahrung sagen, ich habe über 800 Moscheeführungen gemacht - das Feedback war durchgehend positiv.

Bei Menschen, die die gleiche Religion haben, würde man sagen, dass sind Geschwister im Glauben. Wie würdest Du das jetzt bei uns sagen: Sind wir Cousin und Cousine im Glauben?

Özdil: Es gibt eine schöne Aussage von Ali, Schwiegersohn des Propheten: Die einen sind die Geschwister im Glauben, er meint damit die Muslime, über die Du regierst, und die anderen sind Deine Geschwister im Menschsein.

Weitere Informationen
Ali Özdil, Islamwissenschaftler und Religionspädagoge © Ali Özdil

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 02.10.2022 | 09:15 Uhr

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