Das Plakat des PEN zeigt zum Writers in  Prison Day die Fotos inhaftierter Autoren. © PEN International

PEN macht auf inhaftierte Schriftsteller aufmerksam

Stand: 15.11.2021 09:18 Uhr

Die Gedanken sind frei. Aber aufschreiben und veröffentlichen darf man sie in vielen Ländern nicht. Wer es doch tut, kann im Gefängnis landen. Der PEN erinnert am Tag des inhaftierten Schriftstellers am 15. November an Betroffene.

von Julia Heyde de López

Er will aufmerksam machen auf die Schicksale verfolgter Autorinnen und Autoren weltweit, erklärt Ralf Nestmeyer, Vizepräsident des deutschen PEN-Zentrums: "Ja, es gibt verschiedene Fälle, die dieses Jahr eben im Vordergrund stehen. Besonders zum Beispiel ist der Fall von Selahattin Demirtaş, das ist ein türkischer Rechtsanwalt und Politiker, der aber auch Romane geschrieben hat in Haft, die auch auf Deutsch erschienen sind. Und er ist eben unter dem Regime Erdogan seit Längerem in Haft … "

Inhaftierte Autoren kommen aus China und Eritrea

Außerdem im Fokus: Fälle aus China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Kuba und Eritrea. In dem ostafrikanischen Land steht es schlecht um die Meinungsfreiheit. Zwölf Journalisten sind verschwunden, und man wisse nicht, ob sie überhaupt noch am Leben sind, so Ralf Nestmeyer. "Der bekannteste von diesen Journalisten ist Dawit Isaak. Das ist ein Autor, der lange Zeit in Schweden gelebt hat, der ein schwedischer Staatsbürger und damit EU-Bürger ist. Und er ist dann zurückgegangen nach Eritrea, um dort eine neue Zeitung aufzubauen und kurz darauf, wenige Monate später, wurde er inhaftiert, wegen auch da wieder dubioser Vorwürfe …"

Das war bereits im Jahr 2001. Zwanzig Jahre ist Dawit Isaak in Haft. Auch seine Familie hat keinen Kontakt zu ihm. Die letzten Lebenszeichen würden bis ins Jahr 2013 datieren und man habe keine Ahnung, was mit diesen Menschen passiert sei. Und auch das sei so ein Fall, das wolle der PEN nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen, sondern wolle eben in diesem Jahr speziell auch daran erinnern.

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AUDIO: Writers in Prison Day (2 Min)

PEN verfolgt Fälle von rund 300 Inhaftierten

Die Schriftstellervereinigung PEN begleitet aktuell etwa 300 Fälle von inhaftierten Autoren und Medienschaffenden. Für diese Arbeit braucht es einen langen Atem, bestätigt Ralf Nestmeyer.  "Ich engagiere mich natürlich vor allem aus dem Grund - ich hab's ja sehr bequem hier in Deutschland am heimischen Schreibtisch, kann völlig frei ohne Bedrohung arbeiten und schreiben und meine Gedanken äußern, aber das war in Deutschland ja auch nicht immer der Fall, und ich sehe das durchaus als Pflicht und Aufgabe von allen Autoren weltweit an, sich für das freie Wort einzusetzen."

Der Autor, Politiker und Jurist Selahattin Demirtaş © HDP
Sitzt seit Längerem in der Türkei in Haft: der Politiker und Autor Selahattin Demirtaş.

Selahattin Demirtaş in der Türkei, Dawit Isaak in Eritrea - alle, die zu Unrecht inhaftiert sind, verdienen Gerechtigkeit. Und für diese Gerechtigkeit zu kämpfen, ist Gottesdienst, das sagte einmal ein brasilianischer Befreiungstheologe. Denn Gott ist ein Freund der Freiheit - einer Freiheit nicht nur in Gedanken.

Dieses Thema im Programm:

Kirche im NDR | 14.11.2021 | 09:15 Uhr

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